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Stephen Wolfram: A New kind of science

Der neue Wissenschaftsbestseller aus den USA: Einfachste Formeln und 'zelluläre Automaten' beschreiben komplexe biologische Zusammenhänge. Faszinierende Grafik, revolutionäres Denken.


Ulrich Karger (Text) Uli Waas (Bilder): Geisterstunde im Kindergarten
Nord-Süd Verlag; (Edition Jürgen Lassig) Gossau, Zürich - Hamburg 2002; 24 Seiten; 12,80 EUR (22,80 sFr); ISBN 3-314-01151-2

Heute Abend ist Geisterstunde in Luisas Kindergarten. Die Kinder dürfen im Gruppenraum übernachten. Luisa erzählt von ihrem Stern, den ihr Vater ihr geschenkt hat und an den sie immer denken soll, wenn sie sich fürchtet.

Nach dem Tanz der Gespenster, Monster und Vampire verrät Luisa noch einen Trick gegen die Angst im Dunkeln ... Ein Bilderbuch ab 3 Jahre, dass nicht nur zu Halloween passt, sondern für jede Jahreszeit die Lust am Verkleiden und die Angst vor dem Erschrecken thematisiert. Zeitgleich übersetzt in mehrere Sprachen! [Shop bei amazon.de]


Andreas Okopenko, Die Belege des Michael Cetus. Erzählungen.

[Info? Lieferbar? Preis?]

Der Ritter Verlag in Klagenfurt hat drei Erzählungen des diesjährigen Trakl-Preisträgers Andreas Okopenko neu aufgelegt, die erstmals 1967 im Residenz Verlag erschienen sind. Entstanden sind sie in den Jahren 1962 und 1963, in ei-ner Zeit also, als der kalte in einen heißen Krieg zu münden drohte, einen Krieg, der apokalyptische Dimensionen haben würde. Die Angst davor war, wie wir heu-te wissen, nicht unbegründet. Die Erzählungen sind vor diesem Hintergrund zu lesen, insbesondere die Titelgeschichte "Die Belege des Michael Cetus", aber nicht nur, bestehen doch weiterhin weltweit Konflikte, die sich schnell zu einer Katastrophe entwickeln können. Aber auch die privat erscheinenden alltäglichen Grausamkeiten und Brutalitäten sind so geläufig geworden, daß wir dabei sind, uns daran zu gewöhnen, sie hinzunehmen wie das schlechte Wetter.

Okopenkos Texte haben also nichts von ihrer Aktualität verloren, so sehr der Au-tor dies auch gewünscht haben mag. Einige Realien sind uns vielleicht fremd ge-worden, an der getroffenen Feststellung vermag dies aber nichts zu ändern. Die immer noch modern anmutende Form tut ein Übriges. Dies gilt vor allem für die "Belege des Michael Cetus", wo die Nähe zur Wiener Gruppe spürbar ist. Die Er-zählung folgt nicht den Gesetzen der Linearität, sondern eigenen, aus sich selbst begründeten. Inhaltlich geht es um die Selbstverbrennung eines jungen Mannes, der damit ein Zeichen setzen will gegen den Wahnsinn von Krieg und Brutalität in ihren vielfältigen Ausprägungen. An Marjorie darf ich nicht denken. O ja, ich muß an Marjorie denken, in allen De-tails, an alle vertane Zukunft. Das gehört zur perfekten Qual dazu, die ich - weiß Gott vor wem - demonstrieren muß, damit Friede bleibt und obwohl es trotzdem Krieg geben wird. Michael Cetus wird sich am Ende von der Laufkatze in den glühenden Hochofen stoßen lassen, in die schwachglühende widerliche schmelzende Masse. Während er auf den Stoß wartet, spricht er - scheinbar ungeordnet - von seiner Liebe zu Marjorie Eddington, von ihrer Unangepaßtheit in Zeiten gesellschaftlicher Erstar-rung, von ihrer Freiheit in sexuellen Dingen. Sie kann die Hingabe endlich ver-antworten, denn sie hat die Richtigkeit ihres Gefühls überprüft. Und wenig später sagt sie: "Bist du sehr bös, daß ich so lang gewartet habe? Ich bin mir sehr, sehr bös. Aber jetzt nehm ich dich, du mußt dir alles tun lassen, Mike."

Die Geschichte gewinnt an Authentizität durch die Quellen, die "Belege", die der Erzähler einfügt, zusammenfügt, montiert. Dabei handelt es sich um Fotos, An-sichtskarten, Briefe, "Protokolle", ungedrehte Filmszenen, Hörbilder, Notizkalen-der usw. Dieses Kaleidoskop ist das zerrissene Bild von der Unmöglichkeit, daß eine Liebe dauern kann in Zeiten der Kälte, der Brutalität. Hier mutet der Autor dem Leser das Äußerste zu, ob es sich handelt um das Aufschlitzen der Bäuche und das Wühlen in den Gedärmen der Ermordeten, bis die Partisanen an die Nachricht der Melder kommen, die diese verschluckt haben, oder um die scheuß-lichen Spiele von minderjährigen Mädchen in der "gelben Kapelle" auf dem "klei-nen Friedhof", wo sie ihr gleichaltriges Opfer als menschlichen Aschenbecher be-nutzen.

Michael Cetus ist sich am Ende nicht mehr sicher, ob es sinvoll ist, verantwortbar, daß er sein Leben zum Zeichen hingibt. Kann ein Mensch, wenn er wirklich liebt, einen so grauenhaften, so verschwenderischen Mord begehen? so namenlos hart sein gegen die Geliebte?

Auch die beiden anderen Geschichten üben Kritik an einer Gesellschaft, die Men-schen verletzt und zerstört. So wird der Greis in der gleichnamigen Erzählung zum Gespött der Kinder, denen er nur freundlich begegnen wollte. Hast du ein schönes Kleid heute an! wählt er, zur Fünfjährigen gesprochen. Das Mädel wird rot, überlegt, wie man auf ein Kompliment zu danken hat, und streckt schließlich die Zunge heraus. Der Greis überlegt, wie man auf ein Kompliment zu danken hat, und sagt: Und eine schöne Zunge! - Du bist dumm! sagt der Vier-jährige zu ihm. Der Greis will spielen und tappt nach dem Buben, der Vierjährige spuckt ihn an. Das Mädchen lacht und streckt, nun zum Selbstzweck, die Zunge heraus. Der Sechsjährige sagt gelangweilt: Geh, lassen wir den alten Tatter.

Dem Ritter Verlag ist zu danken, daß er das Buch, das 30 Jahre vergriffen war, neu aufgelegt hat. Bei aller Zeitverhaftetheit in manchen Details: auch heute noch, vielleicht gerade heute noch und wieder sind dies Texte, die notwendig sind, weil sie auf den Verlust des Humanum verweisen, weil sie sich damit aber nicht abfinden wollen. (Rainer Wedler)

Andreas Okopenko, Die Belege des Michael Cetus. Erzählungen. Ritter Verlag Klagenfurt und Wien 2002 ISBN 3-85415-318-X 13,90 Euro sfr 29,- -- [Info? Lieferbar? Preis?]


Intelligentes Konglomerat

Martin Walser: Tod eines Kritikers

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Viel Staub hat Martin Walser in den letzten Wochen aufgewirbelt, weil die FAZ seinen Roman "Tod eines Kritikers" wegen angeblich antisemitischer Tendenzen nicht vorab drucken wollte. Vielleicht haben die Verantwortlichen das Manuskript schlicht nicht verstanden, denn "Tod eines Kritikers" ist gar kein Roman, sondern ein riesiger, komplexer Essay, ein Psychogramm nicht nur des Großkritikers Andre Ehrl-König, sondern des gesamten Event-Kulturbetriebs. Nur vordergründig erzählt Walser die Geschichte der vermeintlichen Ermordung des Kritikers mit dem leicht zu parodierenden "Sperachfehler" durch einen "Scheriftstellerr". Walser zitiert Nietzsche, bemüht die Psychoanalyse und allerhand Autorenkollegen, nur um die Luft aus dieser Riesenblase, diesem Hype von Literaturbetrieb und dem alles beherrschenden "Giftzwerg" zu lassen. "Tod eines Kritikers" ist vor allem im ersten Teil eine wunderbare und bösartige Satire. In der zweiten Hälfte jedoch geht Walser der Gaul durch: Sein Versuch über den Zustand der "doitschen Literatür" gerät zu einem schwer zu enträtselnden Gewirr aus Gerüchten, Anspielungen, Zitaten und Bildungshuberei - vieles mag auch purer Nonsens sein. Jedenfalls findet sich in diesem monströsen, aber durchaus intelligenten Konglomerat alles, nur keine Spur von Antisemitismus. - Matthias Kehle -- DISKUSSION HIER

Schreibend widerstehen

Engagiert setzte sie sich für einen humaneren Strafvollzug ein. Ihr zu Ehren gibt es seit 1989 den gleichnamigen "Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene". Bei der fünften Ausschreibung, an der sich 225 Inhaftierte beteiligten und zwölf Texte von einer Jury prämiert wurden, lautete das Motto "Hoffnung".

Kenny Berger schildert die prägenden Erfahrungen von Kevin, dem "Mörderkind", das vaterlos neben seiner alkoholkranken Mutter aufwächst: "Die Trinkerei von Mutter und die Prügel der verschiedenen Männer hatten mich frühzeitig tränenlos gemacht. Ich malte Flugzeuge und Bomben in den Sand und träumte von Messern und Pistolen." In Wahrheit wünscht er sich dies: "Ich will lieben und geliebt werden." Das wird er, auf schamlose Weise: von Männern, die ihn missbrauchen. Mit vierzehn Jahren wird Kevin zum Täter, im Gefängnis zur "Nummer 612-6" und vom Wärter als "Perverser" abgestempelt: "Den Rest regelt die Hausordnung."

Unvergesslich ist für Reinhardt I. der Umgangston seiner "Peiniger" in der ehemaligen DDR, die den wegen versuchter Republikflucht Inhaftierten anschnauzen: "Los raus, sofort aufstehen! Hände hoch! Gesicht zur Wand!" Weggesperrt im Bunker schöpft er neue Hoffnung, "dem total ummauerten Land" zu entkommen, als er eine eingeritzte Wandinschrift entdeckt: "Der Westen vergisst uns nie." "Hans im Vollzug", zu 15 Jahren verurteilt, "vegetierte am Rande des Selbstmordes vor sich hin, seine ganze Kraft investierte er in Verdrängungsmechanismen". Unterstützt von einem Therapeuten wagt Hans "den schweren Weg von Schuld und Sühne", der ihn zur "Selbsterkenntnis" führen soll. Wie Resozialisierung funktionieren oder scheitern kann, das erzählt Stefan R. in seiner ernüchternden wie grotesken Geschichte. Klaus-Peter Lippert wiederum vermittelt einen selbstkritischen und sarkastischen Einblick in die Vollzugswirklichkeit:

"Hoffnung, Leute, müsst ihr haben,/ denn wer hofft, liebt das System,/ wird ganz brav in Reihe traben,/ beugt sein Haupt und ist bequem// Schlurft ein bisschen durch die Gänge,/ Freiheit gibt es dort genug,/ amüsiert euch im Gedränge,/ treibt ein wenig Selbstbetrug,/ haltet Ausschau, spioniert,/ werdet resozialisiert." Wie wichtig der Kontakt nach draußen ist, verdeutlicht Ines Klug in "Mutters Brief", der ihre Fantasie poetisch beflügelt: "Wieder fliege ich auf einem Stück Erinnerung zur Mutter an den Küchentisch. Wir laufen für Traumsekunden im Wald, stehen still zwischen den Bäumen." Birgitta Wolf, fast 90-jährige "Grande Dame" der Straffälligenhilfe, verehrt als "Engel der Gefangenen", schreibt in ihrem Geleitwort: "Keine Stimme zu haben, nicht gehört zu werden, abgeschrieben zu sein, ist ein sinnloses Leben." Bleibt nur zu hoffen, dass die "Nachrichten aus Anderwelt" viele Leser finden, und die talentierten Autoren bekommen, was ihnen gebührt: Anerkennung.

Dokumentationsstelle für Gefangenenliteratur der Universität Münster u.a. (Hg.): Nachrichten aus Anderwelt. Ingeborg-Drewitz-Literaturpreis für Gefangene. Mit einem Geleitwort und Gedichten von Birgitta Wolf. Münster: Agenda Verlag 2002. 155 Seiten, 11.- Euro -- Kuno Bärenbold


Reinhard Gröper 

Nach Venedig


Novelle

120 Seiten, Format 12,7 x 18,9 cm, gebunden mit farbigem Schutzumschlag. EUR 12,80, ISBN 3-87181-482-2

Erschienen im DRW-Verlag Weinbrenner GmbH & Co., Leinfelden-Echterdingen

April 1945. Das deutsche Reich ist zusammengebrochen. Drei sechszehnjährige Soldaten des letzten Aufgebots treiben, bald allein, bald in anderen Trupps mit durch die Albhochfläche und das Lautertal. Man hat sie heimgeschickt, als das Lager, in dem sie ordentlich entlassen werden sollten, von den Franzosen umstellt war. Aber wo sind sie noch zu Hause, nachdem dort, wo sie herkommen, gekämpft und alles zerstört worden sei? Was sind sie selbst ? Wirklich entlassen, oder können sie in der nächsten Stunde bereits als Deserteure aufgehängt werden?

Alles strömt nach Süden, nach Italien warum nicht nach Venedig? Anders, einer der drei, hat angeblich Großeltern in Venedig; die besitzen einen Palazzo an einem der Kanäle. Aus Verunsicherung schließen sie sich einem Luftwaffenunteroffizier, der ein Einzelgänger ist, an. Sie erleben, dass der den Eigenen ausweicht. Ist er ein Deserteur? In einer Ruhepause verlassen Sie den Schlafenden. Anders kehrt noch einmal zu ihm zurück, um den Rest vom gemeinsamen Proviant, den sie ihm gelassen hatten, zu fordern; statt mit dem Proviant kommt er mit der Pistole des Unteroffiziers wieder.

Eine packende und zugleich poetisch erzählte Novelle mit regionalem Bezug, die die frühe deutsche Nachkriegsgeschichte auch für jüngere Generationen wieder lebendig werden lässt.

Der Autor: Reinhard Gröper, Pseudonym für Egbert-Hans Müller, geboren 1929 in Bunzlau/Schlesien. Aufgewachsen in Schlesien, Leipzig, Fellbach und seit 1938 in Stuttgart- Bad Cannstatt war er bei Kriegsende als Freiwilliger Soldat, danach Baupraktikant. 1950 holte er das Abitur nach uns studierte in Tübingen Jura. Nach den beiden juristischen Staatsexamen war er von 1959 an in der Kultusverwaltung des Landes Baden-Württemberg tätig, von 1963 bis zum Eintritt in den Ruhestand 1994 mit dem Schwerpunkt Literaturförderung und als stellvertretender Leiter dieser Abteilung. Er ist Leitender Ministerialrat a.D. seit 1994 arbeitet er als freier Schriftsteller und wurde mit dem Literaturpreis der Landenshauptstadt Stuttgart ausgezeichnet. Er lebt in Stuttgart.

Martin von Arndt 
Asrael. 53 Beschwörungen eines Engels. Lyrik
Peter Segler Verlag Freiberg in Sachsen 2001, 112 Seiten, ISBN 3-931445-10-0
cover

Im sächsischen Peter Segler Verlag erschien Anfang des Jahres 2002 der erste Lyrikband des in Berlin und Stuttgart lebenden Martin von Arndt. Von Arndt, Jahrgang 68, promovierter Religionspsychologe mit insgesamt vier literarischen Buchveröffentlichungen, ist ein Wandler zwischen den Gesellschaftsentwürfen und den Sprachen: als Sohn ungarischer und deutscher Eltern sind Unbehaustheit und Heimatlosigkeit von ebenso zentraler Bedeutung wie die Transzendenz des sprachlich Regionalen. Ausdruck hiervon sind einerseits ausgewählte Übersetzungen aus vier Sprachen im Anhang des eigentlichen Buches, andererseits die wiederkehrende Auseinandersetzung mit Europas "neugewonnenem Osten", hier v.a. mit Rumänien.

Sowohl die "Poezii dace", "rumänische Gedichte", die die 89er Revolution und die sozialen Mißständen zwischen Sowjetzeit und Kapitalismus streiflichtartig beleuchten: "Die Dohlen kennen ihren eignen Psalter: / Wiedumir / Urbanarsenik / Hie endlos, hie Endlösung / Tagesgriehnen / Im Vergessen löscht eine Lohe die fernere / Und auch: Herzverendung / Und Ödland vor dir, Exodus" ("Kinder von Bukarest"), als auch die "psychopolitische" Struktur der Gedichte verraten den Einfluß des rumänischen Dichters Mircea Dinescu, dem das Buch folgerichtig gewidmet ist.

Wer oder was ist Asrael? Wer oder was wird hier beschworen? Asrael ist der jüdische Todesengel. Dem Buch ist ein Motto des indisch-muslimischen Dichters Beidhasi vorangestellt, das ihm eine Sinnprägung gibt: Keine Flucht in solcher Welt. Nirgendwo. Nie.

Beschwörungen oder vielmehr auch Abschwörungen: seit Jahren herrscht in der deutschen Nachwuchslyrik beinahe uneingeschränkt der Primat der Alltagspoesie, einer Lyrik der ganz winzigen Gesten. Der gaaanz winzigen, und das ist auch ihr zentrales Problem: Das Dichten kreist um sich selbst, steht streng genommen in keinem Diskurs mit der Außenwelt. Es ist politisch und gesellschaftlich belanglos. Oder es trägt irgendein lyrisches Du, das man sich ersparen kann, weil man damit nicht einmal verwechselt werden möchte, wenn man mit DichterIn nach einer Nuklearkatastrophe einzig auf der Welt zurückgelassen würde. Kurz: Ihr fehlt eine Dimension. Wie oft in der Bildenden Kunst Zweidimensionalität herrscht, aber eben keine gewollte. Sondern eine nichtgekonnte Dreidimensionalität. Ganz anders bei Von Arndt: in ebenfalls leiser, in nur andeutender Form wird hier doch noch einmal "große Lyrik" im besten Sinne geprobt. In freirhythmischer musikalisch geschulter Formsprache mit dreidimensionaler Bildführung erschafft der Autor seinen ganz eigenen literarischen Kosmos, der von so manch skurriler Figur bevölkert wird. Einem Kneislmann, der sich die Reiter der Apokalypse vor dem Hintergrund großflächig bepißter Hauseingänge als schwäbelnde Hausmeister vorstellt, oder Donald Duck, "Vater im Worte" eines ausklingenden Jahrtausends, zu dessen Abgesang eine Elegie mehr gerappt als gesungen wird: "Laß nicht von uns / Laß nicht ab / Was beginnen mit / der Unschärfe, die wir / verkaufen unter Tür / und Tor? /.../ Sanfter ruhe im / Vaterworte / Leidensdaunenvater" ("Auf die Totenmaske von Donald Duck"). Mit großer Selbstverständlichkeit, beinahe schon mit Leichtigkeit gelingt dieser Entwurf. Aber ohne Überhebung. Ein bemerkenswerter lyrischer Erstling, der Dinescu gefallen wird.

Ioan Radulescu


KINDSKOPF 

Eine Heimsuchung
von Ulrich Karger
Dahlemer Verlagsanstalt, Berlin 2002.
Leinen gebunden. Schutzumschlag. Lesebändchen.
104 Seiten. 19,00 EUR. ISBN 3-928832-12-3 Karger

Jonas Brandeiser flieht ans Ende der Welt, das liegt irgendwo in Bayern. Gisela will ein Kind mit ihm. In diesen Zeiten. Zuletzt jedoch landet Jonas samt seinem ihn verschlingenden Tisch wieder in Berlin, und es kommt genau so, wie er es befürchtet hat. Jedenfalls fast ... Ähnlichkeiten mit einer uralten, ganz anderen Geschichte sind durchaus beabsichtigt und geben dieser zeitgenössischen Entlarvung eines Widerspenstigen ihren zusätzlichen Drall. Immer dicht am alltäglichen Aberwitz, wird hier auch die horizonterweiternde Auseinandersetzung mit dem Gott der Väter (und Mütter!!) nicht gescheut.

"Novellen haben momentan Konjunktur. Und das nicht zufällig. Nach den ermüdenden Erlebniskicks der Spaßgesellschaft, den schnellen Hypes, den müden Events, artikuliert sich die Sehnsucht nach unerhörten Begebenheiten, die profilierte, tragfähige (Lese-)Erfahrungen versprechen. Ulrich Karger gewinnt in 'Kindskopf' der Novelle ganz neue Einsichten ab. Ulrich Karger und der deutsche Süden - eine unerhörte Begebenheit! Nichts für postmoderne Kindsköpfe." -- Klaas Huizing Romancier und Ordinarius für Systematische Theologie



Mark Ammern, Helge Bol, Über die Kunst, klein zu verlegen - Kleinverlage und Ökonomie -

2. erw. Aufl. 2001, Br., 140 S., Euro 17,- ISBN 3-929899-72-8

Die Essays erlauben einen Blick auf die Bedingungen und Entscheidungssituationen von Kleinverlagen. Besonderes Anliegen der Autoren ist, Handlungsalternativen innerhalb der Verlagskonkurrenz und des Buchmarktes aufzuzeigen, unter Berücksichtigung von On-Demand-Verfahren. Die zweite Auflage ist aufgrund von neueren Tendenzen wesentlich erweitert worden.

Nebenbei erfahren Leser etwas darüber, was Verlage zentral ausmachen und wie sich die Buchmärkte differenzieren lassen. Ein engagierter und gleichfalls ergänzter Ansatz im Rahmen von Kulturpolitik und Kulturwirtschaft rundet die Publikation ab.

Mark Ammern (Jg. 1964) und Helge Bol (Jg. 1960) bieten einen analytischen und pragmatischen Zugang zum Thema. Sie sind Gründungsinitiatoren vom AutorenVerlag Matern und Mitglieder vom angeschlossenen Institut sprachanalytisches Forum

Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften

hg. v. Dorothée Leidig, Jürgen Bacia, Br., Format: 22,5x15, 180 S., Euro 19,- / SFr 37,-, ISBN 3-929899-80-9, AutorenVerlag Matern]

Das erschienene Handbuch deutschsprachiger Literaturzeitschriften ist ein aktualisiertes und neu konzeptioniertes Nachschlagewerk und Arbeitsmaterial. Es bietet in der vorliegenden Ausgabe 454 recherchierte Zeitschriftentitel aus dem deutschsprachigen Raum, 344 Einträge deutscher Titel, 65 aus Österreich, 19 aus der Schweiz und 26 aus anderen Ländern (u.a. Italien, USA, Australien).

Mit einem sehr hohen Arbeitsaufwand haben die beiden Herausgeber und Redakteure eigene Recherchen betrieben, um die Informationen zur Verfügung stellen zu können. Es wurden zum Aufspüren von Titeln auch einschlägige Verzeichnisse genutzt, die dort enthaltenen Informationen aber nicht unbefragt übernommen. Unter den Zeitschriftentiteln befinden sich solche, die auf hohem Niveau aber mit kleiner Auflage erarbeitet werden, die unlängst etablierten Zeitschriften und solche, die alles andere als etabliert, die in vielerlei Hinsicht alternativ sind.

Das entstandene Buch ist für Autoren, Journalisten und Verlage ein Handwerkszeug, aber auch für Leser interessant, die die neuere Literatur über Zeitschriften mitentdecken möchten.

Die Herausgeber und Redakteure sind Mitarbeiter vom Archiv für alternatives Schrifttum in NRW e.V. (Duisburg). Zuvor lag die Redaktion für den Buchtitel in den Händen von Caroline Hartge [ISBN 3-929899-74-4 / 1997].


['Der Zensor' von Marcus Hammerschmitt - bei amazon.de]

In Mittelamerika hat sich ein unterdrücktes Volk auf seinen Maya-Ursprung besonnen und mit Hilfe neuester Entwicklungen in der Nanotechnologie kulturell und wirtschaftlich an die Weltspitze manövriert. Die frühere Kolonialmacht Spanien wir auf eigenem Boden kurzerhand überrannt, im Herzen Iberiens entsteht die neue Hauptstadt Nanotikal. An der Seite des großen Ahau sorgt der Zensor für die innere Sicherheit - eine einflussreiche Position, die allerdings auch Gefahren birgt. Indessen hat sich aus Einheimischen eine Widerstandsbewegung formiert, die mit Anschlägen gegen die neuen Herrscher kämpft. Die Guerilleros sind hoffnungslos unterlegen, wie einst die hostorischen Maya unter spanischem Joch. Wenn ihnen aber eine nanotechnologische Wunderwaffe in die Hände fallen würde, könnte die Sache schon anders aussehen ... [ Leseprobe]


Sabrina Ortmann:

"netz literatur projekt"

berlinerzimmer.de Verlag (offline 2)
Berlin 2001
ISBN 3-8311-2361-6
136 Seiten, 6 Abbildungen
40,- DM / 20,50 Euro

Studentenermäßigung bei Vorlage der aktuellen Immatrikulationsbescheinigung: 30,- DM / 15,50 Euro

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Im World Wide Web, in Mailinglisten, Foren, Newsgroups und Chats ist seit Mitte der neunziger Jahre - unabhängig vom renommierten Literaturbetrieb - eine vielfältige und lebendige Literaturszene mit Profiautoren und Amateuren, Wettbewerben und theoretischen Diskursen entstanden. Die mit der Nutzung des Internets einhergehende Digitalisierung von Text wird als die dritte große Revolution des Literaturwesens bezeichnet: Dem Computer wird für die Produktionsbedingungen von Literatur eine ebenso große Bedeutung beigemessen wie der Erfindung des Buchdrucks.

Dieses Buch erzählt die Geschichte der digitalen Literatur von ihren Anfängen bis heute: Bereits seit den sechziger Jahren experimentieren Schriftsteller mit elektronischen Medien. Die ersten auf Disketten publizierten Hyperfictions in den USA führten in den achtziger Jahren zu einer Debatte über die Freiheit des Lesers. Mit der wachsenden Popularität des World Wide Web in den Neunzigern fanden die Hobby-Autoren unabhängig von den Verlagen ihren Weg in die Öffentlichkeit. Wettbewerbe und Veranstaltungen wie die "Softmoderne" und der "Pegasus" förderten die Entstehung von und die Diskussion über die sogenannte Netzliteratur. Eine ausführliche Darstellung der Erscheinungsformen und Tendenzen der Internet-Literatur im Jahr 2000 sowie die Untersuchung aktueller kollaborativer Netzliteraturprojekte zeigt die sich für die Literatur durch Digitalisierung und Vernetzung ergebenden neuen Aspekte und Merkmale. Am Ende steht ein spekulativer Ausblick auf die nahe Zukunft digitaler Literatur und auf die Veränderungen, die sie für den konventionellen Literaturbetrieb mit sich bringt. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei der - bis heute unbeantworteten - Frage nach den charakteristischen Merkmalen der "Netzliteratur" gewidmet.

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