John Wessel

Bis hierher und nicht weiter

Krimi. xxxx,

John  Wessel: Bis hierher und nicht weiter

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"Bis hierher und nicht weiter" ist der erste Roman des amerikanischen Autors und ehemaligen Buchhändlers John Wessel. Mit diesem packend geschriebenen Thriller knüpft Wessel an die Tradition der Filme der Schwarzen Serie Hollywoods und an die Romane Raymond Chandlers und Dashiell Hammetts an. Es geht um den Chicagoer Privatdetektiv Harding, eine Marlowe-Epigone. Harding ist eine gescheitere Existenz, ein grundanständiger Verlierer, der so sensibel ist, daß ihn bei manchen Fällen immer wieder Ekel überfällt. Harding ernährt sich gelegentlich von den Essensabfällen seines Vermieters, der ein griechisches Restaurant besitzt, er streckt uralten Instant-Kaffee mit Mehl oder wärmt kalten Kaffee in der Mikrowelle auf. Seine Fälle sind Drecksarbeit und seine Lizenz hat er längst verloren, als er vor Jahren ein junges mißhandeltes Mädchen aus den Fängen ihres brutalen Vaters rettete und dafür straffällig wurde.

Als Harding den angesehenen Schönheitschirurgen Stephen Rosenberg beschatten soll, der ein Doppelleben führt, um dessen Frau die Scheidung zu ermöglichen, kommt ihm die Bespitzelung zunächst vor wie ein normaler Auftrag vor. Doch aus dem business as usual wird schnell eine düstere Perversion, die Harding immer mehr in den Abgrund zu ziehen droht. Fakten. In einem Labyrinth von falschen Fährten, Hinterhalten und Bekennerabsichten findet Harding die Geliebte Rosenbergs, bestialisch ermordet im Studentenheim, seine Mitarbeiterin Alison wird schwer verletzt. Je mehr Untersuchungen Harding anstelt, desto eher begreift er, daß der tiefste Punkt noch nicht erreicht ist. Als sich der Fall mit seiner unbewältigten Vergangenheit zu verknüpfen beginnt, als sein Leben fast aus den Fugen gerät, begreift Harding, daß eigentlich er inmitten des Verbrechens steht und sich alles gegen ihn gewendet hat.

Dem Roman ist ein Zitat aus Dantes "Inferno" vorangestellt: "Inmitten meiner Lebensreise verlor ich mich in einem tiefen Wald." Und Wessel beschreibt eine Art Höllenwelt, die vom Verbrechen völlig korrumpiert worden ist und die weder durch Aufklärung noch durch Logik in Ordnung gebracht werden kann.

Der Mythos Ordnung, der noch den Kriminalroman des 19.Jahrhunderts kennzeichnete, wird heute von keinem ernsthaften Schriftsteller mehr beschworen. Das Verbrechen durchbrach immer nur als Ausnahme die Normalität des Lebens, konnte sie aber auf keinen Fall als Regel bestimmen. Im 20.Jahrhundert, etwa bei Raymond Chandler, ist das Verbrechen dagegen zumindest tendenziell Regel und System selbst: Der Bereich des Verbrechens hat sich unauflöslich mit dem allgemeinen Bereich von Geschäft und Politik verfilzt. Wo eine sichere Unterscheidung zwischen Gut und Böse, zwischen Staatsgewalt und Verbrechern nicht mehr möglich ist, muß der Glaube an eine geordnete Welt aufgegeben werden. Was bleibt, ist ein düsteres Labyrinth, das nicht mehr mit Logik geradegerückt werden kann. So steht auch in "Bis hierher und nicht weiter" keine Aufklärung des Verbrechens, aus den inhaltlichen Bezügen dieses Romans gibt es kein Entrinnen. Im Mittelpunkt steht die atmosphärisch dicht geschilderte existentialistische Lebenshaltung einer allgegenwärtiger Bedrohung. Schließlich sind auch hier wie bei Chandler die Auftraggeber selbst in düstere Machenschaften verwickelt. Am Ende wird der Auftraggeber Hardings getötet - das beste Ende, das man sich denken kann, um aus dem Geschehen halbwegs unbeschadet herauszukommen. Die Gewißheit, daß nicht alle Fragen geklärt werden können.

"Bis hierher und nicht weiter" ist ein mitreißender Roman von fast unerträglicher Spannung, den ich mit angehaltenem Atem gelesen habe. Dieser düstere Strudel von Perversionen, blutigen Morden und Intrigen ist Wessel meisterhaft gelungen und macht "Bis hierher und nicht weiter" zu einem Krimi der ungewöhnlichen Art mit einem brilliant beschriebenen Underground-Milieu. Der Roman spielt im Chicago der Junkies und Schwulen, der schmierigen Absteigen und heruntergekommenen Randbezirken. Gut gefallen hat mir auch der trockene Humor Hardings, der den Leser aus mancher unerträglich dunkler Handlung rettet.

John Wessel ist ein würdiger Nachfahre Raymond Chandlers, eine neue literarische Stimme hat sich zu Wort gemeldet, die man so schnell nicht vergessen werden wird.

(Christoph Steven)

John Wessel: Bis hierher und nicht weiter.Zsolnay, Wien 1998, 400 S.






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