A. J. Weigoni

Doppelkopf

Roman. Autorenedition wider besseres Wissen, ISBN: 0722-6536

A. J.  Weigoni: Doppelkopf

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Roman, Die Schublade Nr. 21. Autorenedition wider besseres Wissen, Mettmann 1988, 98 Seiten, ISSN 0722-6536

Sprachskepsis? Sprachdeformation? Avantgarde? Und das inmitten der Postmoderne? A. J. Weigoni betreibts auch wieder in seinem Buch „doppelKopf“. Hier geschieht „linguistische kern/spaltung“ unter Zuhilfenahme aller Tasten des Computers, (z.B. „aint/setzen“ oder "vor B halt!“); der Autor „suhlt ... in den dialekten, auch wenn das, was dabei herauskommt, ein bizarres Kauderwelsch ist.
Die Handlung ist zunächst sekundär. Sie könnte auch eine beliebig andere sein, da sie lediglich als Rahmen dient für die Spracheigenheiten der vier Protagonisten, die nicht charakterisiert werden, sondern sich allein sprachlich-stilistisch voneinander unterscheiden. Über 90 Seiten hinweg wird Karten gespielt, geplaudert, erzählt, philosophiert, vorgelesen. Mal bewegt sich das Gespräch auf einem intellektuellen, bildungsbürgerlichen Niveau, mal wird es jäh unterbrochen durch das proletarische Trinkerbewußtsein eines der Täter, der in schnoddrigem, dem Kölschen ähnlichen, Dialekt, das ganze Geschwafel beendet, in dem er das nächste Bier anfordert oder gar einschläft
Natürlich ist das Gespräch wirr, sprunghaft assoziativ, ideengeladen; der Autor schweift ab und schiebt Zitate ein, was dem Leser angesichts der ungewöhnlichen Sprachveränderungen mindestens zu Beginn Schwierigkeiten macht, da er sich zunächst an der fehlenden Standard-Orthographie festbeißt. Die Erzählfetzen, die Kalauer, der Nonsens und das bloße Geschwätz lesen sich mit viel Spaß, zumal Weigoni gekonnt die Eigenheiten der zeitgenössischen jugendlichen Sprachverwendung von Ende der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts parodiert und sich hierbei als zynischer Sprachforscher gebärdet. Weigoni macht die Sprache „zum spielBall ihres eigenen diskurses“, er nimmt sie nicht ernst, indem er sie ernst nimmt, wobei entlarvende Deformationen zustande kommen, zum Beispiel „perverse hIRRne“ oder „artIQlieren“. Wie sehr Weigoni mit der Sprache spielt, wird auch an literarhistorischen Verweisen deutlich: Er kennt sich aus und das zeigt er. So die Anspielung auf die anagrammatische Umstellung des Namens in Kleists Erzählung „Der Findling“: „gerade als ich das scrabble von N.I.C.O.L.O. nach C.O.L.I.N.O. um/legen konnte...“
Beim Lesen hat man oft den Eindruck, Weigoni hat einfach den Cassettenrecorder laufen lassen, dann die besten Partien notiert und deformiert, eben „orale Praxis“ betrieben. Damit liegt er gut in der Tradition der Moderne; seinem sprachskeptischen Anspruch wird er aber nicht unbedingt gerecht. Die „sprachdefloRation“ des „syntaktierenden Eulenspiegels“ (Karl-Heinz Schreiber) ist willkürklich und mit dem Zufallsgenerator betrieben; sie gehorcht keinem Prinzip, außer daß sie keinem Prinzip gehorcht. Es war eben alles schonmal da; was bleibt ist ein amüsantes Buch: „der spielRaum für ex/perimente kann hemmungslos ausgenutzt werden.“ Matthias Kehle

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