Theresia Walser

King Kongs Töchter

Undefined. Verlag der Autoren, ISBN: 3-886-61214-7

Theresia  Walser: King Kongs Töchter

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Die Fantaköniginnen vom Seniorenheim

Während ich da drinnen die Kotbeutelchen wechseln muß, die Trombosebeinchen ein und auswickle, Hämorrhiden füttere und die Dreckspfannen unter den Betten hervorziehe, daß ich mir nur noch eines wünschte, mehr Blut, mehr Blut statt Scheiße, in jedem Bett liegt einer auf dem Grill, hinten offen, vorne gerade zugeheilt... Die dergestalt ihr Handwerk schildert, ist Altenpflegerin. Meggie spricht zu ihren Kolleginnen Carla und Berta, die sich im Abendwind auf dem Balkon sonnen, die Weibsbilder 'hängen hier ihre Titten über die Stadt, spielen Südsee hoch über Duisburg, die Fantaköniginnen vom Seniorenheim.' Theresia Walser entwirft in ihrem vierten Stück ein vergnügliches Alzheimerparadies, das von drei triebhaften Kellnerinnen regiert wird. Unaufdringlich, heiter und tödlich. Neben ihrer Arbeit als Wärterinnen türmen die drei Damen kernige Luftschlösser auf. Berta nennt sich lieber Maria mit dem Nagelstudio, was besser klingt als Berta, die Greisenputze, Knackeramme, Seniorendompteuse. Meggie verklärt sich zur Spezialistin und Stewardess für die letzte Reise, Carla mimt hin und wieder die Brasilianerin Antilop und begehrt Berta. Gemeinsam spielen sie Theater mit ihren Heimgesuchten. Wer einen runden Geburtstag hat, ist dran. Morgen wird Frau Tormann achtzig. Sie darf noch einmal mit ihren alten Freunden speisen und Frau Greti anspucken, ‚immer mich trifft die ganze Schmotze!' Dann geht das Verkleiden los, Frau Tormann wird hübsch gemacht. Als Mae West. ‚Sterben ist klein genug, da darf man ruhig übertreiben.' Und so übertreiben sie, machen Frau Tormann zum großen Kitsch, zur Sexgöttin aus der Mottenkiste. Der Abgang wird zum Fest, ‚wer will schon zusehen, wie du hier langsam in die Matratze sickerst'. Bedenken kommt dem Personal mit dem ‚Göttinnenbonus' dabei nicht. Im Gegenteil, sie sind ziemlich stolz auf ihre finalen Inszenierungen; Berta Ist schon toll, was wir aus unserem Beruf gemacht haben. Carla Ja, den haben wir aber gehörig erweitert. Berta Was meinst du, wie wir jetzt aussehen würden, wenn wir unseren Beruf einfach so Beruf hätten sein lassen. Carla Frag nicht nach Sonnenschein. Berta Da hingen uns jetzt die Frustlappen aus dem Gesicht, und der Ekel hätte uns Schatten unter die Augen gefressen. Carla Verzweifelte Pflegegespenster, ein Job in der Hölle. Verzweifelt sind sie ganz und gar nicht, diese drei Nornen. Nicht eine Türe würde Berta noch öffnen, wenn sie nicht wüßte, 'irgendwann liegt dahinter eine Ingrid Bergmann, ein Rock Hudson, eine Ginger Rogers oder eine Billie Holiday.' Sie haben ihr Pläsier, wenn Meggie Herrn Pott kleine Gutenachtgeschichten vom Vögeln erzählt, wenn Frau Tormann beim Schminken vom Sofa fällt oder Berta bei Sperrmüllstreifzügen Nachttische erbeutet. Mitten im tollen Treiben taucht auch noch der Vagabund Rolfi auf, der erst vernascht wird und dann versehentlich umkommt. Sein Tod bleibt beiläufig, wie das Verschwinden von Frau Tormann. Nur Herr Nübel meint beim Frühstück; ‚wir rollen ihn mal besser unter den Tisch, vielleicht wird ja noch was aus ihm.' Aus diesem Stück ist auf jeden Fall etwas geworden. Mit straffen Satzgefügen komponiert Walser die 13 Szenen. Der Text lebt von vergnüglichen Zoten, die Figuren sind plastisch und real gezeichnet. Theresia Walser lehrt einen nicht das Fürchten, ihr Morden läßt Schmunzeln. Ihr Stück macht Lust auf mehr.

Anne Hahn






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