Eduard Von Keyserling

Wellen

Roman. Steidl Verlag, 224 Seiten. ISBN: 3-882-43549-6

Eduard  Von Keyserling: Wellen

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Eduard von Keyserling wuchs als zehntes von zwölf Geschwistern in der patriarchalischen Adelsgesellschaft der elterlichen Güter in Kurland auf.. Er selbst war wegen eines 1877 abgebrochenen Studiums gesellschaftlich isoliert und blieb dies bis zu seinem Tod, obwohl er zeitweise mit der Verwaltung der elterlichen Güter einiges Ansehen hätte genießen können. Früh erblindet, veröffentlichte er zwischen 1900 und 1918 insgesamt sechs Bücher und einige Novellen.

Der Roman "Wellen" erschien 1911 und beschreibt die Sommermonate einer baltischen Adelsfamilie. Drei Generationen verbringen Mai bis September an der Ostsee. Das Leben ist monoton und langweilig. Die Sonne brennt unbarmherzig, man trifft sich zu Spaziergängen am Strand, ein Ball wird gegeben. Dazwischen Essen, ein paar belanglose Unterhaltungen, Ständedenken, Maßregelungen der jüngeren Generationen. In der Nähe wohnt ein junges Paar, dessen Leben für die Adelsfamilie geradezu revolutionär ist. Doralice, eine ehemlige Diplomatengattin, hat sich von einem Maler entführen lassen. Zuerst wird sie geschnitten, dann läßt sich ein Umgang mit ihr kaum noch vermeiden. Dann ist da noch ein Geheimrat, eine wunderbar bucklig-weise kauzige Figur. Am Ende hat es einen Selbstmordversuch gegeben und das Meer hat den Liebhaber Doralices verschlungen.

Nicht viel Handlung für einen Roman von fast 200 Seiten. Das Leben des ständebewußten baltischen Adels plätschert sanft und schwach im Dämmerzustand dahin. Der Titel "Wellen" ist nicht nur ein Verweis auf die Natur, sondern auch auf ein Lebensgefühl.

Trotzdem ist die Langeweile der dekadenten Adelsgesellschaft keinen Moment langweilig. Dafür sorgen vor allem die abgründigen Zwischentöne des Buches und die wunderbar üppigen Naturschilderungen. Die priviligierten Menschen der Adelsgesellschaft, denen es an nichts fehlt, beschreibt Keyserling als unglücklich. Der eine kann keine Freude empfinden, ein anderer drückt mit seinem Gesicht finstere Schönheit aus, von einer bleichen Erscheinung ist die Rede, ein Mädchen will Selbstmord begehen, weil es gemäß ihres Standes verheiratet werden soll. Niemand ist so recht zufrieden, auch die unkonventionelle Doralice nicht, deren vermeintlich andersartige Beziehung mit dem Maler Hans sich als durch und durch bürgerlich entpuppt. Man mag diese Schilderungen als Ankündigung verstehen, daß diese Gesellschaft wirklich einige Jahre später untergegangen ist. Allerdings ist Keyselrings Roman auch ein Gesellschaftspanorama, in der Enge und Beschränktheit der Standeskonformität dominieren. Immer wieder sehnen sich die Personen insgeheim nach einer anderen Existenz. Und fast immer hat dieses andere Leben motivisch irgendetwas mit dem Meer zu tun. "Das Land ist eine Unverschämtheit" heißt es an einer Stelle. Das Meer steht kontrastiv zur gesellschaftlichen Langeweile und stehen die Landschaftsschilderungen, die von einem gerade ausschweifenden Stimmungszauber künden. Das Buch enthält sprachlich hervorragende Landschaftsschilderungen, die etwas von der Bewegung vermitteln, die das Leben der Persone nicht hat.

"Wellen" ist ein realistisch-psychologischer Roman in der Tradition Thomas Manns und Theodor Fontanes – ein trauriges Gesellschaftsbild einer verblassenen und eingeengten Adelsgesellschaft.

Christoph Steven

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