Barbara Vine

Die im Dunkeln sieht man doch

Roman. Diogenes, Zürich. ISBN: 3-257-21826-5

Barbara  Vine: Die im Dunkeln sieht man doch

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Vera Hillyard wird kurz nach dem Krieg wegen Mordes an ihrer Schwester zum Tod verurteilt und hingerichtet.

35 Jahre später fragt ein Schriftsteller, der sich auf Bücher aus Sicht der Mörder spezialisiert hat, um nähere Informationen. Faith, die Nichte (und ich-Erzählerin) beginnt deshalb, sich nun, 35 Jahre nach Veras Tod, mit dem Vorfall auseinanderzusetzen. Direkt danach hatte nämlich die ganze Familie versucht, alle Geschehnisse zu verdrängen, zu vergessen, daß Vera und Eden (das Opfer) jemals gelebt hatten.

Faith versucht nun, mit ihren Erinnerungen ganz zum Beginn zurückzukehren, um das Motiv endlich zu ergründen.

Eden war die um 15 Jahre jüngere Schwester Veras. Nach dem Tod der Eltern war Vera, die damals mit ihrem Mann in Indien lebte, zurückgekehrt, um sich um Eden zu kümmern.

Das Verhältnis zwischen den beiden war ausgesprochen innig. Faith, die während des Krieges mehrmals für längere Zeit zu ihren Tanten geschickt wurde, um nicht der Bombardierung Londons ausgesetzt zu sein, fühlte sich in Gegenwart der beiden immer minderwertig. Nie konnte sie so perfekt wie Eden aussehen, sich um den Haushalt kümmern, sticken, stricken - ein großes Manko, wenn man den Tanten glauben durfte.

Doch als Eden sich im Krieg zu den WRENs meldet und aus dem gemeinsamen Haus auszieht, verändert sich das Verhältnis zwischen den beiden.

Noch deutlicher wird dies, als Vera nochmals ein Kind bekommt. Ein sehr rätselhaftes Kind - ihr Ehemann kommt als Vater kaum in Frage. Doch Vera blüht mit diesem Kind richtig auf, Faith, die sie bislang hauptsächlich als trocken, bissig und unwirsch erlebt hat, stellt erstaunt fest, wie liebevoll Vera sich diesem Kind widmet.

Als Vera erkrankt und Eden sich während dieser Zeit um das Kind kümmert, entbrennt ein heftiger Streit. Der Rest der Familie weiß nur eines: es gibt ein großes Geheimnis um dieses Kind, das nur die beiden Schwestern kennen...

Auf den ersten 50 Seiten dieses Buches wird man mit einer Unmenge Namen konfrontiert, beinahe erschlagen, die man unmöglich in Relation zueinander bringen kann.

Doch danach beginnt das wirre Knäuel an Namen, Verwandtschaftsgraden, Einzelschicksalen sich langsam zu entwirren.

Barbara Vine schildert gerade zu Beginn des Buches sehr detailliert, wie es im England der vierziger Jahre aussah, welchen Einschränkungen die Menschen unterworfen waren, welche Moralvorstellungen herrschten.

Bringt man zu Beginn weder der Täterin noch dem Opfer besonders große Sympathien entgegen, ändert sich das im Lauf der Zeit. Schicht für Schicht wird das Wesen der Mitwirkenden aufgeblättert, tauchen unter einer glatten, makellosen Hülle Geheimnisse, Charaktereigenschaften auf, die man nie vermutet hätte.

Es ist ein gut geschriebenes, spannendes Buch, wie von dieser Autorin auch nicht anders zu erwarten.

Daniela Ecker -die-Leselust.de-






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