Monique Truong

Das Buch vom Salz

Roman. C.H. Beck Verlag, München. 335 Seiten. 19.90 EUR . ISBN: 3-406-52184-3

Das Buch von den Steins und ihrem Koch
Monique  Truong: Das Buch vom Salz

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Aus einer Randbemerkung von Alice B. Toklas schafft Monique Truong eine Nebenfigur der schillernden Szene um Gertrude Steins Pariser Salon in den 20er und 30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Und aus dieser Nebenfigur macht sie die Hauptfigur eines außergewöhnlichen Romans.

„Es war sicherlich Glück, dass wir gute Köche fanden, auch wenn sie in anderer Hinsicht so ihre Schwächen hatten. Gertrude Stein wies mich gern darauf hin, dass sie nicht für uns arbeiten würden, wenn sie solche Fehler nicht hätten.“ So steht es im ‚Alice B. Toklas Cook Book’ geschrieben.

Ganz klar: Ein solcher Koch von Gertrude Stein und Alice B. Toklas, wenn es ansonsten keine näheren Hinweise auf ihn gibt, schreit förmlich danach, literarisch fiktiv ins Leben gerufen zu werden. Voilà, er heißt Binh Minh, hat seiner Heimat Vietnam den Rücken gekehrt, als seine homosexuellen Neigungen publik geworden waren, hat drei Jahre lang die Meere befahren und steht nun nach mehreren kürzeren und nicht wirklich befriedigenden Anstellungen in Paris vor der Rue de Fleurus 27 und bewirbt sich um die Stelle als Koch bei ‚den Steins’.

Beziehungsweise: Es ist bereits am Vorabend der endgültigen Abreise von Gertrude Stein und Alice B. Toklas aus Paris, und Binh Minh sieht nach mehrjähriger Beschäftigung in der Rue de Fleurus 27 abermals einer ungewissen Zukunft entgegen.

Beziehungsweise: Sein Vater, den er für sich längst begraben hat, mischt sich immer noch in Binh Minhs Gedankenwelt ein, sucht ihn immer noch heim. Vietnam, seine Brüder, seine Mutter, sein Vater – ‚Eltern’ wäre nicht das treffende Wort – die Küche und der Chefkoch des Generalgouverneurs in Saigon... Vergangenheit und Gegenwart sind nicht eindeutig zu trennen. Der Roman besteht aus beständigen Vor- und Rückblenden, und wenngleich einem bei genauerem Hinlesen schon klar wird, welche der Erzählstränge die eigentliche Rahmenhandlung ist, so verschwimmt im Einzelfall recht gerne, ob gerade ein Zeitsprung nach vorne oder nach hinten stattfindet. Nicht so sehr die Handlung steht im Vordergrund des Romans, sondern die Figur Binh Minh, und sie entsteht vor unseren Augen ausgesprochen plastisch, indem sie sich nicht im Laufe eines Geschehens entwickelt, sondern indem sie nach und nach – aber auf allen Zeitebenen gleichzeitig – ihre Gegenwart, ihre Vergangenheit, ihre Vorgeschichte und Vorvorgeschichte offenbart.

Binh Minh erzählt als Ich-Erzähler stets aus seiner eigenen Perspektive. Die Autorin ist in ihrer Art zu schreiben, ihrem Protagonisten sehr einfühlsam entgegen gekommen. Sie schreibt eine sehr bildreiche Sprache, denn Binh Minh ist als Ausländer eher ein Mann großer Bilder als großer Worte, ein bisschen vorsichtig im Gebrauch eigener Werturteile, für den Fall, dass er nicht alles recht verstanden hat, distanziert und doch wieder sehr intim.

„Als ich schließlich imstande war, das Geschirr schneller zu säubern als es schmutzig zu machen, fragte mich der Koch der Niobe, ein Franzose mit Namen Loubet, wo ich vorher gearbeitet hätte. ‚In der Küche des Generalgouverneurs von Saigon’, sprach Loubet mir nach. Von da an stand Loubet spät auf, rauchte seine Zigaretten und starrte durch die schmierigen Bullaugen aufs Meer. Währenddessen zeigte ich, was ich alles in der Küche des Generalgouverneurs gelernt hatte. Arbeit ohne Ruhm. Gefallen ohne Lob. Vergnügen ohne Anerkennung.“

Auf diese Weise ist Binh Minh kein objektiver, kein unparteiischer, vielleicht noch nicht einmal ein besonders glaubwürdiger Chronist der Zeit um 1930, der Stadt Paris und ihrer Einwohner, des Zirkels um Gertrude Stein. Aber das will er auch gar nicht sein. Im Mittelpunkt steht schließlich er selbst, egal wie klein und unbedeutend er der Welt um sich herum erscheinen mag, egal wie groß und bedeutsam sich diese Welt um ihn herum gerieren mag.

Dieter Lohr






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