Masako Togawa

Trübe Wasser in Tokio

Roman. Unions-Verlag, Zürich. 153 Seiten. 8.90 EUR . ISBN: 3-293-20252-7

Trivialliteratur auf Japanisch
Masako  Togawa: Trübe Wasser in Tokio

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Der Roman der 1933 geborenen japanischen Bestsellerautorin Masako Togawa ist in so mancherlei Hinsicht erstaunlich. Am erstaunlichsten ist immer wieder, wie schlecht Bücher wirklich sein können und wie viele Leute sie trotzdem lesen. Oder vielleicht gerade deshalb?

Der Psychiater Doktor Uemura bekommt einen Brief von seinem Patienten, dem Studenten Akio Tanno, in dem dieser sich selbst bezichtigt, eine gewisse Frau Owada vergewaltigt und ermordet zu haben. Nun ist allerdings besagte Frau Owada durchaus noch am Leben und behauptet, niemals vergewaltigt worden zu sein. Uemura geht der Sache nach und findet heraus, dass der Brief in Wahrheit nicht von seinem Patienten, sondern aus der Feder von Frau Owadas Ehemann stammt, von Flugkapitän Owada, der ein ziemlich eifersüchtiger Mensch ist, und das, obwohl er selbst eine Affäre zur Stewardess Kyoko Hara unterhält, was im Übrigen auch seine Frau weiß, die ebenfalls ein eifersüchtiger Mensch ist und sich zu festgelegten Zeiten in einem bestimmten Hotel ein Zimmer mietet: das Nebenzimmer des Zimmers, das ihr Mann für seine Seitensprünge nutzt. Denn die einzige Art und Weise, die Seitensprünge ihres Gatten zu ertragen, besteht für Frau Uemura darin, diesen zumindest akustisch beizuwohnen. Die Stewardess wiederum hatte mal was mit Uemuras Patienten gehabt, der überdies reichlich verworrene Beziehungen zu einer Kommilitonin, sowie einer Serviererin in einem Fastfood-Restaurant pflegt. Schließlich wären da noch ein Professor von Akio Tanno, der eine Frau namens Fumiko hat, was sehr mysteriös ist, da Tanno eine eigenartige Obsession mit diesem Namen verbindet. Außerdem findet sich dieser Name auch in der Widmung von Frau Owadas Buch Der weiße Sommer; Frau Owada ist nämlich Schriftstellerin.
Das Geschehen ist also ein wenig verworren, aber Doktor Uemura nicht nur ein ausgezeichneter Psychiater, sondern auch noch ein hervorragender Kriminalist. Und obendrein legt er im Laufe des Buches die meisten der darin vorkommenden Frauen auf die Matte… Eine Mischung aus James Bond und Sigmund Freud! Und das, obwohl Doktor Uemura, wie er selbst sagt, eher der modernen Psychoanalyse anhängt, was wiederum erstaunlich ist, wo er doch auf Schritt und Tritt Alfred Adler zitiert.
Damit keine Zweifel aufkommen: Der Roman ist keine Groteske, keine Persiflage, kein Soft- oder sonstwie gearteter Porno – er ist als ernsthafter und ernstzunehmender Kriminalroman konzipiert. Immerhin bescheinigen die Umschlagseiten dem Buch und seiner Autorin Sozialkritik, psychologische Tiefe und klare Charaktere.
Was sehr erstaunlich ist. Denn: Sprache, Dialogführung und Szenenaufbau sind dermaßen unbeholfen, klischee- und plattitüdenüberladen, die psychologischen und kriminologischen Details so absurd, die Romanhandlung zuweilen in einem Grad an den Haaren herbeigezogen, dass man beim Lesen dann und wann laut aufschreien möchte.
Ein Beispiel: Die ausgebildete Psychiatriekrankenschwester Motoko kommt auf eine reichlich eigenwillige Idee die Unschuld ihres Patienten zu überprüfen und ihn vom Verdacht der Vergewaltigung loszusprechen:

»„Als ich über seine Haare strich, fühlte ich mich sehr einsam. Und Sekunden später habe ich meine Uniform aufgeknöpft, das war sein Wunsch. Ich hielt ihn an mich gedrückt, damit er mich spüren konnte, so wie einen Säugling. Und genau wie ein Baby suchte er meine Brust.“
„Nun, das … das übersteigt gewiss die Pflichten einer Krankenschwester“, stotterte ich.
[…]
„Nun, ich zog mich aus, bis ich nackt vor ihm stand. Ihn habe ich auch ausgezogen, um ganz nah an ihn heranzukommen. Aber … sehen Sie, es passierte nichts.“
„Das heißt, Sie halten ihn für impotent?“
„Genau. Er war gar nicht in der Lage, Frau Owada zu vergewaltigen.“«

Es wird aber noch erstaunlicher: Die Autorin von Trübe Wasser in Tokio, Masako Togawa, gilt als eine der erfolgreichsten Romanautorinnen Japans. Sie hat insgesamt 20 Erzählbände und 29 Romane veröffentlicht, von denen die wichtigsten in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Und das Allererstaunlichste: Der Unionsverlag, der doch an und für sich etwas auf seinen Ruf hält, hat dieses erstmals 1976 erschienene Buch jetzt neu aufgelegt.

Fazit: So fern ist die Literatur des Ostens der abendländischen auch wieder nicht. Zumindest scheint die japanische Trivialliteratur der hiesigen in nichts nachzustehen.

Dieter Lohr




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