x The Spoken Arts Treasury

100 Modern American Poets Reading Their Poems

CD. Hörverlag, München. ISBN: 3-895-84616-3

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Was gäben die Liebhaber der nordamerikanischen Dichtung nicht darum, den Stimmen von Emily Dickinson, Edgar Allan Poe oder Walt Whitman lauschen zu können. Doch der Stand der Technik zu ihrer Zeit verhinderte, dass wir sie heute noch hören können. Ihre Gedichte sind allein schriftlich erhalten. Schauspieler, professionelle Rezitatoren, Sprecher erwecken sie mitunter zu neuem Leben, aber zu ersetzen vermag selbst die gekonnteste Darbietung die Dichterstimme nicht. Denn nur sie gibt die erste Lesart des Texts wieder und macht die ursprünglichen Intentionen des Autors hörbar, seine Betonungen, seine Tempi, seine Intonation. Wurde die Stimme zu Lebzeiten des Autors nicht aufgezeichnet, ist sie unwiderruflich verloren. Um so verdienter die Anstrengung, die Dr. Arthur Luce Klein 1970 mit der Veröffentlichung <> unternahm, einer 893 Minuten dauernden Dokumentation von 100 nordamerikanischen Dichterstimmen; nun macht der Hör-Verlag diese „Fundgrube der gesprochenen Wortkunst„ wieder zugänglich. Sie repräsentiert die noch heute anerkannten Höhepunkte der US-amerikanischen Poesie von Gertrude Stein bis Robert Kelly, birgt aber auch weniger bekannte, vergessene Stimmen. Ein grosszügiges Booklet gibt zu jedem Text den Erscheinungsnachweis an und zu jedem Dichter eine von Ralph J. Poole zusammengestellte Kurzbiographie mitsamt weiterführenden Lektürehinweisen; zudem steuerte Raoul Schrott einen langen Begleitessay bei, in dem er nicht nur auf die Entstehung dieser spezifischen Sammlung eingeht, sondern auch auf die Wurzeln und Entwicklung der nordamerikanischen Dichtung. Eindringlich erzählt er, wie sie sich gegen den moralischen Puritanismus und das ökonomische Effizienzdenken durchsetzen musste. Schrott reflektiert auch das Verhältnis zwischen mündlich vorgetragenem und schriftlich fixiertem Text: „Das Skelett von Worten erhält durch die Stimme Fleisch und Blut„, und schreibt im Blick auf das Ganze: „Es gibt keinen in dieser Sammlung, dessen Modulation für lange neutral bleiben würde – die latent in der Umgangssprache vorhandene Musik, die das Gedicht nach Eliots Definition zum Vorschein bringt, bricht überall durch„. Dies sucht der Hörer: die nicht neutralen Stimmen der Autoren, die ihren Text radikal sprechen, einmal selbstgewiss, auftrumpfend gar bis ins Frivole, dann in meditativem, kunstvoll rhythmisiertem Sprechgesang, oder aber gebrochen auch, aus einer grossen Introversion heraus. Rezitatorische Leistung ist hier nicht das erste Kriterium, sondern Präsentation, Darbietung, Darstellung des Texts, das Schaffen eines intimen Klangraums, in dem das Gedicht jenseits aller geschniegelten Deklamation seinen Zauber entfalten und endlich atmen kann. Es geht um Nähe, und die bekommt der Hörer zu den Sprechern und ihrem Wort. Wenige Beispiele müssen hier genügen. So Dorothy Parker (1893-1967). In ihrer Stimme lebt die ganze Intensität dieser mutigen Frau auf, ihr Schneid, mit dem sie der männerdominierten Gesellschaft die Stirn bot; schlagend, wie sie ihre Zeilen, die oft in ein Bonmot münden, vorträgt, ohne das Pathos zu verlieren, vibrierend. Oder Ezra Pound (1885-1972). Die dunkle Gebrochenheit, mit der seine <> einsetzen, und wie fest doch binnen Kürze ein klanglich wie nach innen gewendeter Rhythmus, ein Beat sich in den freien Versen manifestiert. Da wird noch klarer, weshalb die Dichter der Beat Generation Pounds Werk verehrten. Oder e.e.cummings (1894-1962), der seine hochartistischen, auch typographisch experimentellen Gedichte mit glockenheller, schwebender Stimme spricht, als zögen Worte wie Wolken am Himmel vorüber. Oder Gertrude Stein (1874-1946). Die Sachlichkeit, mit der die „Mutter der Avantgarde„ ihre postkubistischen <> liest; noch 1995 sollte sich Paul Bowles erinnern: „Sie hatte eine sehr ausdrucksstarke, eine sehr tiefe Stimme, eine schöne Stimme.„ - <> ist eine wahre Schatztruhe für alle, die Freude an der Dichtung und ihrem Vortrag haben und die sich trotz allem Primat des Buchstabengestöbers, abseits von der Gutenberg Galaxie und dem Cyberspace, daran erinnern, dass Lyrik von der Musikalität der Stimme abhängt, die sie vorträgt, dass die Poesie aus dem Gesang, der Rhapsodie, hervorgegangen ist und durch die Stimme ihre ursprüngliche Vitalität wiedergewinnt.

Florian Vetsch
 






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