Martin Stockburger

Das Jahr des Autors

Roman. Klaus Bielefeld, Friedland. 84 Seiten. 9.90 EUR . ISBN: 3-89833-114-8

Manchmal denke ich an Exzesse
Martin  Stockburger: Das Jahr des Autors

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Der in Konstanz lebende Autor Martin Stockburger (Jg. 1960) beschreibt in seiner autobiographisch eingefärbten Fragmentcollage in Tagebuchform das Jahr 2000 und entwirft somit in Auseinandersetzung zwischen den Motivationen des Erzählers und seiner ihn umgebenden Medienumwelt und Feuilletons eine Momentaufnahme gegenwärtiger Lebenskultur.

Die programmatischen Leitsätze der ersten „Alles muss sich ändern.“ und der letzten Seite „Die Unordnung bleibt.“ seien vorweggenommen. Zwischen den knapp hundert Seiten breitet sich scheinbar gähnende geistige Leere aus. Es ist ein Sammelsurium von Alltagserlebnissen, Begebenheiten und Lektüreerfahrungen des Erzählers, die Harald-Schmidt-Show über die CDU-Spendenaffäre bis Big Brother des selbst als fernsehsüchtig bekennenden Erzählers erleben einen verschriftlichten Niederschlag. Ein Kuriosum von Namenskolonnen; Schriftsteller, Showgrößen, Stars Rezensenten und Literaturkritiker vereinen sich neben den zahlreichen Namen aus dem persönlichen Umfeld des Erzählers. Man fragt sich wozu – nach dem Sinn dieser Zeilen, gar dieses ganzen Buches. „Es sind nur private Aufzeichnungen. Ich habe keine Botschaft.“ bekundet der Erzähler, der in seinen Aphorismen des Alltages über den Zeitraum des Jahres 2000 hinweg in kurzen wortkargen grammatikalischen Standartkonstruktionen mit Einwort- oder den klassischen Dreiwortsätzen, die Subjekt Prädikat und Objekt enthalten die Botschaften seines „ereignislosen“ Lebens zwischen Sport, Fernsehkonsum und Arbeit verkündet. An zwei Stellen ertappt sich der Erzähler in einer längeren Passage (viereinhalb Zeilen!). Nach der Buchlektüre bleibt der Blick auf den spärlichen Angaben des Autors heften. Man ist froh darüber, dieses Buch fertiggelesen zu haben, es überlebt zu haben, denn letztendlich führt der Autor mit seinem schreibenden Erzähler uns nur unsere eigene Existenz vor Augen: Ein mit Selbstzweifeln versehenes Individuum, mit der Angst vor dem Scheitern, vor seinen eigenen Schwächen die einen immer wieder niederzuringen vermögen in einem als ereignislos empfundenen Leben auf der Suche nach Sinn und ein wenig Glück im Leben. Die Dünnhäutigkeit des Erzählers, der seinem Brotberuf als Bürokaufmann in die Schriftstellerei entfliehen möchte, bricht aus den Textpassagen mehrfach hervor. Die Literaturszene, das Literarische Quartett und andere Medien werden kritisch verfolgt und schonungslos vernichtend kommentiert: „Gestern im Wortwechsel kam Marcel Reich-Ranicki, dieses alte, fette Schwein.“ oder „...Grass wird überschätzt... vom Schriftstellerischen her ist z. B. Martin Walser wesentlich besser. Katz und Maus ist doch kalter Kaffee.“
Der Erzähler versucht seine Schreibblockaden zu überwinden, versucht zwischen Privatlesung, Schreibwerkstatt und zu suchenden Buchhandlungen, die seine bisherigen Bücher verkaufen sollen, ein Tagebuch zu verfassen. Zwischen einer ihn zerstörenden Berufsarbeit, Druckkostenzuschussverlagen und dem Senden seiner Manuskripte an Kleinverlage notiert der Erzähler in seinem 40. Lebensjahr: „Mein Leben war langweilig.“ Dennoch gibt er seine Ziele nicht auf, hat „Große literarische Pläne.“ und bekennt: „Ich will auch einmal etwas ganz Großes schreiben.“ Es finden sich die Sätze mit subtiler Poetik im Buch „Das Jahr des Autors“ eingestreut wie: „Eine Fliege fliegt durch das Zimmer.“ Und: „Ich schlief im Sand am Strand.“ Doch auch dies muss der Erzähler in seinen tagebuchartigen Notizen bekennen: „Das Schweigen soll herrschen. Es gab heute nichts Besonderes.“ Wehmütig taucht der Satz auf: „All die Frauen.“ Die Perspektiven eines nicht gelebten Lebens und statt dessen des Konsums von Massenmedien rücken in den Vordergrund. Es scheint für den Erzähler nur einen Ausweg zu geben, um aus seiner selbstgewählten Sackgassen zu entfliehen – doch jeder möge selbst das Fazit des Buches aus der folgenden Passage entnehmen:
„Ich dachte, ich müsste zunehmend mehr die sexuellen Gegebenheiten meines Lebens in diesem Tagebuch erörtern. Man wird ja sehen. Heute bekam mein Fahrrad einen Plattfuß. Es steht jetzt am Zähringerplatz.“

Dieter Michelbach






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