Norbert Sternmut

Der Tote im Park

Roman. Wiesenburg, Schweinfurt. ISBN: 3-932497-28-7

Norbert  Sternmut: Der Tote im Park

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Der Ich-Erzähler, ein erfolgloser Schriftsteller und Lyriker, hat eine Leiche beim Spazieren im Park gefunden. Helmut Schröder, so hieß der Ermordete (ob die Ähnlichkeit mit Politikernamen Zufall oder Absicht ist, bleibt offen), hatte ein beneidenswertes Leben als "gemachter Mann" geführt, bevor ihn der Tod ereilte. Der Schriftsteller berichtet dem Polizeiinspektor genau, welche Gedanken ihn bei der Entdeckung des toten Schröder bewegten. Und diese Gedanken sind überhaupt nicht nett, wie sich generell der Schriftsteller beim Leser durch abfälligen Zynismus unbeliebt macht.

Im Laufe seiner Einlassungen erfährt der Leser, daß es sich bei Schröder um den Geliebten der Lebensgefährten des Schriftstellers handelte. Das Motiv in dieser Dreiecksgeschichte erscheint sonnenklar. Zu allem Überfluß bekommt der Inspektor noch eine saftige Kriminalstory des Schriftstellers aufgetischt. Sie handelt ausgerechnet von einem Toten im Park. Wer braucht noch mehr Hinweise?

Die betrogene Ehefrau Schröders, eine Verlagslektorin, beschuldigt natürlich den Schriftsteller des Mordes, geht aber auch eine Beziehung zu ihm ein. Das Leben ist eben nicht schwarz-weiß, wie man's gerne hätte. Doch auch sie wird ermordet und im Park aufgefunden. Als jedoch schließlich die Lebensgefährtin auftaucht, scheint es der Hauptfigur, die über alles und jeden so souverän räsoniert hat, endgültig an den Kragen zu gehen. Hochmut kommt eben vor dem Fall, sagt sich da der Leser zufrieden. Aber ein leiser Zweifel bleibt.

Der gebürtige Stuttgarter Schriftsteller und Lyriker (siehe oben) Norbert Sternmut läßt in seinem unkonventionellen Kriminalroman die Frage nach den üblichen Morddetails offen, stellt vielmehr implizit die Frage, ob es überhaupt einen Mord gegeben hat. Bildet sich der Ich-Erzähler den Inspektor, dem er die Geschehnisse beichtet, nur ein? Ist er vielleicht sogar schizophren? Der Leser kann nicht wissen, sondern nur vermuten: Das subjektive Zeugnis des Erzählers läßt einen stets an der Wahrheit, an der wiedergegebenen Wirklichkeit zweifeln.

Insofern ähnelt seine Tätigkeit der der Medien in unserer modernen Welt: ein subjektiv gefärbter Filter, der sich je nach Interessenlage seine eigene Wahrheitsversion bastelt. Er kann sich sogar erlauben, den "Inspektor" zu foppen und herauszufordern. Denn es gibt keine unwiderlegbaren, objektiven Beweise. Wie in der CDU-Spendenaffäre: Wenn drei Personen eidesstattlich verschiedene Sachverhalte bezeugen, wem ist dann noch zu vertrauen? Offenbar ist Wahrheit ebenso wie Realität relativ. Sternmuts Roman macht dies in jeder Zeile deutlich.

Autor: Michael Matzer (michael@matzer.de






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