Luan Starova

Zeit der Ziegen

Roman. Unions-Verlag, ISBN: 3-293-00268-4

Luan  Starova: Zeit der Ziegen

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Eines Tages strömten hunderte Ziegen auf den Versammlungsplatz der Stadt und ein Kind rief, 'das ist keine Versammlung, das ist eine Ziegenparade!' Wir befinden uns in einer makedonischen Kleinstadt, kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Zwei Männer stehen sich auf dem weiß wogenden Versammlungsplatz gegenüber. 'Wir haben mit vielen Schwierigkeiten Häuser für euch gefunden. Wir haben Baracken errichtet. Wir können euch nur mit Mühe aufnehmen. Und ihr kommt hier mit euren ganzen Ziegen an... Sollen wir mit ihnen etwa den Sozialismus errichten?' fragt der eine; 'Ohne unsere Ziegen werden wir nicht einen Schritt auf dem Weg zum Sozialismus tun. Wir werden mit ihnen da bleiben, wo wir waren. Wir sind bereit, sofort mit ihnen dahin zurückzugehen, wo wir hergekommen sind. Da haben wir den Faschismus mit den Ziegen überstanden, und im Sozialismus, wie ihr sagt, müßte es eher leichter sein.' antwortet der andere. Der Parteisekretär verstummte. Er wollte das Gespräch nicht vertiefen. Er brauchte neue Instruktionen. Die Hirten sollen in die Arbeiterklasse aufgenommen werden und müssen deshalb in die Stadt am Fuße der Berge übersiedeln. Ihr Anführer Tschanga spricht für die Ziegen und setzt sich durch. Sie können bleiben, zunächst. 'Die Ziegen aber wurden in diesem Frühjahr geradezu wild. Sie spazierten allein durch die Stadt, wie weiße Gespenster, und verwandelten sich nicht selten in eine wilde Horde, besonders, wenn sie zum Decken zu Tschangas Böcken liefen. Dann kamen sie jeweils vor den Fenstern des Stadtkomitees der Partei vorbei.' Und die Parteileitung schließt die Fenster und ärgert sich, es gibt keine neuen Anweisungen in der Ziegensache. Der dies minutiös beobachtet, ist ein Kind. Ein Kind, das den Vater für sein unheimliches Bücherwissen bewundert, das aber auch mit ansieht, wie die Familie darbt, die Mutter sich grämt, das Neugeborene hungert. Der Vater ist dem neuen Staat gegenüber loyal und vermeidet, als ohnehin suspekter Intellektueller, jede Konfrontation mit den kommunistischen Oberen. Bis eines Tages die Mutter ihren Notgroschen, das geerbte Goldstück, hervorkramt und vom Vater den Kauf einer Ziege verlangt, zum Erhalt der Familie. Der Vater grübelt über seinen Büchern; 'wenn er an die Zukunft seiner Nachkommen auf dem Balkan dachte, fürchtete er am meisten die Ausbrüche des Glaubenszwistes. Er hielt die Einrichtung von Atheismus- Museen für eine monströse Idee und meinte, daß die Abrechnung mit den Priestern in den rückständigeren Teilen des Balkans- und das war eigentlich der gesamte Balkan- noch rigoroser und unerbitterlicher sein würde, mit unabsehbaren Folgen'... 'Deshalb konnte mein Vater auch die Zeit der Ziegen nicht leicht enträtseln, ihr Wesen erfassen, sich ihr frohen Herzens fügen. In seinen Augen verwandelte sich die banale Frage des Verbots der Ziegenhaltung in eine regelrechte Heimsuchung, in die erste Hürde, über die der Kommunismus stolpern und letztendlich stürzen würde- unfähig, dem realen Leben standzuhalten.' Für die Mutter hatte die Last der Geschichte eine weniger theoretische Seite, 'für meine Mutter waren wir die Geschichte, wir hungrigen Kinder ohne Ziegen wie auch die satten Kinder in den Familien, wo es Ziegen gab...'

Anne Hahn






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