Steven M. Stanley

Wendemarken des Lebens

Sach. Spektrum, Heidelberg. ISBN: 3-827-40475-4

Steven M.  Stanley: Wendemarken des Lebens

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Die Geschichte des Lebens auf der Erde besteht aus einem ständigen Kommen und Gehen von Arten. Seit das Leben vor ca. 3,6 Milliarden Jahren entstand (oder auf die Erde gelangte), kam es immer wieder zu größeren und kleineren Aussterbewellen, nach denen sprunghaft neue Arten in der fossilen Überlieferung erschienen. Besonders prägnant unter diesen Aussterbeereignissen sind die "Großen Fünf", in deren Verlauf jeweils mehr als 50% der Arten verschwanden. Steven Stanley nimmt in seinem 1987 erschienenen (und 1998 neu aufgelegten) Buch den Leser mit auf eine Zeitreise durch diese Krisen der Evolution.

Neben einer chronologischen Darstellung der Aussterbeereignisse beschäftigt sich das Buch auch mit deren Ursachen. Bei der Lektüre sollte man jedoch im Auge behalten, daß die hier präsentierten Forschungsergebnisse bereits mehr als zehn Jahre alt sind und daher inzwischen zum Teil überholt, selbst wenn sich in manchen Punkten die Geister der Spezialisten nach wie vor scheiden. Die sog. kosmische Hypothese, daß nämlich einige dieser Krisen auf Kometen- oder Asteroideneinschläge zurückzuführen sind, war zur Zeit der Entstehung des vorliegenden Textes noch nicht so anerkannt, wie sie heute ist. Dies soll allerdings nicht heißen, daß sie nicht noch immer ihre Gegner hätte.

Als anschauliches Beispiel soll hier einmal mehr die Krise am Ende der Kreidezeit dienen, die vor rund 65 Millionen Jahren dem Erdmittelalter ein Ende bereitete. Der Krater von Chicxulub im Golf von Mexiko wurde Anfang der 90er Jahre entdeckt; Ende der 80er galt es noch als umstritten, ob die Iridiumanomalie in der Grenzschicht tatsächlich außerirdischen Ursprungs ist. Es wurde gern gekontert, daß dieses Iridium auch auf der Erde entstanden und durch Vulkanismus an die Oberfläche gelangt sein könnte. Die gigantischen Basaltablagerungen auf dem indischen Subkontinent, die sog. Deccan Trapps, schienen eine plausible Erklärung für diese Hypothese zu liefern. Ihr Alter wurde mit 65-67 Millionen Jahren angegeben, was genau auf die K/T-Krise gepaßt hätte. Fortschritte in der Datierungstechnik von Gesteinen haben dies inzwischen jedoch widerlegt: Die Deccan Trapps sind ein paar Millionen Jahre älter, und die K/T-Krise fällt genau in eine Ruhephase zwischen zwei Eruptionsphasen. Für die Zeit der aktiven Phasen sind keinerlei katastrophale Aussterbeereignisse belegt.

Vor dem Hintergrund des Wissens um den Chicxulub-Krater sind Stanleys Anmerkungen zu den Aussterbemustern auf dem nordamerikanischen Kontinent äußerst interessant: Er stellt nämlich fest, daß die Verluste an Arten im Gebiet um den (damals noch unbekannten) Krater am höchsten waren und nach Norden hin graduell abnehmen. Seine Erklärung, daß tropische Arten bei einer Klimaverschlechterung immer höhere Aussterberaten aufweisen als solche, die an kältere Verhältnisse angepaßt sind, klingt zunächst plausibel. Betrachtet man dieses Muster jedoch in Kenntnis eines Kraters von fast 200 km Durchmesser, kommt man zu einer anderen, sehr viel einfacheren Erklärung. Es ist klar, daß am unmittelbaren Einschlagsort die Auswirkungen auf die Umwelt am verheerendsten gewesen sein müssen und daß sie graduell abnehmen, je weiter man sich vom "Punkt 0" entfernt. Aber ebensowenig wie sich jedes Aussterbeereignis duch einen kosmischen Einschlag erklären läßt, kann man jedesmal eine Klimaveränderung dafür (allein) verantwortlich machen; diese Art von Erklärung scheint etwas zu simpel und hinterläßt beim Leser das Gefühl, daß man es im Grunde nicht genau weiß, sich aber verpflichtet fühlt, eine Aussage zu machen. Hier ist noch sehr viel Raum offen für künftige Forschung.

"Wendemarken des Lebens" ist nichtsdestotrotz ein Buch, das man gelesen haben sollte, wenn man sich für diesen Themenkreis interessiert, es dürfte inzwischen als Klassiker gelten. Der Spektrum-Verlag hat bei dieser preiswerten Neuauflage zwar an der äußeren Ausstattung (Paperback statt Hardcover) "gespart", nicht jedoch an der Qualität der Abbildungen: Das Buch ist wie die Originalausgabe reichlich mit Farbfotos und Schwarzweißabbildungen illustriert, die allein schon einen Kauf rechtfertigen. Der geringe Preis sollte es für einen breiteren Leserkreis attraktiv machen. Es enthält wie alle Spektrum-Bücher einen Index und außerdem eine Liste von weiterführender Literatur.

(Monika Hübner)






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