Dan Simmon

Hyperion

SF. Heyne, ISBN: 3-453-13304-8

Dan  Simmon: Hyperion

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Nachdem die Kritiken zu Simmons' Werk durchweg positiv und die Wertungen ausgesprochen hoch ausfielen, ging ich mit großen Erwartungen an dieses Werk. Doch sowohl Cover als auch Klappentext dämpften meine Euphorie, denn diese vermittelten eher den Eindruck eines trivialen "Hilflose Menschen kämpfen gegen schreckliches Monster"-Buchs, das nur durch die Beschreibung von Gewalt zu unterhalten weiß.
Doch beim Lesen wird schnell klar, daß dem nicht so ist. Denn im Vordergrund stehen die sieben Protagonisten, die zu einer letzten Pilgerfahrt nach Hyperion aufbrechen, um dort eines der letzten ungelösten Geheimnisse des Universums zu lüften: die Zeitgräber, die sich scheinbar aus der Zukunft kommend rückwärts in der Zeit bewegen. Umgeben von einem "Anti-Entropiefeld", daß zuweilen starke Störungen in der Zeitlinie hervorrufen kann, dient es zugleich als Gefängnis für das Shrike. Dieses legendäre Dornenwesen - gefürchtet von den meisten, angebetet von seinen Jüngern - besitzt Kontrolle über die Zeit, und kann so in sekundenschnelle Armeen abmetzeln. Und eben diese Felder, die als einziges ein planetenweites Massaker verhindern, beginnen sich seit einiger Zeit aufzulösen und drohen bald vollkommen zu verfallen.
Die Wichtigkeit der Pilgerfahrt ergibt sich auch aus einer weiteren Tatsache: Vor langer Zeit, als die Erde durch den "Großen Fehler" zerstört wurde und die Menschen sich auf viele entlegene Planeten, die nur aufgrund der sie verbindenden "Farcaster" ein Netz bilden, zerstreut haben, hat sich ein kleiner Teil, die sogenannten "Ousters", vom Rest losgesagt und die Reise in unbekannte Teile der Galaxie angetreten. Diese Ousters planen nun eine Offensive gegen das "Netz", und der Planet, den sie zuerst in ihre Gewalt bringen wollen, ist Hyperion. Denn falls sie das Geheimnis der Zeitgräber lösen können, kann sich ihnen nichts mehr in den Weg stellen.
Doch all dies dient nur als Hintergrund, denn eigentlich passiert im Laufe des Buches nicht viel. Die sieben Pilger treffen sich, treten ihre Reise zu den Zeitgräbern an und erreichen es. Wenn sich jetzt jemand vermutet, daß sie viele Abenteuer auf ihrem Weg zu bestehen haben, liegt leider falsch, denn außer daß der "Tempelritter" - einer der Pilger und Kapitän des Schiffs, das sie nach Hyperion brachte - verschwindet, ereignet sich nicht viel. Die Funktion der Reise liegt vielmehr darin, den Protagonisten genug Zeit zu geben, um sich gegenseitig ihre Lebensläufe zu erzählen. Sie erhoffen so herauszufinden, warum gerade sie auserwählt wurden und wie sie das Shrike im Ernstfall besiegen können.
So wie auch die Charaktere sind auch deren Geschichten von grundlegend unterschiedlicher Thematik und Struktur: Da gibt es den Geistlichen, der bei der Suche nach einem auf Hyperion verschollenen Priester eine unglaubliche, mit dem Menschen symbotisch verschmelzende Lebensform entdeckt; den Soldaten, der sich bei seinen Kampfsimulationen in ein vermeintliches Konstrukt der Matrix verliebt und es dann nach einem Absturz auf Hyperion in persona trifft; der Dichter, der nach einigen, ihm gewissermaßen aufgezwungenen, Bestseller-Romanen erkennt, daß ihn seine einstige Muse verlassen hat, und der auf der Suche nach ihr in die "Stadt der Dichter" auf Hyperion reist; der Gelehrte, dessen Tochter bei den Zeitgräbern einen Unfall erleidet, und seitdem stetig jünger wird; die Detektivin, die von einer KI beauftragt wird, die Lücke in ihrem Gedächtnis zu füllen; sowie den Politiker, dessen Geschichte den Lauf des Geschichte am meisten beeinflusste.
All diese Geschichten decken langsam aber sicher die Hintergründe auf, die Dinge, die unter der Oberfläche des "Netzes" geschehen: sei es das Technocore, eine Verenigung von KIs, die die Geschicke der Menschheit in Wirklichkeit leitet, oder seien es nur die geheimen Hoffnungen und Ängste, die die verschiedenen Parteien mit Hyperion verbinden.
Das Ganze bleibt jedoch äußerst unterhaltsam und der häufige Wechsel in Stil und Inhalt sorgt für einen Erhalt der Leselust: ob Action, Thriller, Lyrik, Sex oder Politik ... für jeden sollte etwas dabei sein. Und obwohl beispielsweise bei den Farcaster nicht einmal der Versuch unternommen wird, eine Erklärung der Funktionsweise zu liefern (Frei nach dem Motto: Kein Mensch weiß, wie sie funktionieren ... Hauptsache sie tun es), merkt man, daß Simmons sich bemüht, wenigstens einigermaßen realistisch zu bleiben.

Urteil: Wirklich gute Unterhaltung, die jedoch wahrscheinlich nur das Fundament für den Fortsetzungsband "Der Fall von Hyperion" erzeugen soll. Ohne Fortsetzung wäre dieses Buch jedenfalls ziemlich unbefriedigend, da es gerade in dem Moment endet, als die finale Konfrontation der Pilger mit dem Shrike bevorsteht.
(Oliver Faulhaber)






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