Dan Simmon

Der Sturz von Hyperion

SF. Heyne, Heyne. ISBN: 3-453-15639-0

Dan  Simmon: Der Sturz von Hyperion

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Während man am Ende von "Hyperion" ja quasi auf dem Höhepunkt allein gelassen wurde, schließt Simmons nun mit seiner Fortsetzung direkt daran an und entwickelt ein Werk epischen Ausmaßes: im Nachhinein ist "Hyperion" nicht mehr als ein Prolog, in dem der Autor den Hintergrund für die weitere Handlung beschreibt und dem Leser ein präzises Bild der Protagonisten vermittelt. Darauf baut er nun auf, konzentriert sich auf Nebencharaktere und gibt dem Geschehen eine komplett neue Dimension.

Durch einen Kunstgriff - ein weiterer Cybrid mit der rekonstruierten Persönlichkeit John Keats' fungiert als Berater von Präsidentin Gladstone und "träumt" die Erlebnisse der Pilger auf Hyperion - gelingt es Simmons, sich neben den Geschehnissen rund um das Shrike auch auf die mittlerweile akut gewordene Gefahr durch die Ousters zu konzentrieren, die nicht nur Hyperion sondern scheinbar das ganze Netz angreifen wollen. Gladstone sieht in diesem Krieg, der totales Chaos und wahrscheinlich ein Zusammenbruch des Netzes zur Folge haben wird, jedoch noch etwas anderes: die einzige Chance sich der stetigen internen Bedrohung durch die KIs des TechnoCore ein für allemal zu entziehen. Diese kontrollieren alle wichtigen Bereiche des menschlichen Lebens, während gleichzeitig eine Kontrolle durch die Menschheit unmöglich ist - ein permantes Damoklesschwert der Vernichtung schwebt somit über dem gesamten Netz.

Inmitten all dieser Konflikte suchen die Pilger auf Hyperion weiterhin die Konfrontation mit dem Shrike, jeder mit seinen eigenen Hoffnungen und Ängsten, während der eigentliche Zweck ihrer Reise weiterhin im Dunkeln bleibt. Aber eines steht fest: die Zeitgräber öffnen sich ...

Urteil: Auch wenn Simmons mit seiner Hommage an den Dichter John Keats etwas übertreibt (neben dem Titel des Buchs und dem Thema der Handlung - im Original der Sturz der Titanen durch die Olympier - natürlich auch der Cybrid mit seinen Gedicht-Rezitationen, der den Tode Keats' am eigenen Leib erlebt) und einige Elemente, wie beispielsweise der Kampf der Höchsten Intelligenzen, recht mystisch anmuten, wird der Lesespaß dadurch kaum gemindert. Durch die vielen parallelen Handlungsstränge werden kleine Längen schnell überbrückt und der Spannungsbogen wird - zumindest im ersten und letzten Drittel - über große Strecken aufrecht erhalten.

Zusammen mit "Hyperion" entsteht so eine passgenaue Einheit, die am Ende genügend Antworten liefert, um beim Leser ein befriedigtes Gefühl zu hinterlassen, gleichzeitig aber auch reichlich offene Fragen im Raum stehen bleiben, so daß eine Fortsetzung ("Endymion") noch angebracht erscheint.

(Oliver Faulhaber)






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