Ingo Schulze

Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutshcen Provunz

Bestseller. Berlin Verlag, Berlin. ISBN: 3-8270-0051-3

Ingo  Schulze: Simple Storys. Ein Roman aus der ostdeutshcen Provunz

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Hauptsache, Geld und Arbeit und Wohnung und EC-Karte und daß man sich auskennt mit Gesetzen und Formularen. Was anderes interessiert nicht. Nicht die Bohne. Das ist der Alltag in der ostdeutschen Provinz in den Jahren nach der Wende. Ingo Schulze gibt uns 29 kleine Einblicke in das Leben der Kleinstadt Altenburg in Thüringen. Deren Bewohner wirken unter dem Druck des neuen Systems verwirrt und verstört. Keiner blickt richtig durch, man hat das Gefühl, alles falsch zu machen. Laufbahnen und Sicherheiten lösen sich in Luft auf. Der Kunsthistoriker fährt in fremdem Auftrag teure Autos von West nach Ost, die entlassene Leiterin des Museums hängt schnapstrinkend überm Hoteltresen. Paare finden keine gemeinsame Grundlage mehr, Männer laufen ihren Frauen davon und umgekehrt, die Kids sind schwierig, die Jugendlichen cool oder gewalttätig randalierend. Orlando aus Havanna, hochqualifiziert aber andersfarbig, darf für seinen Freund Raffael nicht einmal mehr Taxi fahren; schon einmal hat ihm einer ein Messer in den Rücken gerannt, fünf Wochen Arbeitsausfall, das kann sich keine Firma leisten. Bei den Zeitungen ist der Kampf um die Anzeigenkunden voll entbrannt, die Berichterstattung paßt sich an. Überall wird die DDR-Vergangenheit auf- und abgerechnet (wer war Stasi, wer nicht), aber auch dies bringt keine Orientierung. Jetzt ist jeder am Schwimmen, egal ob er damals oben oder unten war. Rechtfertigungen kommen allenfalls verstohlen (Geld ist manchmal schlimmer als Partei). Klar ist aber: nur wer Geld verdient, ist ein richtiger Mann. Toffifee, Bifiwurst und die Küche von Ikea sind der einzige Nenner, auf den man sich wirklich einigen kann.

Das zweite Buch ist das schwierigste, lautet eine alte Literatenweisheit, vor allem wenn das erste ein Erfolg war, wie Ingo Schulzes 1995 erschienene 33 Augenblicke des Glücks. Robert Schneider, erfolgverwöhnter Autor von Schlafes Bruder, wurde beim nächsten Buch von einer in ihren Erwartungen enttäuschten Kritikerschaft sehr unsanft vom Sockel geholt. Ganz anders Ingo Schulze. Sein Zweites wird als Glanzstück der Saison gehandelt.

Nicht zu Unrecht. Schulze hat seine Erzählweise überzeugend weiterentwickelt. Wieder fügt er Geschichten zusammen. Was aber beim ersten Buch einen bunt-beliebigen Flickenteppich ergab, ist nun über Figuren, Ereignisse und auch den Erzählton so sorgfältig verwoben, daß der Untertitel Roman nicht ausschließlich ironisch erscheint. Allerdings muß der Leser kräftig mitarbeiten beim Weben, muß Querverbindungen ziehen, vor und zurück blättern, Bedeutungen entschlüsseln. Manches fügt sich im Nachhinein zum Bild nach Puzzleart, manches bleibt in der Schwebe oder hängt als Verdacht zwischen den Zeilen. Der Leser ist aktiviert, gelegentlich auch irritiert, die Figuren bleiben auf Distanz.

Die Storys mit dem falschen Plural sind also alles andere als simple. Schulzes Vorbild ist die Lakonie der amerikanischen Kurzgeschichten, die Technik der Short Cuts, die er ganz kühl und konsequent auf die ostdeutsche Provinz überträgt, eine hochinteressante Mixtur, dargeboten in brillianten Dialogen und einer zu Literatur rhythmisierten, sehr präzisen und zeitgemäßen Alltagssprache. Aus der Hilflosigkeit blüht Komik, nirgendwo findet sich Nachwendeweinerlichkeit.

Historiker müssen fünfzig Jahre warten, bis sie Zugang zu allen Quellen erhalten und ein wirklich ausgereiftes Bild einer Epoche entwickeln können. Die Zeit nach 1989 scheint noch nicht zu klar erkennbaren Strukturen abgesintert zu sein. Für den großen umfassenden Wenderoman (wenn er denn überhaupt kommt) ist es einfach noch zu früh. So ist die Form, die Ingo Schulze gewählt hat, durchaus plausibel. Nur in kleinen Ausschnitten läßt sich fassen, was noch keiner durchschaut. Irgend etwas bekam ich einfach nicht in den Griff, ohne zu wissen, was. Wenn einer also bei der Lektüre mangels Durchblick ungeduldig wird, dann teilt er die Erfahrung der Leute in den Simple Storys.

Eva Leipprand

(Rezension erschienen in: Stuttgarter Zeitung)






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