Gerhard Schulze

Kulissen des Glücks

Sach. Campus, 112 Seiten. ISBN: 3-593-36305-4

Gerhard  Schulze: Kulissen des Glücks

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Der Bamberger Soziologe Gerhard Schulze hat mit seinem Bestseller „Die Erlebnisgesellschaft“ einen soziologischen Coup ersten Ranges gelandet. Ganze Kapitel des vergnüglich zu lesenden Wälzers waren in der FAZ abgedruckt. „Die Erlebnisgesellschaft“ bildete die Bundesdeutsche Gesellschaft Mitte der achziger Jahre ab. Seitdem hat diese sich freilich gewandelt, erst in den neunziger Jahren entstand die „Eventkultur“.
Nun sind fünf Essays „Streifzüge“ durch die aktuelle Kulturszene erschienen, die wiederum ebenso unterhaltsam wie geistreich sind. Gerhard Schulze ist kein Kulturkritiker, er beschreibt nüchtern und sachlich, zumal - nach Schulze - Kulturkritiker ohnehin niemand mehr ernst nimmt, jeder akzeptiert nur noch seinen eigenen Geschmack. So fragt sich Schulze, weshalb unsere gesamt Kultur von Sex durchdrungen zu sein scheint, weshalb es keinerlei Schranken mehr gibt: „Die lachende Verheißung prallen Lebens wurde zu einer Routine, die mit dem Wetterbericht vergleichbar ist“. Der Mensch unserer Gesellschaft - das beschrieb Schulze bereits in der „Erlebnisgesellschaft“ - ist dem Imperativ des schönen Lebens ausgesetzt. Wer keine „schönen Erlebnisse“ hat, hat kein sinnerfülltes Leben. Hierzu gehört zuvorderst der Bereich der Sexualität. Das Privatfernsehen führt in zahlreichen Sendungen wie „Peep“ oder „Liebe Sünde“ vor, wie man sich mit Hilfe mannigfaltiger Stimulanzmittel sexuell-schöne Erlebnisse verschaffen kann. Doch das „Herzeigen“ im Privatfernsehen besteht aus Inszenierungen, nichts ist echt, alles ist „Fake“, auch wenn er diesen Begriff nicht wählt - vielleicht im nächsten Band. Der gelegentliche Aufschrei beispielsweise der Landesmedienanstalten „erzeugen ein letztes Quentchen Sündhaftigkeit, eine wenigstens noch schwach prickelnde Form von Obszönität“ und den Anschein, dass doch noch Tabus gebrochen werden können.
Nichts ist wirklich, aber die Inszenierungen funktionieren. Ihre Funktionsweise aufgedeckt zu haben, ist ein Verdienst dieses schmalen Buches. Weshalb das Privatfernsehen immer langweiliger werden wird, auch das macht Schulze plausibel. Weil es sich am Mehrheitsgeschmack orientiert, also an den Quoten, wird keiner der „Macher“ auf die Idee kommen, andere, neue Konzepte auszuprobieren, die beim Publikum nicht ankommen können. Altbewährtes wird stets ein wenig modifiziert, und in immer schnelleren Kreisbewegungen präsentiert. Das erklärt auch den Erfolg der unzähligen Coverversionen und gesampelten Hits. Schulzes „Streifzüge“ illustrieren den von Paul Virilio beschriebenen „rasenden Stillstand“ . Niemand kann diesem entkommen, es sei denn, er setzt sich bewusst der Langeweile und dem absoluten Nichtstun aus. Doch in der Gegenwartsgesellschaft ist dies unvorstellbar. Matthias Kehle
 






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