Leander Scholz

Rosenfest

Roman. Carl Hanser Verlag, 247 Seiten. 35.00 DM . ISBN: 3446199829

Leander  Scholz: Rosenfest

Dieses Buch Freunden weiterempfehlen.

Dieses Buch kaufen bei Amazon.de

Buy Leander Scholz: Rosenfest at Amazon.com (USA)

Weitere Buchbesprechungen bei Amazon.de.

2. Juni 1967. Während einer Anti-Schah-Demonstration in Berlin erschießt der Polizeiobermeister Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg (26). Diesem Ereignis vorausgegangen waren massive Proteste gegen Irans Herrscher, die sich in Sprechchören, Plakaten und Wurfgeschossen äußerten. Dem Ereignis nachfolgend eskalierte der zunächst friedliche Zorn der Studenten, die die Springer-Presse für Hetze, Provokationen und falsche Berichterstattung verantwortlich machten. Die Atmosphäre war aufgeladen, Wut und Trauer beherrschten den Universitätsalltag.
In dieser Spirale der Eskalation beginnt Leander Scholz seinen Roman „Rosenfest“. Andreas (Baader) und Gudrun (Ensslin), die im fiktionalen Geschehen ebenfalls am Ort der Tat waren, strukturieren ihre persönliche Wut, in dem sie über die Banalitäten des Alltags in eine Art revolutionäres Vorstadium geraten. Der Schritt darüber hinaus erweist sich, jedenfalls im erzählenden Gestus, als ein Spiel aus Liebe und Verrat, Flucht und Rückkehr.
Leander Scholz schrieb eine Allegorie auf die historische Wahrheit, eine erfundene Story um reale Personen. Die Geschichte der RAF, wie sie mit Baader und Ensslin in Verbindung gebracht werden müsste, findet im „Rosenfest“ nicht statt. Nur am Rande tauchen die tatsächlichen Geschehnisse auf, die letztlich im Oktober 1977 zum Selbstmord der Hauptfiguren führten.
Mit den Bildern von damals im Kopf den Scholz-Text von heute zu lesen, eine Zeit mit Hilfe dieses Textes, dessen Autor damals noch nicht einmal geboren war, zu erinnern, bedeutet, den Blick vom realen Geschehen abzuwenden und sich im Erfundenen niederzulassen. Denn in erster Linie erzählt Scholz eine Liebesgeschichte, wie sie so vielleicht abgelaufen sein könnte. Diese Geschichte von Andreas und Gudrun ist nur eine der möglichen, sie ist, im Roman, nicht so vordergründig wie die von Bonny and Clyde. Aber Scholz vermittelt neben der intimen Beziehung das desperadohafte Verhalten des Paares auf eine stille, nachdenkliche Art.
Endlich 1968. In diesem Jahr hatte jeder Aktionismus das Wort „Anti“ als Vornamen: Anti-Imperialismusdebatte,
Anti-Vietnamkriegdemos,
Anti-Autoritätsbewegung.
Nach der gelungenen Brandstiftung im Frankfurter Kaufhaus „Schneider“ fliehen Andreas und Gudrun mit zwei Sympathisanten nach Paris. „Das macht doch überhaupt keinen Sinn, hat er sich auch gleich selbst geantwortet. Gudrun hat unweit von Frankfurt nur stammeln können, hat davon gesprochen, dass sie sich rächen wollte, für Benno, ja, der sei erschossen worden, kaltblütig, und nie würde dafür jemand zur Rechenschaft gezogen werden.“ Formen der Selbstjustiz, die da in revolutionärer Absicht gefunden wurden.
In Paris kostet das Paar von einer Droge, die privates Glück heißt. Um sie herum brennt im Mai '68 die Stadt, und sie nehmen sich einen freien Tag, um das romantische Paris entdecken zu können. Die Flucht geht weiter nach Italien und endet in Berlin, dem Ausgangspunkt der Romanhandlung.
Leander Scholz hat zwei Personen, die als Inkarnation des Bösen und der Revolte, des Terrors und der Unmenschlichkeit bezeichnet wurden, ein Gesicht gegeben. Es wird den Menschen hinter der aufgebauten Mörderfassade nicht viel nützen. Einmal Staatsfeind, immer Staatsfeind.
Im Grunde ist hier das Manko des Buches zu finden. Es bedient sich historischer Vorfälle, ohne sie zu thematisieren. Die Liebesgeschichte entbehrt zwar nicht gewisse schöne, auch zärtliche Seiten. Nur – die Bilder getöteter Menschen wollen in dem Zusammenhang nicht aus dem Kopf. Schönfärberei ist ein Wort für das, was mit der fiktiven Story um Baader und Ensslin passiert. Ein Wort, das dem Autor wehtut, das er vielleicht gar nicht verdient. Sein Text aber verlangt förmlich nach dieser negativen Bezeichnung. Vielleicht wäre es klüger gewesen, die Toten ruhen zu lassen.

 

 






Bücher neu und gebraucht
bei amazon.de

Suchbegriff:


eBay


Bücher gebraucht oder neu bei booklooker.de
Autor:
Titel:
neu
gebraucht

Ihr Kauf bei unseren Shop-Partnern sichert das Bestehen dieses Angebotes.

Danke.


Weitere Rezensionen in der Kategorie: Roman  



Partner-Shop: Amazon.de

Rosenfest Amazon.de-Shop
Leander Scholz: Rosenfest

Partner-Shop: Amazon.com (USA)

Buy Leander Scholz: Rosenfest at Amazon.com (USA)

carpe librum ist ein Projekt von carpe.com  und © by Sabine und Oliver Gassner, 1998ff.

Das © der Texte liegt bei den Rezensenten.   -   Wir vermitteln Texte in ihrem Auftrag.   -   librum @ carpe.com

Impressum  --  Internet-Programmierung: Martin Hönninger, Karlsruhe  --  19.06.2012