Wolfgang Schmidbauer

Die Kentaurin. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau

Bestseller. Rowohlt, Reinbek. ISBN: 3-498-06300-6

Wolfgang  Schmidbauer: Die Kentaurin. Die Geschichte einer ungewöhnlichen Frau

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Mythus ist Lebensgründung, schreibt Thomas Mann, er ist das zeitlose Schema, die fromme Formel, in die das Leben eingeht, indem es aus dem Unbewußten seine Züge reproduziert. Mythos und Psychologie - ein starkes Spannungsfeld, das sich zugleich aus der Tiefe der Psyche wie aus der Tiefe der Menschheitsgeschichte aufbaut. Darin lassen sich die Geschichten und Figuren der alten Mythen als Archetypen begreifen, als zeitlose Muster im Chaos der unverständlichen Gegenwart. Thomas Mann gewinnt für sich, indem er das Individuelle ins Mythisch-Allgemeine überhöht, für sich selbst klassische Würde. Eugen Drewermann, in seinem Buch Tiefenpsychologie und Exegese, analysiert die Mythen wie kollektive Träume der frühen Menschheit. Im Traum wie im Mythos werden Urerlebnisse, Urkonstellationen (der Kindheit des einzelnen wie der Frühzeit einer Gesellschaft oder eines Volkes) in immergültigen Bildern mit der Gegenwart verschmolzen. Wie ein einzelner aus der Beschäftigung mit seinen Träumen Klärung, vielleicht sogar Weisung gewinnt, so kann der Allgemeinheit ein gelegentlicher Blick auf ihre Mythen nur von Nutzen sein.

   Wolfgang Schmidbauer, Psychotherapeut und Bestsellerautor zu Fragen der Psychologie und Zeitkritik (Jetzt haben, später zahlen), hat über das Thema Mythos und Psychologie promoviert. Seine Liebe zu den Mythen stammt, das zeigt sein Buch Die Kentaurin, von der Mutter. Es ist ihr Portrait, das er hier zeichnet, aber nicht von außen, aus der Sicht des Sohnes, sondern aus dem Innern der Mutter selbst, aus den Schatzkammern ihrer Erinnerungen, die sie durchstreift, während sie, durch einen Tumor zur Unbeweglichkeit auf dem Krankenbett gezwungen, auf den Tod wartet. Halb betäubt von Schmerz und Morphium, wiederholt sie im Geist die Reisen in die mediterranen Ursprungsländer der Mythen und bewegt sich assoziativ zwischen diesen und ihrem eigenen Leben hin und her. So entsteht das Bild einer vitalen, von höchst eigenständigem Wissensdrang erfüllten Frau. Immer wollte sie fort, hinaus und hinauf, doch war es ihr nicht gegönnt, ihre Leidenschaft für die Mythologie zum Beruf zu machen. Aber Nische, Zuflucht waren die alten Geschichten immer, Rettung vor allem vor der lebenserstickenden religiösen Erziehung der Klosterschule. Beim Nachdenken über Gott und die Welt, beim Sichten der eigenen Lebensgeschichte orientiert sie sich an den klassischen Denkmustern. Was bedeutet es, zu leben wie der Stoiker, der Epikuräer oder der Säulenheilige; wie ist das Nachlassen der Fähigkeiten im Alter zu ertragen, wie Schmerz und hilfose Schmach im Krankenbett; war das frühe Sterben des Mannes Segen oder Fluch, was ist überhaupt Glück, was der Tod. Am liebsten sieht sie sich als Kentaurin - mit dem hellen Verstand im Kopf, aber auch der Nähe des Tierleibs zur Natur.

Wer von diesem Buch tiefere Aufschlüsse zum Thema Mythos und Psychologie erwartet, wird etwas enttäuscht sein. Bei ihrem Streifzug durch die Schatzkammern ihres Gedächtnisses breitet die Kranke, voll Stolz auf ihren Besitz, sehr viel Wissen aus,  eher die Bestände sichtend als schlußfolgernd, der rote Faden ist oft schwer zu erkennen. Die etwas geschwätzige Oberfläche verdeckt die Tiefenstruktur. Und obwohl der Leser sich ja keinen intimeren Zugang zu der Kentaurin wünschen könnte als ins Innerste ihres Denkens und Fühlens eingelassen zu werden, ist da eine eigenartige, nicht ganz stimmige Distanz. Man hört eben doch den Sohn erzählen, man spürt seine respektvolle Liebe, der sich niemals alle Geheimnisse der Mutter öffnen werden; und man erkennt gelegentlich den Therapeuten, der seine Sicht der Dinge nicht immer ganz verbergen kann.

Eva Leipprand

(Rezension erschienen in: Stuttgarter Zeitung)






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