Hans Joachim Schädlich

Trivialroman

Roman. Rowohlt, 158 Seiten. 32.00 DM . ISBN: 3-498-06326-X

Hans Joachim  Schädlich: Trivialroman

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Hans Joachim Schädlich ist ein ganz besonderes Kabinettstück gelungen; er hat nämlich einen brillanten Trivialroman geschrieben. Dogge, Ratte, Biber und Feder sitzen in der "Bar" und betrinken sich. Die Bar stellt sich bald als Bunker heraus, in dem die vier zusammen mit Clarissa, dem Barkeeper und dem Koch beratschlagen, wie sie ent- und davonkommen könnten bzw. darauf warten, daß dieses letzte Schlupfloch ausgehoben wird. Die Eingeschlossenen gehören nämlich einer verbrecherischen Organisation, vielleicht auch einer totalitären Sekte an, ganz klar ist das nicht. Feder jedenfalls erzählt, wie er als kleiner Journalist von der Organisation eingekauft wurde, um deren tendenziöser Zeitung den letzten Schliff zu verpassen. Er berichtet, wie er den stotternden "Chef" kennenlernte, dessen Reden schrieb und Karriere machte. In der "Organisation" wurde brutal gefoltert, Gegner wurden eliminiert oder eingekauft. Das ganze ist in einer plumpen, ja primitiven Sprache geschrieben, und das macht durchaus Sinn, denn das Dogma totalitärer Organisationen ist meist trivial, das Denken der Mitglieder darauf "beschränkt". Was in der Bunker-Bar im Laufe der Zeit passiert, ist wahrscheinlich typisch für Menschen in derartigen Situationen, die sich gegenseitig in höchstem Maße mißtrauen: Sie intrigieren und zerfleischen sich gegenseitig. Die beiden Gefährlichsten werden schließlich geknebelt und gefoltert, während die letzten Mitglieder, die sich draußen frei bewegen, telefonisch immer hoffnungslosere Meldungen durchgeben. Es kommt, wie es kommen muß: Plötzlich stehen schwerbewaffnete Polizisten im Raum. Die Geknebelten gehören zu den meistgesuchten Mördern der Bande, die anderen - allen voran Feder - waren Schreibtischtäter. Das Erstaunliche ist, daß diese ungeschoren davonkommen. Nicht nur das, die Organisation beginnt sich, unter einem religiösen Deckmantel neu zu formieren.

Im Führerbunker oder in Stasi-Hauptquartieren mag es am Ende ähnlich zugegangen sein, und viele der Schreibtischtäter führten danach ein ganz normales Leben. So perfekt Schädlichs Anti-Trivialroman ist, etwa im Einsatz von Spannung und Erotik, so sehr ist er auch "moralisch", und zwar im positiven Sinne; er ist sowohl Parabel als auch Parodie totalitärer Organisationen oder Sekten.

Matthias Kehle






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