Salman Rushdie

Grimus

Bestseller. Vintage, 253 Seiten. ISBN: 0-099-59271-1

Salman  Rushdie: Grimus

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1989 hatten die Khomeinis dieser Welt zur Ermordung Salman Rushdies aufgerufen und in der Folge seinen 'Satanischen Versen' einen wahrhaft unheimlichen Verkaufserfolg beschert. Rechtzeitig zur letztjährigen Frankfurter Buchmesse hoben sie das Todesurteil wieder auf, so daß Rushdie zu diesem Anlaß Gelegenheit fand, öffentlich ein Kapitel seines neuen Buches 'Ground beneath her feet' vorzulesen, das im April 99 erscheinen soll. Eine Woche später zogen die Khomeinis ihre Aufhebung zurück, und Rushdie mußte wieder im Untergrund verschwinden. Auch 'Ground beneath her feet' wird ein Bestseller werden, und wieder werden die Khomeinis dieser Welt nicht unerheblich daran beteiligt sein.
Und gerade das ist das Schlimme daran - sowohl für die Khomeinis, als auch für Rushdie. Diese Art ungewollter und -erwarteter Schützenhilfe hat Rushdie nun wirklich weder verdient noch nötig. Er ist ein Genie, einer der größten lebenden Schriftsteller schlechthin, und die 'Satanischen Verse' sind ein Meisterwerk, das unter den Meisterwerken dieses Jahrhunderts seinesgleichen sucht.
Gehen wir zurück in die unschuldige alte Zeit, als Rushdie noch frei und unbekannt über die Erde wandelte, zurück zu seinem 1975er Erstlingswerk 'Grimus', das infolge des Gerangels um die Verteufeleien und -ungen anderer Bücher lange Zeit in Vergessenheit geraten war, nunmehr aber wieder verlegt wird: In 'Grimus' wird die Geschichte eines Mannes erzählt, eher eines Zwitters, einer Mischung zwischen Mensch und Gott, nein, nicht Gott - oder vielleicht doch Gott - eher eines Mannes, eines Mannes und seiner Schwester, eines Geschwisterpaares - oder vielleicht doch eher eines Liebespaares. Weitere Männer kommen ins Spiel, und weitere Frauen. 'Grimus' ist die Geschichte einer Beziehung und einer Freundschaft, zunächst einer Zweier-, dann einer Dreier-Beziehung, beziehungsweise mehrerer beziehungsweise einer Mehrer-Beziehung. Desgleichen ist 'Grimus' die Geschichte zweier Freunde, dann dreier Freunde, dann dreier Feinde, dann erneut zweier Freunde. Beständig werden die Rollen vertauscht und neu besetzt, die entsprechenden Parts neu erzählt. Man merkt es schon: Rushdie ist ein großer Geschichtenerzähler. 'Grimus' ist weiterhin die Geschichte einer Insel, eines Dorfes, eines Bordells, eines Berges, gar des Planeten Thera und seiner Bewohner...
Meisterhaft setzt Rushdie Geschichte auf Geschichte beziehungsweise Geschichte in Geschichte, denn sie passen alle wunderbar ineinander, bis zuletzt groß und umfassend - nun was denn entsteht? War es nicht vielmehr so, daß im Anfang dieses - nun, wie wollen wir es nennen war, das dann in seine Einzelteile zerbrochen wurde, die sich eben ganz natürlich ineinander fügen? 'Grimus' ist ein Puzzlespiel, und man kann es halten wie man will, man kann es entwerfen, demontieren und man kann es wieder zusammenfügen - wie eine Utopie! Aber hat jemals jemand daran gedacht, eine Utopie zu demontieren? Utopien werden entworfen, zuhauf, aber da sie Utopien sind und bleiben, sind sie von vornherein unwirklich, müssen also nicht wieder aufgeräumt werden, nachdem man mit ihnen gespielt hat - es gibt sie ja gar nicht. In 'Grimus' ist eine Utopie Realität geworden, nur ein Teil des Puzzlespiels paßt nicht - aber welches? Auf alle Fälle ist es an der Zeit, sich mit der Demontage der Utopie auseinanderzusetzen.
Rushdie erzählt eine Geschichte von Hennen und Eiern, und er erzählt sie so faszinierend, daß einem gar nicht auffällt, daß es sich bei 'Grimus' um nichts weiter handelt als ein zwar großes, aber frei erfundenes Märchen - wie immer bei Rushdie.

(By the way, Rushdie ist unschlagbarer Meister nicht nur des Puzzle-, sondern auch des Wortspiels: Seine Bücher sind unübersetzbar, und regelmäßig hamstern renommierte Übersetzer renommierte Übersetzerpreise dafür ein, daß sie es zumindest versuchen - mag zumindest das deutschsprachige Endergebnis auch noch so schlecht sein. Man sollte also Rushdie stets im englischen Original lesen; die Lücken, die die ehemalig-schulische Unaufmerksamkeit in den Text reißen mag, werden durch anderweitige Gewinne tausendundeinmal ausgeglichen!!!)

Dieter Lohr






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