Kim-Stanley Robinson

Roter Mars

SF. Heyne, München. 798 Seiten. 24.90 DM . ISBN: 3-453-09428-X

Kim-Stanley  Robinson: Roter Mars

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Nachdem die wohl bis jetzt umfangreichste Trilogie über die Kolonisation des Mars mit Dutzenden von Auszeichnungen überschüttet wurde, ging ich mit großen Erwartungen an diesen ersten Band (gefolgt von "Grüner Mars" und "Blauer Mars").
Nach einem ersten Kapitel, das zeitlich im letzten Drittel des Buches einzuordnen ist, erhascht der Leser schon einen Vorgeschmack auf die späteren Probleme der Kolonisten, ist aber doch eher verwirrt aufgrund der fehlenden Hintergründe. Danach aber hält sich Robinson an die Zeitlinie und beginnt seine Erzählung mit der strengen Auswahl der ersten Kolonisten, den "Ersten Hundert". Unter der Führung der Vereinten Nationen sollen diese Hundert - allesamt Wissenschaftler, führend auf ihrem Gebiet - zum Mars fliegen und dort den Grundstein für eine menschliche Zivilisation legen. Doch schon auf dem Weg dorthin beginnen die Probleme, vor allem bedingt durch das enge Beieinanderleben und die langen Perioden des Nichtstuns.
Als dann endlich der Mars erreicht ist, hebt sich die Stimmung schlagartig. Jeder hat seine Aufgabe und emsig wird versucht, mit Hilfe der in den Jahren zuvor zum Mars gebrachten Werkzeuge und Maschinen, eine erste Unterkunft zu errichten. Auch dem Autor merkt man an, daß jetzt seine wahre Leidenschaft durchbricht: Landschaftsbeschreibungen. Diese werden den geneigten Leser auf den nächsten 700 Seiten auf Schritt und Tritt verfolgen, und man bekommt den Eindruck, Robinson hätte schon Jahrzehnte dort oben verbracht, so detailliert und wirklichkeitstreu schildert er die Umgebung. Dieser Realismus ist nebenbei bemerkt einer der charakteristischten Punkte am "Roten Mars", alle Lösungen und Entdeckungen sind durchaus realistisch - sogar der mit dem Mars durch ein 37.000 km langes Diamantkabel verbundene Asteroid, der als orbitaler Aufzug fungiert, ist bestimmt theoretisch denkbar. Doch dieser Realismus ist auch einer der Schwächen des Buches, denn jedenfalls mir gehen die Landschafsbeschreibungen gehörig auf die Nerven, wenn sie beinahe ein Drittel des Buchs in Anspruch nehmen. Auch die stellenweise an Dissertationen (Beispielsweise über Gentechnik) erinnernde Monologe/Dialoge sind ein Teil des Realismus' (bzw. des Hard-SF-Charakters), der meiner Meinung nach total überflüssig ist.
Aber zurück zur Handlung des Buches. Die Kolonisten sind also gelandet und alle sind glücklich. Doch schnell stellen sie fest, daß sie gegensätzliche Vorstellungen über die weitere Vorgehensweise haben. Die einen vertreten die Position der "Terraformer", die durch eine möglichst schnelle Umwandlung des Mars einen Planeten mit erdähnlichen Zuständen schaffen wollen. Diesen entgegen stehen die "Roten", die einen zvilisatorischen Eingriff der Menschen unter allen Umständen so gering wie möglich halten wollen. Auch über die Frage, ob die Pläne der UNOMA (so der Name der zuständigen UN-Behörde) zum Aufbau einer Kolonie befolgt werden sollen, oder aber eigene Pläne erstellt werden sollen (mit dem Ziel, eine Welt zu schaffen, auf der die früheren Fehler der Menschheit vermieden werden), brechen heftige Diskussionen aus.
Diese Diskussionen führen unweigerlich zu mehr gegen- als miteinanderarbeitenden Gruppierungen, doch der "große Plan", die Errichtung einer Kolonie wird unweigerlich vorangetrieben. Bessere Werkstoffe können aus den vorhandenen Rohstoffen gewonnen werden, mit steigender Erfahrung verbessert sich auch stetig die Lebensqualität der Kolonisten. Von der Erde kommen - zuerst spärlich, doch durch bessere Infrastruktur und Lebensbedingungen immer häufiger - Kolonisten anderer Nationalität (die "Ersten Hundert" waren größtenteils Russen und Amerikaner), teilweise von Ländern, die in Wirklichkeit in der Hand mächtiger transnationalen Konzerne sind. Diese haben erkannt, daß mit dem Mars ein nahezu unerschöpfliches Rohstoffvorkommen in ihre Reichweite gekommen ist, und sie setzen alles daran, ein großes Stück von diesem Kuchen zu bekommen.
All dies wird aus der Perspektive einiger Protagonisten geschildert, den wichtigsten der "Ersten Hundert": Aus ihrer Sicht erlebt der Leser die politischen Geschehnisse, die sozialen Spannungen und die Beziehung der Kolonisten untereinander. Doch auch bei diesen zwischenmenschlichen Szenen will nicht so richtig Lust am Lesen aufkommen. Es macht sich schnell Langeweile breit und diese wird nur durch kurze Passagen unterbrochen, wobei es Robinson meisterhaft versteht, den ursprünglichen Zustand schnellstens wieder herzustellen.

Urteil: Ich frage mich wirklich, was an dem Buch preiswürdig ist. Inhaltlich wirklich interessant, doch in der Ausführung mangelt es dem Autor an der Fähigkeit, den Leser zu fesseln. Ich konnte keinerlei Beziehung bzw. Identifikation mit den Charakteren aufbauen, ihre Denkweise blieb mir verschlossen. Hoffentlich halten wenigstens die Folgebände, was sie versprechen, denn aufgrund der vielen Vorschußlorbeeren war die Enttäuschung umso größer.

(Oliver Faulhaber)






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