Xialong Qiu

Tod einer roten Heldin

Krimi; Roman; Land/Andere. Zsolnay Verlag, Wien. 464 Seiten. 21.50 EUR . ISBN: 3-552-05229-1

China für Anfänger, Kenner und Krimifans
Xialong  Qiu: Tod einer roten Heldin

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Qiu Xialong bringt dem westlichen Leser China nahe, die politischen Verhältnisse in diesem Land im Umbruch, die Bewohner, die chinesische Küche und Literatur – verpackt in einen spannenden Kriminalroman.
Aus einem Kanal in der Nähe von Shanghai wird eine nackte Frauenleiche gefischt. Wie sich herausstellt, war die Dame zu Lebzeiten nicht nur Abteilungsleiterin in einem Kaufhaus, sondern auch Modellarbeiterin – eine Heldin der Arbeit und politisches Vorbild. Und schon handelt es sich nicht um einen ‘gewöhnlichen’ Mord, sondern um einen heiklen politischen Fall. Weiterhin stellt sich heraus, dass die Ermordete neben ihrem kommunistischen Vorzeigeleben ein ‘bürgerlich dekadentes’ Doppelleben geführt hat – mit bedenklichen erotischen Geheimnissen, mysteriösen Besuchen in Nachtclubs und dubiosen Bekanntschaften.
Und schon hat der ermittelnde Oberinspektor Chen ein Problem: Löst er den Fall, so wird dieser tunlichst unter den Tisch fallen und Chen keinerlei Ruhm einbringen, da von einer Bekanntmachung der Details die Partei Schaden nehmen würde. Löst er den Fall nicht, nimmt die Partei natürlich ebenfalls Schaden und Chens bislang so steile Karriere hätte ein jähes Ende. Das Einfachste wäre, den Fall an den Geheimdienst abzugeben, der ihn dann schnellstmöglichst einstellen würde.

Da das Bruttoinlandsprodukt jährlich um eine zweistellige Zahl wuchs, ging es den Menschen allmählich besser. Auch ein gewisses Maß an Demokratie wurde jetzt eingeführt. In solch einem historischen Augenblick war ‘politische Stabilität’ – ein Ausdruck, der sich nach dem tragischen Sommer von 1989 großer Beliebtheit erfreute – vielleicht unabdingbar für weitere Fortschritte. Die unangefochtene Autorität der Partei war jetzt wichtiger denn je.
Die Ermittlungen mussten eingestellt werden, ehe die politische Autorität der Partei beschädigt wurde.
Aber was war mit dem Opfer?

Im Dienst an der Gerechtigkeit führt Chen die Ermittlungen weiter, und diese führen zum Sohn des Propagandaministers und somit in allerhöchste politische Kreise. Und was Chen über gewisse Kinder gewisser hoher Kader herausfindet, kann auf keinen Fall im Interesse der Partei sein. Was aber ist im Interesse der Partei?

So hatte der Vorsitzende Mao Anfang der fünfziger Jahre die chinesischen Intellektuellen eingeladen, die Partei zu kritisieren. Das sei ‘im Interesse der Partei’, hatte Mao gesagt. Als aber diese Aufforderung von einigen wörtlich genommen wurde, bekam Mao einen Tobsuchtsanfall und nannte seine naiven Kritikaster ‘antisozialistische Rechtsabweichler’ und warf sie ins Gefängnis. Was natürlich ebenfalls im Interesse der Partei geschah, wie die Parteizeitungen erklärten; sie rechtfertigten Maos ursprüngliche Rede als taktisches Manöver zu dem Zweck, ‘die Schlange aus der Höhle zu locken’. Genauso ging es mit vielen politischen Bewegungen, auch mit der Kulturrevolution. Alles, alles geschah im Interesse der Partei. Nach Maos Tod wurden diese katastrophalen Bewegungen als Maos ‘Fehler aus besserer Absicht’ abgeschrieben, die nicht über das ruhmreiche Verdienst der Partei hinwegtäuschen dürften; und das chinesische Volk wurde wieder einmal ermahnt, die Vergangenheit im Interesse der Partei zu vergessen.

Es wäre nunmehr allerhöchste Zeit, den Fall abzugeben oder fallen zu lassen. Chen gerät nicht nur in diverse Interessenkonflikte, sondern an einen Gegner, der weitaus längere Arme hat als er. Und trotzdem ermittelt er weiter. Chen ist kein Systemgegner, kein Reformer oder Umstürzler; er ist selbst Parteimitglied, hat seinen Platz im politischen Apparat und stets nur das Beste für Staat und Partei im Sinn. Und dennoch kommt er im Laufe der Ermittlungen nicht umhin, immer kritischere Fragen zu stellen. Am Ende bleiben die Möglichkeiten, entweder zu kapitulieren, im Interesse der Partei seine Ideale fallen und sich korrumpieren zu lassen oder aber zu rebellieren, unterzugehen oder auszuwandern. Im Buch wird diese Konsequenz nicht gezogen – lediglich ein ungemein bitterer Nachgeschmack bleibt zurück.

Die Wahl zwischen diesen Alternativen ist jedoch in der Biographie des Autors zu finden: Von einer USA-Reise kehrte Qiu Xialong nach dem Massaker auf dem Tienanmen-Platz nicht mehr in seine Heimat China zurück. Tod einer roten Heldin ist sein erster Roman; er ist voller Liebe für China, eine einfühlsame Heranführung nicht-chinesischer Leser an die politischen Verhältnisse in diesem Land im Umbruch, seine Bewohner, seine Küche, seine Literatur – verpackt in eine fesselnde und intelligente Krimihandlung.

Dieter Lohr






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