Elisabth Plessen

Der Knick

Bestseller. Nagel und Kimche, Zürich. ISBN: 3-312-00233-8

Elisabth  Plessen: Der Knick

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Vera Miller macht Theater. Sie ist Schauspielerin, ziemlich bekannt, Ende vierzig und schon etwas aus dem Leim gehend. Gern läßt sie die Puppen tanzen, die Regisseure und Intendanten, die Ärzte, ihren Mann. Sie spielt mit ihnen, sie braucht sie aber auch, die Ärzte vor allem, denn Vera ist süchtig, seit langem schon. Tabletten haben inzwischen Alkohol und Zigaretten abgelöst. Immer neue Ärzte, von Vera wie Heilsbringer verehrt, verschreiben ihr immer neue Medikamente, die sie immer weiter in die Abhängigkeit treiben. Sie braucht die Drogen, um die aufreibenden Proben, überhaupt ihr ganzes hektisches Leben durchzustehen, bald aber auch, um auf der Bühne durchzuhalten. Das kann nicht gut gehen. Ihre Leistung fällt ab, der Karriereknick ist da und damit auch der allgemeine Zusammenbruch. Vera hat genug von Ärzten. Betreut allein von ihrem Mann, im schönen italienischen Veneto, steht sie die Entziehungskur durch.

Das zermürbende Drama dieser Sucht wird aus der Perspektive des Ehemannes Nicolas erzählt. Der ist ein paar Jahre jünger als Vera, Rundfunkredakteur in Hamburg, ein Herr von Adel und offenbar dazu erzogen, Frauen in allem und jedem zu Diensten zu sein. Der Leser, um es gleich klar zu sagen, will nicht begreifen, warum der schicke Nicolas, Liebhaber guter Weine und Inhaber bester Beziehungen in aller Herren Länder, der ständig nörgelnden und nervenden Vera nicht schon auf den ersten Seiten den Laufpaß gibt, zumal da Vera, ohnehin beträchtlich älter als er, aufgrund ihres Beta-Blockers libidinös auf dem absteigenden Ast ist, wenn die Orgasmusschwierigkeiten nicht überhaupt schon von den Wechseljahren kommen. Was bindet ihn an diese Frau? Ihr Rollenspiel scheint ihm eher lästig als faszinierend. Obwohl er Vera gefügig bemuttert und alles mit ihr trägt, Rückenschmerzen wie Koloskopie, macht sie ihn, mal Zynikerin, mal Hysterikerin, in infamen Szenen fertig und betrügt ihn noch mit einem Schnösel vom Burgtheater. Aber gut erzogen, wie er ist, und voller Verantwortung für die Süchtige, steckt Nicolas auch dieses ein. Eine plausible Figur wird er dadurch nicht, und auch Vera wird nicht so interessant, daß uns die Aufzählung ihrer Blutwerte und Rezepturen oder auch das Innere ihrer Darmwand tatsächlich fesseln würden.

Elizabeth Plessen kann mit diesem neuen Roman nicht an ihre ersten beachtlichen Erfolge Mitteilungen an den Adel und Kohlhaas anknüpfen. Die Geschichte einer zweifachen Abhängigkeit, die der Klappentext verspricht, womit sowohl die Sucht als auch das symbiotische Geklammer des Paares gemeint ist, diese Geschichte kommt einfach nicht rüber. Die Figuren entwickeln nicht die notwendige Vielschichtigkeit, die Beziehung der beiden Protagonisten, der Kern des Dramas, will keine richtige Gestalt annehmen. Die Sprache ist zwar gepflegt, aber der Schilderung der fortschreitenden Selbstzerstörung nicht immer gewachsen. So überwiegt sehr bald die Ungeduld das Lesevergnügen.

Eva Leipprand






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