Jerzy Pilch

Zum starken Engel

Roman. Luchterhand, München. 283 Seiten. 20.00 EUR . ISBN: 3-630-87131-3

Menschliche Schwächen bekämpft man durch Hochprozentiges
Jerzy  Pilch: Zum starken Engel

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Für dieses Werk hat Jerzy Pilch den renommierten polnischen “Nike”- Literaturpreis erhalten, auch wenn einige seiner Landsleute nicht verstehen warum.
Man kann sich darüber streiten, ob es ein Trinkerroman, ein Liebesroman oder gar kein Roman, sondern einfach tagebuchähnliche Bekenntnisse eines Alkoholikers sind, die beim Lesen Schwindelgefühle hervorrufen, da die verschwommene Sinneswahrnehmung aus der Perspektive eines Alkoholikers nicht für jedermann Alltag ist.

Zum Glück! Denn was es heißt, im Teufelskreis zwischen unzähligen Entziehungskuren und Rückfällen zu (über-)leben, wird hier am Beispiel verschiedener Figuren vorgeführt, die große Namen wie “Der Zuckerkönig”, “Don Juan Ziobro” oder “Die Königin von Kent” tragen.

Tragisch sind diese Schicksale, doch da gibt es diesen spezifischen osteuropäischen Humor, der auf eine ganz besondere Weise mit menschlichen und allzumenschlichen Problemen umgeht.

Die Deliranten werden auf der Warschauer Entziehungsstation von Dr. Granada, den engelsgleichen Therapeutissen und dem “Therapeuten Moses, alias Ich, Der Alkohol” mühevoll umsorgt, d.h. von der Außenwelt abgeschottet und in Innere Ruhe versetzt, wenn es sein muß auch durch Androhung von Strafen.

Mit den Schwachen kann man es ja machen... Was nicht etwa heißt, dass es sich bei den Patienten in erster Linie um sozial Schwache oder geistig Zurückgebliebene handelt.
Doktoren, Professoren oder eben Autoren wie der Erzähler selbst sind die Betroffenen.

Ein spezieller Fall ist das lyrische Ich, der Schriftsteller, der im endlosen Delirium schreibt: Entweder die Gefühlstagebücher für die anderen Patienten, die mit der Aufgabe des schriftlichen Festhaltens eigener Erlebnisse und Gefühle überfordert sind, oder eben das Buch ”Zum starken Engel”, das Erinnerungen aus der Kindheit, Abhandlungen über Themen wie Mensch und Technik und insbesondere über den Alkoholismus, sei es als Philosophie, Leidenschaft oder menschliche Schwäche, enthält. Intensiv geht er auf seine Lieblingsdroge, das Schreiben ein: “Um ehrlich zu sein, glaubt mir kein Wort. Das Wort ist mein Genußmittel, meine Droge und ich habe Gefallen an der Überdosierung gefunden.”

Jerzy Pilch hat ein besonderes Spiel eingebaut, mit dem er seine Leser verwirrt und irritiert, sie aber letztendlich damit im Stich lässt. Einerseits sind autobiographische Züge immer mal wieder zu vermuten, aber dennoch wird die Einheit von Erzähler und Autor geleugnet. “Der Autor ist nicht der Erzähler und der Erzähler ist nicht der Autor...” Offen bleibt, inwieweit man dieser Aussage trauen darf und wo die Grenze zu ziehen ist.

Schön, dass es kein tragisches Ende gibt, sondern diesmal die Liebe siegt, trotz aller vorangegangenen Hoffnungslosigkeit, dem Hin- und Hergerissensein, der Selbstaufgabe, der Sauferei.
Der Einwand, dass das in der Realität nicht wahrscheinlich ist, erübrigt sich hier:
Literatur ist Literatur, Delirium ist Delirium und Leben ist Leben.

Von Eva-Maria Vogel






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