Günter Ogger

Der Boersenschwindel

Sach. C. Bertelsmann Verlag, München. ISBN: 3-570-00498-8

Günter  Ogger: Der Boersenschwindel

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Im Jahr 1637 blühte in Holland die Spekulation mit Tulpenzwiebeln. Einzelne Zwiebeln waren um das zigtausendfache im Preis geklettert - am Ende der Hausse stürzten die Preise binnen Stunden ins Bodenlose.

Eine Karikatur aus der damaligen Zeit trägt die Bildunterschrift: Darstellung des seltsamen Jahres 1637, als der eine und der andere Narr den Plan ausheckte, ohne Fähigkeit reich und ohne Verstand weise zu werden.

So ähnlich wird die Geschichte wohl auch das Jahr 2000 beurteilen: Eine beispiellose Hausse der Aktienwerte lockte 1999 und 2000 hunderttausende von neuen Aktionären auf das Parkett - heute nun herrscht Ernüchterung und Katerstimmung. Bis März 2000 stieg die Party - dann kam der Absturz.

Günter Ogger, bekannt durch Bücher wie z.B. "Nieten in Nadelstreifen" und "Das Kartell der Kassierer" beschäftigt sich etwas genauer mit dem Börsenboom des letzten Jahres und kommt schon im Buchtitel zur Sache: Der Börsenschwindel - Wie Aktionäre und Anleger für dumm verkauft werden.

Schonungslos beleuchtet er die Szene: Was ist dran am Neuen Markt. Aktie um Aktie repetiert Ogger die "Story" der Anlageberater und Marktschreier: Ricardo.de, Allgeier, Informatec, CPU, ABIT, Netlife, Pixelnet. Keine unbekannten Namen für viele Zeitgenossen. Doch man ist fassungslos, wenn man dazu liest, was wirklich an Substanzwert in den Unternehmen vorhanden ist und wieviel Kubikkilometer heiße Luft die Aktionäre letztes Jahr für Milliarden Euro gekauft haben.

Ogger mutmaßt, dass die unglaublichen Kurssteigerung bis zum März 2000 ein groß angelegter Schachzug der Finanzwirtzschaft war, um sowohl dem Otto Normal seinen Notgroschen, als auch den meist noch unerfahrenen Neureichen der "Erbengeneration" ihre frischen Millionen abzujagen.

Das Spiel scheint aufzugehen - Milliarden an Werten sind durch die Spekulation in IT- und Pharmafirmen verloren. Wie anno 1871/72, als die sogenannte Gründer-Spekulationswelle dem kleinen Mann in Deutschland sein Erspartes wegschwemmte, weil er so unvorsichtig war, es in "Actien" zu investieren.

Dazu meint Ogger: Mit verblüffender Präzision wiederholt sich zu Beginn des neuen Jahrtausends ein Verhaltensmuster, das die Wissenschaft bei früheren Generationen häufig mit Unwissenheit erklärte. Tatsächlich aber sind es wohl unveränderliche menschliche Eigenschaften wie Gier, Neid und Angst, die dem Geschehen an der Börse den Stempel aufdrücken. Und daran hat sich offenbar seit der ersten großen Spekulation der Neuzeit aus dem Jahre 1634 bis heute nicht viel geändert.

Aber Ogger macht nicht nur Verlierer aus, denn einer gewinnt bei diesem Spiel immer: Richtig - Die Bank. Und an den Beratern und Fondsverkäufern lässt er deswegen auch kein gutes Haar - Aktien mit Dartpfeilen oder mit Hilfe eines Schimpansen zum Kauf und Verkauf ausgewählt, schlagen die Ergebnisse ausgebuffter Finanzprofis um Nasenlängen - das sollte jedem, der sein sauer verdientes Geld anlegt, zu denken geben.

Viele Anleger versuchen daher ihr Risiko zu vermindern und erstehen Fonds. Das ist deshalb erstaunlich, weil gerade die Aktienfonds bei Licht besehen, miserable Ergebnisse zu enorm hohen Kosten produzieren. Denn kaum ein Fonds schaffte es, bei richtiger Berechnung, den jeweiligen Index zu übertreffen, und das bedeutet, dass die Anleger das viele Geld, das sie für den Vertrieb, das Management und die Transaktionen ihrer Fonds bezahlen mussten, umsonst ausgegeben haben. Verdient haben an den Fonds vor allem deren Besitzer, und das sind in aller Regel die Banken.

Selbstverständlich beschäftigt sich Ogger auch mit den "großen" Unternehmensgründern wie Thomas Haffa (EM.TV) oder Dietrich Walther (Gold Zack) und einer Reihe anderer illustrer Gestalten. "Aufgeblasen und abgesoffen" heißt denn auch bezeichnenderweise ein Kapitel in Oggers Buch - ein Bonmot, das sowohl zu den Unternehmensgründern passt als auch zur besoffenen Euphorie der Anleger. Viele Beispiele öffnen dem Leser die Augen und rauben dem betroffenen Aktionär die Illusionen: Die Aktien des Spielwarenhändlers Toys"R"Us werden mit einem Umsatz von 11,2 Mrd $ und einem Gewinn von 376 Millionen von den Börsianern gerade mal mit 2 Mrd $ bewertet; der drei Jahre alte Internetkonkurrent eToys dagegen mit 8 Mrd $. Seine wirtschaftlichen Zahlen dagegen sind niederschmetternd: Bei einem Jahresumsatz von 30 Mio $ erwirtschaftete das Unternehmen einen Verlust von 28,6 Mio $.

Und leider ist das kein Einzelfall, sondern eher die Regel.

Unternehmen mit guten wirtschaftlichen Meldungen werden mit Kurseinbrüchen abgestraft, denn man kauft heute nach dem Motto "Buy on rumors, sell on facts." Und die Gerüchteküche schraubt die Erwartungen der Anleger so unendlich hoch, dass die Unternehmen diese Erwartungen nicht mehr erfüllen können.

So ist Oggers Fazit zum Schluss auch eher ernüchternd: In seinem 10-Punkte-Regelwerk empfiehlt er niemandem Geld in Aktien anzulegen, der nicht mindestens 100000 DM investieren kann und dazu auch noch eine ordentliche Portion Zeit und Geduld mitbringt.

Für die Verlierer des vergangenen Jahres spendet sein Buch wenig Trost: Robert J. Shiller, US-Ökonom aus Yale, einer der bedeutensten amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler, analysierte die Aktienkurse und Crashs seit 1880 und kam zu dem vernichtenden Urteil, dass es wohl ein bis zwei Jahrzehnte dauern wird, bis der Kursverfall des Jahres 2000 wieder ausgeglichen sein wird. Möglicherweise behält er recht: Am Schwarzen Freitag 1929 verloren die Aktienkurse rund 80%, und das bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 21 zu 1. Anfang 2000 waren die Dow-Jones-Werte bereits mit dem 43fachen Jahresgewinn bewertet.

Dazu muss man nichts mehr sagen.

Manuela Haselberger © by bookinist.de






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