Achim Noellenheidt (Hg.); Bernd Muellender (Hg.)

Am Fuß der blauen Berge - Die Flimmerkiste in den

Sach. Klartext, ISBN: 3-88474-062-8

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Essen 1994 Klartext Verlag ISBN 3-88474-062-8
Mit Schirm, Charme und Monitor

Fernsehen wird schon bald ein Auslaufmedium sein, vom Internet mit Haut und Haaren gefressen. Zumindest lauten so die Prophezeiungen einiger Mediengurus, die von einem interaktiven Kommunikationsmedium mit hochselektiven Anknüpfungsmöglichkeiten träumen. Da kann das Fernsehen nicht mithalten, aber das Fernsehen der Spätmoderne hat ohnehin die Reize verloren, die das Medium in seinen jungen Jahren ausstrahlte. Die Generation der jungen Nachkriegsgucker berührte hier zum ersten Mal die weite Welt: Zwischen Laramie und Nordpol, zwischen Peterchens Mondfahrt und Flippers ultramarinen Exkursionen, zwischen Erikas Bastelstunde und Orions Weltraumabenteuer lagen nur einige Sendeminuten. In der Zeit, als die Welt so rund wurde wie die ersten Monitore, waren wir noch Gläubige des Mediums, verharrten, ohne zu zappen in Filmen, die heute nur noch Nostalgie retten kann. Behäbig und wohlgeordnet leitete sich das Fernsehen ein, als die Zuschauer noch keinen "rasenden Stillstand" kannten, der zur Kondition der spätmodernen Rezipienten wurde.

Höchst verdienstvoll sucht "die Flimmerkiste in den sechziger Jahren" diese frühe Atmosphäre der Fernsehzaunkönige zu fassen. Hier wird ein Wiedersehensfest gefeiert. Die frühen Flimmerfreunde unserer Jugend winken uns zu und Wehmut kehrt ein, wenn Hiram Holliday, John Steed und Emma Peel, Lassie, Rintintin oder Zebulon in plastischen Rekonstruktionen sich mit Erinnerungen an das frühe Fernseh-Ambiente vermischen. Vielleicht ist unser Weltbild von diesen Figuren stärker geprägt als von den realen Helden der Geschichte, die fast bläßlich gegenüber diesen frühen Medienmythen erscheinen. Ja, damals glaubten wir den TV-Argonauten noch, damals erreichte uns noch keine Ideologiekritik an der mattgrauen Welt des Scheins. Einige waren Fernsehsüchtige, die damals noch fast alles sehen konnten, weil sie noch nicht wie Laokoon verkabelt waren, andere fielen den grausamen Altersbegrenzungen der Kirchenzeitung zum Opfer, aber fast alle warteten einmütig mit dem Hasen Cäsar und der ganzen übrigen Kamarilla von belebten Stofftieren vor der familienvereinenden Glotze auf das Christkind. Die "Wilde 13" zog noch über die Augsburger Plastikfolien, Blechbüchsenarmeen rollten uns in den Sonntag nachmittag hinein und über allem schwebte die Harmonie eines Mediums, das nicht weniger Wunder war als das Wirtschaftswunder jener Tage.

Erinnerungsbücher wie das vorliegende sind deshalb so wertvoll, weil sie nicht im Modus der Analyse daherkommen, sondern auf der Suche nach der verlorenen Zeit eine Phänomenologie alltäglichster Wunder wiedererstehen lassen. Wer würde heute noch den "Kommissar" für erträglich halten? Die Redundanz der Dialoge, die Armseligkeit der Kameraführung, die Belanglosigkeit der Mimen - damals war das aufregend, was heute kaum mehr als Sedativ geeignet wäre. "It´s Bembeltime" und wer weiß noch, daß neben "Oberebbelwoi" Schenk so groteske Figuren wie "Reno Nonsens" zum Vergnügen schlichter Unterhaltungsgemüter auftraten. Die Zeiten, als Hausfrauen sich umkleideten, um Köpcke, den Nachrichtensprecher, angemessen in ihrer guten Stube zu empfangen, sind auch endgültig vorbei. Die "Flimmerkistenlektüre" belegt vor allem, wie sich Mediengläubige zu "usern" wandelten - kaum mehr bereit, flüchtige Lebenszeit als Fernsehabend zu verbringen.

Dr. Goedart Palm






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