Meja Mwangi

Die Wilderer

Krimi. Unions-Verlag, 223 Seiten. 8.90 EUR . ISBN: 3-293-20218-7

Meja  Mwangi: Die Wilderer

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Erstaunlich, dass der rasante und actionreiche Roman "Die Wilderer" des Kenianers Meja Mwangi erst 22 Jahre nach seiner Entstehung in deutscher Sprache erscheint. Der Unionsverlag macht's möglich - und die Gesellschaft zur Förderung der Literatur aus Afrika, Asien und Lateinamerika e.V., die mit der Kulturstiftung PRO HELVETIA die Übersetzung des Textes unterstützt hat. Man mag vermuten, hier wurde einem sperrigem, kaum lesbaren Text zum Durchbruch in Europa verholfen. Falsch: "Die Wilderer" ist ein brillant durchkomponierter, mit vielen Wendungen gespickter Thriller um Mafia und Elfenbein, Drogenschmuggel und Waffenschieberei. Der Roman ist auch ein Umweltthriller aus einer Zeit, als hier kaum jemand das Wort Ökologie unfallfrei buchstabieren konnte.

John Kimathi und Frank Burkell haben die Fronten gewechselt: Beide hatten sich lange Jahre in der Elefantenjagd verdingt und ließen sich nach dem Abschussverbot als Rangers anwerben. Der Schutz der bedrohten Elefanten bringt den Savanne-Cops nur noch ein Bruchteil dessen, was ihnen das Abschlachten der Dickhäuter eintrug. Schlecht ausgerüstet, zweifeln sie immer wieder am Sinn ihres Tuns. Und wie bei Cops überall auf der Welt, kennzeichnen berufsbedingte Probleme auch ihren privaten Alltag:

"Die Frau möchte einen Mann im Haus haben, jemanden zum Kuscheln, wenn die Nächte kalt sind. Wir hatten furchtbare Kräche wegen Nichtigkeiten, wir konnten einfach nicht mehr begreifen, was der andere sagte. Verdammt, wenn man sich einmal an die frische Luft gewöhnt hat, an ein Leben in der freien Natur, dann wird einem ein Haus zum Gefängnis, die Kinder werden zu Wärtern und die Frau ... zum Gefängnisdirektor."

Doch Johnny Kimathi ist des einsamen Ranger-Lebens in der Wildnis überdrüssig. Er umwirbt die junge Sofia, deren Vater einer Hochzeit aber nur zustimmt, wenn Johnny seinen gefährlichen Job als Wilderer-Jäger aufgibt. Kimathi reicht sein Abschiedsgesuch ein und übernimmt gleich nach der Heirat einen verstaubten Krämerladen in Nairobi. Und er zeigt Talent: Binnen kurzem macht er aus einem Laden voller Staub und leerer Regale ein florierendes Geschäft. Doch das beschauliche, vermeintlich sichere Kaufmannsleben in der Stadt erweist sich als trügerisch - Schutzgelderpresser plündern mit brutalen Methoden das ganze Viertel.

Al Haji - zu Deutsch "Der Pilgerer" - nennt sich ein hünenhafter Schwarzer, der vor Jahren auf der Flucht vor dem FBI New York verließ und nun Orange Estate leitet - ein riesiges Anwesen in Kenia, das mit einem Hubschrauber zu überfliegen mehrere Stunden dauert. Al Haji ist der Sachverwalter von Giuseppe Deloris aka Happy Joe, Don einer New Yorker Mafia-Familie. Witzigkeit allerdings zählt nicht zu Happy Joes vornehmsten Tugenden:

"Es ging das Gerücht, dass Happy Joe bei seinem Aufstieg an die Spitze der Familie gerne mit alten Freunden gescherzt hatte, um ihnen dann in den Mund zu schießen, wenn sie zu lachen begannen."

Al Hajis Geschäfte waren in jüngster Zeit von mehreren Misserfolgen gezeichnet. Versprochene Drogenlieferungen kamen nur mit Verspätung in den USA an. Und jüngst hatte er eine Liefergarantie für 20.000 Kilo Stoßzähne für die Unterwelt in Hongkong übernommen. Gerade mal ein Viertel der Menge konnte Haji nach Asien verschiffen, weil die Ranger seine Wilderergruppen aufrieben. Solche Fehlschläge kosten Happy Joe und den Deloris-Clan viel Geld, und - schlimmer noch - sie kosten Ansehen.
Happy Joe schickt Ricardo in die kenianische Savanne, seinen besten Soldaten. Ricardo soll ein Auge auf Hajis Unternehmungen werfen und Hajis Aktionen straffer organisieren. Vor allem im Kampf gegen die Ranger. Als sich Ricardo schließlich noch für Hajis Nebenerwerb zu interessieren beginnt, kommt es auf der Orangen-Plantage zu einer Kollision der Gangster...

Meja Mwangis Roman "Die Wilderer" ist von der ersten Seite bis zum blutigen Showdown, bei dem auch Pfeil und Bogen zum Einsatz kommen, ein spannender Thriller, in den man sich richtig schön festlesen kann. Mwangi ist eine kurzweilige Mischung aus afrikanischer Cop Novel, Gangster- und Mafia-Roman gelungen, der sich in Dramaturgie und Tempo auch vor den großen Spannungsautoren anglo-amerikanischer Provenienz nicht zu verstecken braucht. Drei vollkommen unterschiedliche Schauplätze - die Wildnis der Savanne, die Plantage und die Straßen Nairobis - in einem Roman lebendig in den Erzählstrom einzubinden, hat schon Klasse.
Mit tiefem Bedauern entnehmen wir der editorischen Notiz im Anhang, dass Mwangi der Gattung Kriminalliteratur nicht weiter treu geblieben ist.






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