Burkhard Müller-Ullrich

Medienmärchen

Sach. xxxx,

Burkhard  Müller-Ullrich: Medienmärchen

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Ja, haben wir uns denn alle an der Nase herumführen lassen? All die Skandale der letzten Jahre - Lügen? Das Waldsterben - eine Fälschung? Die unterdrückte Taslima Nasrin - eine Hochstaplerin? Kann sich denn die ganze Medienmaschine so täuschen?
Wenn man Burkhard Müller-Ullrichs Buch "Medienmärchen - Gesinnungstäter im Journalismus" glauben schenkt, kann sie. Mit bemerkenswerter Präzision analysiert der Journalist die großen Medienthemen der letzten Jahre und fördert Erstaunliches zu Tage. Das Waldsterben war danach nie ein Problem. Tschernobyl war zwar ein großer Unfall, aber selbst in der Ukraine sei kaum jemand zu Schaden gekommen. Aussagen zu Greueltaten im Golfkrieg waren danach gefälscht, Belegfotos aus dem kriegsgeschüttelten rumänischen Temesvar sowieso.
Von Fernsehberichten wollen wir gar nicht reden: Nicht erst seit Born gäbe es Fälschungen. Die meisten seien allerdings subtiler als die des Tausendsassas aus Koblenz. Der gehört nach Meinung Müller-Ullrichs noch zu den eher harmlosen Gestalten. Gehandelt hat er aus Geldgier. Mindestens genauso gefährlich sei der Fälscher aus Dummheit. Hier schreiben Journalisten mit bestem Wissen, ohne böse Absicht, aber sie recyceln unkritisch Unsinn, den Kollegen oder PR-Profis produziert haben. Am schlimmsten erscheint Müller-Ullrich die dritte Gattung der Fälscher, die Überzeugungstäter. Das seien Journalisten, die "feste Ansichten und gute Absichten" haben. Solche "Gesinnungstäter im Journalismus" meint der Freiburger bei allen großen Medienereignissen und bei allen Medien am Werk zu sehen. Von Jutta Ditfurth bis Zeit-Chef Robert Leicht, Solidaritäter macht er überall aus. Ziel dieser Legion von Gesinnungsfälschern sei es, Betroffenheit zu erzeugen und Überzeugungsarbeit zu leisten. Sie fühlten sich als Vorkämpfer der guten Welt wohl. Bei dieser Rolle sei ihnen die Wahrheit nur dann recht, wenn sie ins Konzept passe und ihr Medium sei nur Instrument zur Agitation. Journalistische Tugenden wie genaue Recherche seien dieser Spezies abhanden gekommen.
Gesinungsjournalisten würden lieber ihr Gewissen beruhigen und für wirklich oder vermeintlich Unterdrückte kämpfen, als journalistisches Handwerk abzuliefern. Belegen kann er das. Es gelingt ihm mit genauen Nachfragen und sauberer Recherche. Die Kollegenschelte, die diesen Analysen folgt, ist polemisch. Und genau hier wird der Schwachpunkt des Buches offenbar. Müller-Ullrich tut das, was er kritisiert. Auch er nutzt die Wirkung des Skandals, auch er hat eine Gesinnung, er will aufklären und überzeugen. Damit verheddert sich Müller-Ullrich in den Mechanismen der Medien. Die Frage, warum gibt es Gesinnungsjournalisten, welche Kontrollmechanismen haben versagt, wird auch bei ihm nur mit Klischees beantwortet. Somit bleibt er oberflächlich. Ob es sich um die Verquickung von Kommerz, Werbung und Medien dreht oder ob die Mechanik des Klatschs hinter Medienmärchen steht: Stets bleibt Müller-Ullrichs Analyse nur genaue Beschreibungen des Istzustandes. Trotzdem ist die bissige Medienkritik ein lesenswertes Buch. Beantwortet wird die Frage nach der besseren Medienwelt nicht, das Buch will nur Beschreibung sein. Es ist oft destruktiv, auf alle Fälle zwingt es zum Nachdenken. Deswegen gehört es ins Regal aller, die sich mit Medien beschäftigen - als Provokation.






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