Katrin Müller-Walde

Warum Jungen nicht mehr lesen und wie wir das ändern können

Sach. Campus, 239 Seiten. 19.90 EUR . ISBN: 3-593-37582-6

Ursachenforschung und Vorschläge
Katrin  Müller-Walde: Warum Jungen nicht mehr lesen und wie wir das ändern können

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Nicht erst seit Pisa wissen wir, dass die Leseunlust unserer Jugend beängstigende Formen angenommen hat. Stopp. Denn die Mädchen lesen schon noch. Die Jungen sind die Sorgenkinder der Nation, die ihre Zeit lieber vor dem PC verbringen als die Nase in ein Buch zu stecken.

Katrin Müller-Walde hat dieses Phänomen nicht nur am eigenen Sohn beobachtet. Di Grundschulzeit mag sich noch halbwegs unkompliziert gestalten, aber so mit 11, 12, 13 werden aus den meisten Knaben Lesemuffel. Ausnahmen bestätigen die Regel. Was kann man tun? Was können Eltern tun, was haben Lehrer für Möglichkeiten, die Leselust zu wecken?

Die Fernsehjournalistin betreibt zunächst Ursachenforschung. Ein Blick in das männliche und weibliche Gehirn zeigt Unterschiede: in beiden Fällen sieht das Gehirn Lesen eigentlich nicht vor. Die weibliche Art dieses Defizit zu kompensieren ist offensichtlich die bessere. Aber das Warum? Interessiert die Eltern leseunlustiger Jungen weniger. Lesen soll er. Und nach 77 einleitenden Seiten, warum das den Söhnen so schwer fällt, sind wir beim spannenden Teil angekommen: wie wir das ändern können. Müller-Waldes schlichte These lautet: „Erst kommt die Lust, dann die Bildung.“ Also: weg von der Vorstellung, wer liest, soll möglichst ein gutes Buch lesen. Der Weg zum guten Buch führt über das Machbare. Und das kann so ziemlich alles sein, was aus Buchstaben besteht. Daniel Pennac hat in seiner Leseanleitung „Wie ein Roman“ (auf die Müller-Walde ebenfalls verweist), viele der wichtigsten Regeln im Umgang mit dem Lesen schon zusammengefasst. Revolutionär neu scheint vor diesem Hintergrund so manche These nicht mehr. Trotzdem: lassen wir sie lesen. Am Bildschirm, Zeitschriften, Comics und Sachbücher. Sorgen wir dafür, dass ihnen irgendetwas am Lesen Spaß macht. Und hoffen wir, dass sie so anbeißen.

Praxisnah ist der 11-Punke-Plan aus den USA, wie die Schule die Lesemotivation von Jungen verbessern kann. Manche Vorschläge sind simpel: zum Beispiel die Variante einer PowerPoint-Präsentation, um ein Buch im Unterricht vorzustellen, denn „Jungen wollen nicht nur hören. Sie wollen technisch unterstützt sehen.“

Überhaupt: Lesen darf keine weiblich besetzte Domäne sein und bleiben. Fängt es nicht schon damit an, dass meistens die Mütter die Gute-Nacht-Geschichte vorlesen. Lesen ist nicht unmännlich. Aber das muss die männliche Jugend auch erleben und nicht nur theoretisch erklärt bekommen.

Und dann wird es wirklich spannend. Im dritten Teil gibt es 50 Lesetipps von Jungs für Jungs. In drei Altergruppen (12 - 14, 14 - 15 und 16- 18) eingeteilt gibt es Spannung, Humor und Action (auch diese Kriterien werden mit je bis zu drei Sterne bewertet) mit und ohne Tiefgang. Zu jedem Buchtipp ist auch der Leselevel (Lesemuffel, Lesebeginner, Leseratte) angegeben – ein vielleicht unkonventionelles aber durchaus hilfreiches Kriterium. Da finden wir all die Titel wieder, die wir verschlungen haben: Der Herr der Ringe, Scott O’Dells Insel der blauen Delphine, Pullmans Trilogie Der goldene Kompass, Das magische Messer und Das Bernsteinteleskop, natürlich darf auch Harry Potter nicht fehlen. Den älteren bieten wir John Grisham an (Die Schuld), Michael Moores Stupid White Men, Dieter Bohlen, Ken Follett oder Stephen King. Nicht gerade Geheimtipps, aber Bücher an deren Lektüre man sich mit Vergnügen erinnert, jedes Buch mit einer kurzen Inhaltsangabe und ein bisschen Zusatzinformation vorgestellt.

Ob es wirklich hilft? Vielleicht müssen zunächst alle Väter ihre Vorbildrolle überdenken. - Das letzte Buch? Schon lange her! Keine Zeit. - Wenn Jungen wieder lesen sollen, dann müssen wir alle etwas tun. Vorschläge dafür hat Katrin Müller-Walde nun wirklich genug geliefert, Patentrezepte gibt es keine.






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