Klaus Modick

Das Kliff

Bestseller. Schöffling, Frankfurt/Main. ISBN: 3-895-61021-6

Klaus  Modick: Das Kliff

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Klaus Modicks Roman beginnt als Vater-Sohn-Geschichte. Robert Dornum, frisch promovierter Kunsthistoriker und seit vielen Jahren in Rom südländisch eingerichtet, erhält einen Brief seines Vaters aus Hamburg. Roberts Verhältnis zum Vater ist denkbar schlecht, er macht ihn, wegen seiner Seitensprünge, für das trostlose Leben und Leiden der frühverstorbenen Mutter verantwortlich. Der Vater will nun wieder heiraten und bietet dem Sohn mit der Einladung Versöhnung an. Robert fährt hoch zum Haus in den Ostseedünen; die beiden Männer umschleichen sich, nur scheinbar friedlich, wie zwei rivalisierende Kater, bis dann doch ein falsches Wort fällt; Instinkt und Haß gewinnen die Oberhand, es kommt zum Streit, der ältere unterliegt und fällt vom Kliff in den Tod. Die junge attraktive Stiefmutter Mareike, die sich sehr schnell als geldgieriges Biest entpuppt, bietet sich dem Gewinner des Kampfes an. Gleichzeitig hat sie ihn in der Hand. Im Haus entsteht eine zwielichtig knisternde Situation, die Geschichte wird zum Psychokrimi, dessen Ausgang zu verraten der gute Ton verbietet.

Klaus Modick hat schon in seinen früheren Romanen bewiesen, daß er fesselnd, mit kompetenter Dramaturgie zu schreiben versteht. Auch hier ist der Krimiplot gut und spannend gebaut, die Schauplätze (Rom, das Haus an der Ostsee) eindrücklich geschildert, auch die psychologische Motivation ist plausibel. Wie Ödipus rächt der Sohn die beleidigte Mutter und läßt die Eifersucht am übermächtigen Vater aus. Zu spät erst erkennt er, daß seine Erinnerungen ihn betrogen haben, er hat das Schwarz-Weiß-Bild der Eltern nach seinen unbewußten Wünschen umgedichtet und zurechtgeträumt, so unschuldig war die Mutter nicht.

Wir leben ja nicht in der Wirklichkeit, ... sondern in Vorstellungen von der Wirklichkeit. Die Subjektivität der Wahrnehmung ist Thema des Romans und findet ihren Ausdruck in einer Bildersprache, die so etwas wie eine Privatmythologie sein soll. Die Schichten der Vergangenheit etwa, die Ablagerungen der Seele werden im Kliff symbolisiert. Vom Kliff hat man den Blick auf das sich stets verändernde Meer, vom Kliff stürzt aber auch der Vater in den Tod. Symbolkraft hat auch das Wasser mit seinem unklaren Fließen, dem Geschlängel unter der Oberfläche, dunklen Kräften und Trieben. Das wichtigste Bild aber ist die Meduse, die Qualle, die wie eine lichterfüllte Blume im Wasser schaukelt, jedoch strafend brennt, wenn man sich ihr nähert. In diesem Urbild des schönen Ungeheuers verschwimmen alle Frauen des Buches, die Mutter, die Geliebte, die verführerische Stiefmutter, sie werden eins in einer immer wiederkehrenden, zugleich verlockenden und zerstörenden lasziven Bewegung. Dem Mann bleibt nichts, als wie ein Nachtfalter an der Glühbirne zu verbrennen.

Auf die Stichwörter seiner Privatmythologie reagiert Robert wie an Schicksalsfäden gezogen, automatisch; seine Träume antworten wie auf Knopfdruck: eine Geste Mareikes, dazu tropfendes Wasser im Waschbecken nebenan - schon produziert das Unbewußte Quallen in Massen, und das Wort Becken füllt sich mit obszöner Doppelbedeutung. Um es klar zu sagen: diese Symbolsprache ist zu platt, zu grell, und führt zu einigen ziemlich mißglückten poetischen Höhenflügen. Klaus Modick beherrscht das Thrillerhandwerk vorzüglich; aber der Ehrgeiz, literarische Bilder zu produzieren, streut Sand ins Getriebe. Dieser unselige Drang, alles mit Bedeutung aufzuladen! Da wird sogar ein harmloser Yogurt, wenn von der Meduse gelöffelt, unheilsschwanger: Lebende Kulturen, linksdrehend. Veitstänze aus Liebe und Haß, Trieb und Tod. Sehr überzeugend dagegen sind die eingeschobenen Erinnerungen an die Kindheit, da ist die Sprache einfach und klar.

Eva Leipprand

(Rezension erschienen in: Stuttgarter Zeitung)






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