Ib Michael

Kilroy Kilroy

Bestseller. Deutscher Taschenbuch Verlag, ISBN: 3-423-24174-8

Ib  Michael: Kilroy Kilroy

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dtv, 1999, ISBN 3-423-24174-8

"Kilroy was here" - das kultträchtige Graffito der 60er Jahre, das dem US-Militär entsprungen war, zeigte eine Nase und zwei Hände, die über einen Zaun lugten. Sinn und Ursprung dieses Grafitto waren unklar, es breitete sich jedoch wie eine Epedemie aus.
Der dänische Autor Ib Michael hat diese Kult- person in seinem Roman sozusagen materialisiert. Polynesische Fischer ziehen Ende des Zweiten Weltkrieges einen halbtoten Flieger aus dem Pazifik und erwecken ihn wieder zum Leben. Doch bald stellt sich heraus, dass er sein Gedächtnis verloren hat. Als er seine Kurzzeit-Sinne wiedergewonnen hat, übernimmt er das "Kilroy"-Grafitto des verlassenen US-Stützpunktes auf der kleinen Insel mehr oder weniger zufällig als neue Identität. Sein neues Leben als polynesischer Fischer könnte glücklich sein, wenn die Amerikaner nicht zurückkämen....

Parallel zu dieser Handlung verläuft ein zweiter Strang in der Gegenwart. Eine junge Frau fährt - zu welchem Zweck auch immer - durch das heutige China mit dem vagen Ziel Tibet. Da die Chinesen Tibet wegen der Unbotmäßigkeit der Bewohner für Ausländer geschlossen haben, übt es eben deshalb einen hohen Reiz für Westler aus. Die Erzählung der Ich-Erzählerin beginnt paukenschlagartig mit einem tibetanischen Leichenbegängnis unter freiem Himmel, das nur starke Nerven ertragen. Im weiteren Verlauf der Reise durchlebt die junge Frau verwirrende und teilweise erschütternde Ereignisse und trifft dabei auf nicht identifizierbare Personen. Der Leser ahnt natürliche bereits hier den Zusammenhang mit dem zweiten Erzählstrang.
"Kilroy"  jagt derweil erinnerungslos durch die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts, erlebt die 50er - Korea-Krieg und Elvis -, die 60er - Marylin Monroe und Vietnam - und landet im Sturmschritt in der Jetztzeit, immer noch ohne Wissen um seine Identität. Durch zufällige Bekanntschaften gelangt er schließlich nach China, und den Rest kann sich der Leser zusammenreimen.
In dieser Phase kommt voll der "Tibet"-Effekt zur Geltung. Die intellektuelle Schickeria hat dieses Land in den letzten Jahren "entdeckt", vor allem, weil es schwierig ist, dorthin zu reisen. Eine Reise in das gewaltsam von den Chinesen tabuisierte Tibet gerinnt im Westen zur  Trophäe des ichbewussten Individuums.

Der Roman entwickelt sich jetzt zu einem zweitklassigen Thriller über ein "Blockbuster"- Thema. Rettet den Dalai Lama vor den Chinesen! Alle Klischees werden jetzt ausgepackt, die Tibetaner sind selbstverständlich geheimnisvoll und verfügen über die Gabe des "zweiten Gesichts" sowie über eine dem westlichen Geist (außer dem Autor) kaum zugängliche Höhe des Geistes, und schließlich endet alles in Schießereien und minütiös - und natürlich für die Helden erfolgreich - ablaufenden "Actions".
Obwohl der Roman flüssig und streckenweise packend geschrieben ist, leidet er an einigen schwerwiegenden Schwächen. Der Autor wollte die wesentlichsten Ereignisse eines halben Jahrhundert behandeln, von der ersten Atombombe bis zum heutigen Konflikt zwischen China und Tibet. Die Szenen im heutigen Tibet zeigen Kenntnis der Umgebung und wirken authentisch - Ib Michael hat diese Gegend bereist. Die Szenen im zweiten Weltkrieg klingen jedoch weniger überzeugend, da nicht persönlich erlebt. Literarisch fragwürdig ist die Vermischung der rein fiktiven Handlung des Romans mit der historischen Figur des General MacArthur, dem er en passant den heimlichen Test einer Atombombe im Pazifik vor dem ersten Abwurf in Hiroshima unterstellt. Abgesehen von der schwerwiegenden Unterstellung gegenüber einer realen Person erscheint es sehr unwahrscheinlich, dass man damals unbemerkt eine Atombombe der Hiroshima-Art zünden konnte, ohne dass irgend jemand etwas merkte. Die Insulaner ziehen zwar den bei dem missglückten Test abgestürzten Flieger (wie hat der das überlebt???)  aus dem Wasser, haben aber keine Bombenexplosion bemerkt!
Zwar sterben später eine ganze Reihe der Insulaner an eigentümlichen Krankheiten - Haarausfall, etc. - unter Qualen, nicht jedoch Kilroy, der "mitten drin" war. Offensichtlich ist er immun gegen die härtesten Gammastrahlen.

Damit jedoch nicht genug: in Tibet trifft unser Kilroy seinen alten Staffelkapitän aus jenen Tagen wieder (der auch die Explosion überlebt hat!), und zusam- men mischen sie mit alten Flugzeugen aus dem Zweiten Weltkrieg und körperlichen Glanzleistungen das chinesische Militär auf. Eine Kontrollrechnung: 1945 müssen beide mindestens 25 Jahre alt gewesen sein, da sie zu diesem Zeitpunkt angeblich schon lange Einsätze aller Art geflogen hatten. Wie alt sind dann die Recken Mitte der neunziger Jahre??

Diese Ungereimtheiten, die mühsame Verkettung zweier nicht miteinander verbundener Handlungsketten und die Elemente gängiger Polit-Thriller ("Sex and Crime") erwecken beim Leser schließlich mehr Ärger als Spannung, da kann auch der durchaus ansprechende Stil nicht mehr viel retten.

Frank Raudszus






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