Kai Meyer

Frostfeuer (Audio)

CD. Hörcompany, Hamburg. 5 Seiten. 22.90 EUR . ISBN: 3935036787

Packend: Hexenkampf und Bewährungsprobe
Kai  Meyer: Frostfeuer (Audio)

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Die junge Magierin Tamsin Spellwell hat der Schneekönigin etwas Wertvolles geklaut: einen Splitter von ihrem eisigen Herzen. Fortan schwindet die Macht der Königin – genau dies hat Tamsin bezweckt. Die Königin muss den Herzzapfen schleunigst zurückbekommen. Sie quartiert sich in St. Petersburg im Jahr 1893 ein, und Tamsin folgt ihr, um ihr den rest zu geben. Doch im Hotel am Newski-Prospekt gerät ihnen ein unscheinbares Mädchen in die Quere, das den Namen „Maus“ trägt. Und wie sich herausstellt, hat es bei diesem Showdown ein gewichtiges Wörtchen mitzureden.

Der Autor
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Kai Meyer, Jahrgang 1969, studierte Film, Philosophie und Germanistik und arbeitete als Redakteur. Er schrieb schon in jungen Jahren und lieferte u.a. ein paar Jerry-Cotton-Abenteuer. Sein erster großer Erfolg war "Die Geisterseher", eine historische "Akte X". Seit 1996 ist er freier Schriftsteller und Drehbuchautor. Bisher sind rund 40 Romane von ihm erschienen. Selbst Kritiker waren von seinem historischen Mystery-Thriller "Die Alchimistin" begeistert, später folgten "Die fließende Königin" und "Göttin der Wüste". Bei Loewe erschien mit den "Wasserläufern" ein Jugend-Fantasyzyklus. „Frostfeuer“ aus dem Jahr 2005 ist eigenständiger Jugendroman. Das Buch wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE ausgezeichnet.

Die Sprecherin
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Katharina Thalbach, geboren 1954 in Berlin, wuchs auf der Bühne auf. Schon mit vier Jahren spielte sie Kinderrollen, im Fernsehen und im Film. Nach dem Tod ihrer Mutter, der Schauspielerin Sabine Thalbach, nahm Brecht-Erbin Helene Weigel sie in ihre Obhut und bot ihr einen Meisterschülervertrag an. Mit 15 debütierte sie in Brechts "Dreigroschenoper" und wurde als Entdeckung gefeiert. Sie spielte am Berliner Ensemble und ab 1971 an der Volksbühne Berlin (Ost). Nach großen Erfolgen in der DDR wurde sie auch in der Bundesrepublik bekannt, als sie in Volker Schlöndorffs Verfilmung von Grass' "Die Blechtrommel" auftrat.

Die Figuren
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Die Schneekönigin: Zauberin und Herrscherin des Nordlandes, besteht aus Eis.
Lady Tamsin Spellwell: Zauberin. Kann sich in einen Schneeadler verwandeln. Trägt blaue Haare, einen Koffer voller Worte, einen magischen Zylinderhut und einen seltsamen Regenschirm.
Master Spellwell: Tamsins Vater. Die Schneekönigin hat ihn zu Eis erstarren lassen.
Maus: das Mädchen, das wie ein Junge aussieht, wurde 1881 im St.-Petersburger Grandhotel „Aurora“ geboren und putzt die Schuhe der Hotelgäste. Es ist 12 Jahre alt.
Julia: Maus’ Mutter, Nihilistin, 1881 verhaftet und exekutiert.
Kukuschka: Maus’ einziger Vertrauter; arbeitet als Eintänzer im Hotel.
Nikolai Iwanowitsch: Anführer einer revolutionären Gruppe von Nihilisten, Drahtzieher eines Attentats auf den Zaren Alexander II. im Jahr 1881.
Der Rundenmann: der Wachmann des Hotels, ist hinter Maus her.
Maxim: Liftjunge im Hotel; ärgert gerne Maus.
Erlen: der Junge mit den Rehaugen, der nicht sprechen kann.
Väterchen Frost: Herrscher über den russischen Winter
Rufus und Pallis Spellwell: Tamsins Geschwister. Besitzen ebenfalls magische Fähigkeiten.

Handlung
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„Wo Nacht und Norden enden, liegt über Nebeln die Feste der Schneekönigin.“ Mit diesem schönen Eingangssatz beginnt eine abenteuerreiche Handlung, die ich möglichst knapp zusammenzufassen versuche.

Der Beginn

Die Magierin Tamsin Spellwell hat der Schneekönigin einen Splitter von ihrem Herzen geklaut, welches die Königin nicht in ihrer Brust, sondern anderswo aufbewahrt hat. Wird Tamsin dies gelang, erfahren wir nicht, aber es muss schwierig gewesen sein, denn bei dieser Aktion wurde ihr Vater Master Spellwell vom tödlichen Blick der Königin getroffen und erstarrte zu Eis. Tamsin entkommt in der Gestalt eines Schneeadlers, so dass die Schergen der Königin sie nicht kriegen. Sie fliegt ins Zarenreich, wo sie sich in St. Petersburg wieder zurückverwandelt.

Dort begegnet sie Väterchen Frost, der sich über den strengen Winter beschwert und verlangt, dass Tamsin den Herzzapfen zurückbringt. Er selbst wolle ihn nicht. Der Verlust des Herzzapfens hat nämlich eine verhängnisvolle Entwicklung in Gang gesetzt. Da die Macht der Schneekönigin schwindet, kann sie nicht mehr die „Kälte des Anbeginns“ zurückhalten, so dass diese sich über die ganze Welt ausbreitet. So etwa in Gestalt dieses strengen Winters. Tamsin hat offenbar eigene Pläne, was die Zukunft der Schneekönigin betrifft. Doch eines ist klar: Sie hat dafür nicht viel Zeit.

Maus im Hotel

Maus wird von fast jedem Angehörigen des Personal im Grandhotel Aurora nur „Mädchenjunge“ genannt. Sie sieht so unscheinbar aus, und überhaupt nicht wie ein zwölfjähriges Mädchen. Maus putzt die Schuhe der Gäste und klaut ab und zu etwas Schönes. Diesmal ist es eine hübsche Brosche. Doch sie wird von Rundenmann verfolgt, dem Wachmann des Hotels. Dieser ist riesig und hat es auf sie abgesehen. Bestimmt gehört er dem kaiserlichen Geheimdienst an, denkt Maus. Doch sie kann die Brosche in einem Paar Schuhe vor der Zarensuite verstecken und so findet der Rundenmann nichts, das er Maus anhängen kann.

Das schreckliche Draußen

Sie reißt sich aus seinem Griff los und flieht. Im Fahrstuhl trifft sie auf Maxim, den 16-jährigen Liftboy. Der möchte ihr etwas geben. Einst hat Maus ihn geliebt, aber er ist arrogant und selbstsüchtig. Er lockt sie ins Männerquartier, wo man sie packt und zum Notausgang hinauswirft. Maus war noch nie in ihrem Leben im Draußen. Und nun ist es auch noch so kalt. Der Schock bringt sie beinahe um. Da reicht ihr eine nette Frau die Hand und führt sie durch die zentrale Drehtür zurück ins Hotel. Die Frau hat seltsame blaue Haare.

Der Eisenstern

Während Tamsin Spellwell eincheckt, zieht Maus sich alleine in ihr Versteck im Keller zurück. Hinter einem der Fässer des Weinkellers hat sie einen Spalt gefunden, der in einen Tunnel führt. Diesen Tunnel hat sie ausstaffiert und geschmückt, hier ist ihre Bibliothek von Märchenbüchern. Hier hat ihre Mutter Julia sie geboren. In der Mitte des Raumes erhebt sich die schwarze Silhouette des „Eisensterns“. Es handelt sich um eine große Kugel, aus der eiserne Stacheln herausstehen. Nur an einer Seite befindet sich eine kleine zugeschraubte Öffnung. Was könnte dieses ominöse Ding wohl sein? Maus hat es aufgegeben, sich das zu fragen, denn es war schon immer hier. Sie hat noch nie in ihrem kurzen Leben eine Bombe gesehen.

Die Schneekönigin

Anderntags schleicht sie zurück zur Zarensuite, um die Brosche wiederzubeschaffen. Sie ist weg, deshalb klopft Maus an der Tür. Ein Junge mit Rehaugen öffnet sie einen Spaltbreit, sagt aber kein Wort. Dann antwortet eine Frau, und es wird schlagartig kälter. Sie Dame ist sehr groß, ganz in Weiß gekleidet, mit weißblonden Haaren, und sie trägt überhaupt keinen Schmuck. Wo ist dann die Brosche? Und sie ist derartig schlau, dass sie Maus schon nach wenigen Sätzen bei einer Lüge ertappt hat.

Sie bittet Maus herein und zeigt ihr die Schuhe, die geputzt gehören. Sie weiß, dass Maus eine Diebin ist, was Maus richtig Angst macht. Aber es kommt schlimmer. Wenn Maus ihr nicht sagt, ob sie eine Fremde mit blauen Haaren gesehen hat, werde sie sie an den Wachmann ausliefern. Da gesteht Maus, dass sie so eine Dame gesehen habe. Sie sei im Hotel. Die Schneekönigin ist offenbar zufrieden mit dieser Antwort. Der Junge, der übrigens von der Königin Erlen genannt wird und wirklich nicht sprechen kann, weil er ein verwandeltes Rentier ist, führt Maus zur Tür und gibt ihr dort heimlich die Brosche zurück. Maus verlässt die Suite und lächelt: Sie hat einen Verbündeten.

Gestatten? Tamsin Spellwell

Als Maus die fremde Frau mit den blauen Haaren wiedersieht, stellt diese sich als Tamsin Spellwell vor und bittet Maus, ihre Assistentin zu sein. Sie riecht den Geruch der Schneekönigin an Maus. Schnell freunden sich die beiden an, so dass Maus ihre eigene Geschichte erzählt. Ihre Mutter Julia gehörte zu den sogenannten Nihilisten. Das waren Dissidenten, die es nicht mehr bei Worten bewenden ließen. Julias Freund Nikolai Iwanowitsch organisierte jene zwei Attentate im Jahr 1881, die den Zaren Alexander II das Leben kosteten. Doch dessen Nachfolger Alexander III sei keinen Deut besser.

Die Geheimpolizei fand Julia im Weinkellerversteck, kaum dass sie Maus zur Welt gebracht hatte, und richtete sie mit ihren Komplizen hin. Seitdem hat Maus schreckliche Angst vor jenem schrecklichen Ort, den man das „Gefängnis der Stille“ nennt. Dort gebe es den ganzen Tag keinen Laut außer dem des klagenden Windes. Da gesteht Tamsin, dass auch sie eine Diebin sei. Sie habe der Schneekönigin, die ja hier im Hotel abgestiegen sei, etwas sehr Wertvolles gestohlen und dabei ihren Vater verloren. Der Junge Erlen sei ein verzaubertes Rentier, dessen Fell die Königin gestohlen hat. Ob Maus ihn wohl gerne erlösen würde? Aber klar doch. Aber Maus heißt nicht umsonst: Sie hat furchtbare Angst.

Die Welt steht kopf

Maus schleicht sich in die Zarensuite, nachdem die Königin sie verlassen hat. Doch kaum ist sie drin, klopft auch schon der Rundemann, der Maus darin vermutet. Sie muss sich schnellstens gut verstecken. Im Schlafzimmer findet sie endlich das Rentierfell, das eigentlich Erlen gehört. Während Erlen den Wächter an der Tür aufhält, nähert sie sich dem Fell, auf dem seltsame Spiegel liegen. Sie ahnt nicht, dass es sich um einen Schutzzauber handelt. Kaum ist sie am Fell angekommen, wird sie herumgewirbelt und findet sich an der Decke sitzend wieder.

Natürlich fällt es dem Wachmann überhaupt nicht ein, ausgerechnet an der Zimmerdecke nach versteckten Gästen zu suchen. Da er Maus nicht findet, trollt er sich wieder. Aber was soll Maus machen, wenn die Schneekönigin zurückkehrt? Nur dies hat den Gegenzauber. Maus versucht, das Fenster zu öffnen. Sie zwängt sich in den Schneesturm hinaus. Doch was jetzt? Nur ein falscher Griff – und Maus fällt auf Nimmerwiedersehen in den bodenlosen Himmel…

Mein Eindruck
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Es gibt noch eine Reihe weiterer solcher Überraschungen, die auf einen gewissen Einfallsreichtum des Autors schließen lassen. Ich darf nicht mehr verraten, um die Spannung nicht zu verderben. Eine guter Einfall war es auch, die von Andersen und C.S. Lewis bekannte Schneekönigin in das vorrevolutionäre Zarenreich zu verlegen. Dadurch wird auch der erwachsene Leser angesprochen und es ergeben sich mehrere Bedeutungsebenen.

Bewährungsprobe

Die Ausgangslage ist klassisch. In der Vergangenheit hat ein Verbrechen stattgefunden, das Maus, die einsame Diebin, ausbaden darf: der Mord am Zaren durch die Komplizen ihrer Mutter Julia. Und wie sich herausstellt, haben die Anarchisten eine todbringende Erbschaft hinterlassen: eine Bombe direkt unter der Prachtstraße des Newski-Prospekts. Die Aufgabe der Heldin wider Willen besteht nun darin, die Last der Vergangenheit abzuschütteln und sich selbst zu erlösen, um schließlich Freiheit und Selbstbestimmung zu erlangen. Der Weg dorthin ist voller Fallen und Stolpersteine.

Hexenkampf

Das Hotel Aurora (Aurora [borealis] = Nordlicht) ist der Mikrokosmos, der für Maus die Welt ausmacht. Es gibt allerlei Leute, die es auf sie abgesehen haben, so etwa den finsteren Rundemann, aber auch einen Vertrauten, den Eintänzer (vulgo: Gigolo) Kukuschka, der für Maus ein Vaterersatz ist. Im dritten Akt jedoch, als sich die Hexen zoffen und dabei das Hotel (= Welt) auseinandernehmen, müssen alle ihre Masken fallen lassen und ihre Karten auf den Tisch legen. Dadurch ergeben sich für Maus einige böse Überraschungen. Die Lage spitzt sich zu, als ihr klar wird, dass sich die Geschichte des Jahres 1881 wiederholen soll, als ihre Mutter starb. Das muss sie unbedingt verhindern!

Die sieben Pforten

Doch sie ist ja auch nicht auf den Kopf gefallen, sondern entwickelt heroische Kräfte. Beispielsweise läuft sie auf die Seite der Schneekönigin über und raubt Tamsin aus ihrem magischen Zylinder den gestohlenen Herzzapfen. Dazu muss sie durch sieben magische Pforten gehen, in deren Verlauf sie ihres Körpers schichtenweise beraubt wird, sie schließlich auch die Seele verliert und nur noch der pure Wille übrigbleibt. Diese Szene ist packend beschrieben und selbst im Hörbuch hervorragend umgesetzt, denn die Sprecherin legt sich voll ins Zeug. Nun weiß der Leser bzw. Hörer, dass in Maus verborgene Kräfte schlummern, die allmählich freigesetzt werden. (Im Hörbuch wird darüber nicht reflektiert, denn man kapiert es ja auch so.)

Klugerweise verliert der Autor niemals seine Hauptfigur aus dem Blick. Es gibt fast keine Abschweifungen, und der Prolog über das Geschehen am Hof der Schneekönigin etabliert den rahmenden Hintergrund der ganzen Geschichte, in den sich Maus’ Geschichte nahtlos einfügt. Maus ist die Figur, die uns am meisten interessiert und mit der wir uns identifizieren. Deshalb verfügen wir einerseits über wachsende Kräfte, müssen aber ständig erneuten Herausforderungen begegnen. Weil der Leser bzw. Hörer aber nicht sofort über alle Kräfte und Informationen von Maus unterrichtet wird, gibt es immer wieder etwas Neues zu entdecken, so etwa den alten, abgeschlossenen Gebäudetrakt des Hotels…

Showdown

Einen Höhepunkt findet die Handlung im verlängerten Showdown, der, wie es sich von jeher gehört, an einem erhöhten Ort stattfindet: mitten in der Luft über St. Petersburg. In diesem Finale muss sich erweisen, ob Maus in der Lage ist, ihre neuen Kräfte nicht nur für sich selbst einzusetzen oder auch für andere. In diesem Fall ist das der Rentierjunge Erlen – und vielleicht auch Tamsin, aber Tamsin spielt ja ihr eigenes Spiel. Jedenfalls bleibt es spannend bis zum Schluss, und das ist einfach klasse.

Die Sprecherin
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Die Vortragsweise der Kino- und Theaterschauspielerin Katharina Thalbach („Die Blechtrommel“ u.a.) erweckt die Szenen und Szenen und Figuren zum Leben, so dass sich der Hörer schnell darin einfühlen kann. Das kommt den Erwartungen und der Aufnahmefähigkeit besonders von Kindern ab 12 Jahren entgegen. Thalbach haucht und flüstert, schreit und brüllt, brummt und knurrt, das es eine Wonne ist. Kinder haben sicher ihren Spaß daran. Und wenn die Schneekönigin spricht, läuft einem stets ein kalter Schauer über den Rücken. Dabei bleibt ihr Text dennoch jederzeit verständlich, denn sie befleißigt sich einer sehr deutlichen Aussprache. (Und diesmal gibt es auch keine vermaledeiten englischen Wörter, über die sie stolpern könnte.)

Geräusche
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Musik gibt es zwar keine, aber dafür umso mehr Geräusche, und diese tragen ebenfalls viel zur Faszination dieses Hörbuchs bei. Draußen heult der stürmische Wind, und man weiß sofort, dass der Winter regiert. Für die arme Maus ist dort kein Überleben, weshalb sie ja auch gerne im kuscheligen Keller bleibt. Dort faucht und zischt die Heizung eines Ofens.

Im Schlussdrittel geht es im Hotel Aurora drunter und drüber. Da donnert eine veritable Schneelawine nicht nur durchs Treppenhaus, sondern auch durch die Lautsprecher, dass die Wände wackeln. Ganz am Schluss findet der Showdown in luftiger Höhe auf einer Brücke aus Eis statt. Jetzt hören wir laufend den Schneeadler schreien, in den sich die gute Tamsin Spellwell verwandelt hat. Diese Schreie fuhren mir stets durch Mark und Bein. Man kann also zusammenfassend durchaus von einer dramatisch inszenierten Lesung sprechen.

Das Booklet
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Das Booklet bietet ein hilfreiches Verzeichnis der Namen und verschafft etwas Überblick über das Personal der Geschichte. Auch Informationen über den Autor und die Sprecherin sind zu finden sowie reichlich Werbung. Einen Fehler musste ich leider feststellen. Wenn die fünf CDs schon jeweils eine Lauflänge von jeweils über 70 Minuten haben, wie kommt dann der Schreiber der Angabe „Gesamtlaufzeit“ auf „5 Stunden 3 Min.“? Vielleicht hat er in Andromeda-Stunden gerechnet, die womöglich etwas länger sind. Jedenfalls komme ich bei einer Gesamtlaufzeit von 377 Minuten auf 6 Stunden und 17 Minuten.

Unterm Strich
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„Frostfeuer“ – die poetische Bezeichnung für das Nordlicht – ist ein spannender und actionreicher Jugendroman, der reich an phantastischen Elementen und phantasievollen Gestalten ist, wie sie Kinder lieben. Die geschichte spricht aber dennoch auch den erwachsenen Leser bzw. Hörer an, denn sie ist in einer turbulenten historischen Zeit angeseiedelt: im vorrevolutionären Russland des Jahres 1893, als bereits die anarchistischen Attentäter ihr Unwesen in St. Petersburg treiben. Wird es ihnen gelingen, erneut einen Anschlag auf den Zaren auszuführen, wie schon einmal 1881?

Für Maus mag diese Sache über ihren Horizont hinausgehen, aber für die Menschen in ihrer unmittelbaren Umgebung ist sie von höchster Wichtigkeit. Und schließlich war ja auch ihre Mutter Opfer der Anarchistenanschläge und somit auch Maus. Was kann sie also tun, um den Anschlag zu verhindern? Wie sich zeigt, sind es ihre im Umgang mit den Zauberinnen erworbenen Fähigkeiten, die sie das Problem lösen lassen. An diesem Maus-Punkt erweist sich die Bombenstory als mit den Märchenstory verknüpft. Wäre das nicht so, müsste man sich fragen, was denn, bitteschön, das Märchen von der Schneekönigin mit der Historie zu tun haben soll.

Wie schon bei Andersen und C.S. Lewis („Der König von Narnia“) muss sich das Mädchen der tödlichen Verlockung der Schneekönigin stellen und die Prüfung bestehen. Edmund in „Der König von Narnia“ bestand die Probe nicht und sein Herz verwandelte sich, bis es für Angelegenheiten der Menschen nicht mehr empfänglich war. Wird es Maus ebenso ergehen? Nein, denn sie will unbedingt den verzauberten Jungen Erlen erlösen – und das kann sie nur im Kampf gegen die Schneekönigin erreichen. Die Liebe steht also der Macht gegenüber – wieder einmal. Daumen drücken!

Das Hörbuch

Durch Katharina Thalbach und die vielfältigen Geräusche zieht die inszenierte Lesung den Hörer in ihren Bann – siehe oben. Weniger schön ist es, dass die fünf CDs in schnöden Papierhüllen stecken, die sich nicht mehr zukleben lassen. Andere Verlage wählen als Hülle einen stabilen Karton oder Einstecktaschen. Das funktioniert ausgezeichnet, auch wenn es ein klein wenig teurer ist. Dass man aber auch 6-CD-Hörbücher in Einstecktasche für nur 18 Euro produzieren kann, stellt der Verlag Delta Music unter Beweis. Es geht also.

Mir hat das Hörbuch – bis auf die Ausstattung – sehr gut gefallen, und deshalb vergebe ich die volle Punktzahl.

Michael Matzer © 2005ff

Info: Hörcompany 10/2005, Hamburg; 5 CDs, 377 Minuten (6 h 13 min.), EU 22,90, ISBN 3935036787.

Pro: spannend und bewegend bis zum Schluss, actionreich, märchenhaft, mit historischem Kontext, ausgezeichnet vorgetragen, viele Geräusche, informatives Booklet

Kontra: CDs nur in einfachen Papierhüllen






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