Frank Meinshausen

Das Leben ist jetzt. Neue Erzählungen aus China

Anthologie. Suhrkamp, Frankfurt/Main. 260 Seiten. 15.00 EUR . ISBN: 3-5184-1471-2

Das Schreiben ist jetzt
Frank  Meinshausen: Das Leben ist jetzt. Neue Erzählungen aus China

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Die Kurzgeschichtensammlung soll einen Überblick über die aktuellen Tendenzen in der ‘jungen’ chinesischen Literatur verschaffen. Ob sie das tatsächlich tut, sei dahingestellt. Was sie jedoch verschafft, ist ein interessanter Einblick ins Alltagsleben moderner chinesischer Großstädte.

Der Sinologe Frank Meinshausen hat eine Reise durch China unternommen, um eine Anthologie mit zeitgenössischen chinesischen Autorinnen und Autoren zusammenzustellen und die chinesische Literatur auch in Deutschland populärer zu machen, wo sie – wie er sagt – bislang „beschämend dürftig“ rezipiert wird.
Jeder fünfte Mensch auf diesem Globus ist Chinese, und wenn man unterstellt, dass die Chinesen genauso fleißig schreiben, wie es die Deutschen tun, von denen rein rechnerisch schier jeder Fünfte schon mal ein Buch publiziert hat, dann wären das… oh, mir beginnt zu schwindeln… das wäre auf alle Fälle eine ganze Fülle an Literatur, die es da zu entdecken gäbe.
Es gilt also eine Auswahl zu treffen und sich von vornherein darüber im Klaren zu sein, dass das, was Meinshausen vorstellt, eben genau das ist: eine Auswahl, eine Momentaufnahme, ein Schnappschuss. Das Leben und das Schreiben sind jetzt; insbesondere auch, weil das, was zu schreiben im Moment (der Momentaufnahme) gerade erlaubt ist, von oben bestimmt wird. Die chinesische Regierung entscheidet, wie Wang Shuo sagt, „über das Maß an Freiheit und Demokratie […], das jeder einzelne genießen darf“. Und wenn die Vorgaben heute relativ liberal sind, so könnte das bereits morgen ganz anders aussehen. Das Leben muss also jetzt sein, und das Schreiben auch.
Für die Auswahl gibt Meinshausen in einem gelehrigen Aufsatz eine Reihe von Kriterien augrund aller möglichen Motive an (seinen individuellen literarischen Herausgebergeschmack erwähnt er dabei nicht; ein Literaturwissenschaftler durch und durch…). Herausgekommen ist eine Sammlung von elf kürzeren Erzählungen von elf Autorinnen und Autoren, denen gemeinsam ist, dass sie alle nach 1959 geboren sind, dass sie aus den Megaballungszentren Peking, Shanghai und Nanjing kommen, dass sie „mehr oder minder direkt auf die veränderte Realität der chinesischen Städte Bezug nehmen“ und dass sie hierzulande größtenteils unbekannt sind.
Ganz neu ist die Einteilung auch wieder nicht; in China tragen diese (und natürlich eine ganze Reihe anderer) Schriftsteller und -innen das Etikett der ‘Neuen Generation’, der ‘Spätgeborenen’ oder der ‘Ganz neuen Leute’. Aber jedes Etikett ist ja auch schon wieder Etikettenschwindel, zumal es natürlich bei einer solchen Masse Etikettierter inhaltlich nichts aussagt.
Worum also geht es?
Die Themen sind uns nicht grundlegend neu:
Generationenkonflikte, Beziehungen und ihre Krisen, Liebe und Freundschaft, das moderne Stadtleben, Sex, Drugs & Rock’n’Roll. Die Geschichten sind leicht bis allzu leicht lesbar, tendieren zum Klischee und das Ende ist in aller Regel vorhersehbar. Aber so ist es nun mal, das Leben. Und wenn das Leben so ist, wie es ist, dann ist auch sein Spiegelbild – die Literatur – so, wie das Leben ist: Jetzt.
Wenngleich also der literarische Gehalt eher im bestenfalls mittleren Bereich liegt, so bieten die Erzählungen trotz ihrer zuweilen skurrilen und unrealistischen Handlungen in ihren beschreibenden Darstellungen von Land und Leuten ein umfassendes Bild vom chinesischen Stadtleben, und das macht die Sache interessant.
China ist, wir wissen’s aus dem Fernsehen, ein Land im Umbruch, im radikalen Umbruch: Wirtschaftlich, politisch, sozial. Wie die einzelnen Umbrechenden, Umzubrechenden oder Umgebrochenen mit dieser Entwicklung Schritt halten, davon handeln diese ‘neuen Erzählungen aus China’, und das tun sie – auch wenn es nicht eigentlich die Absicht des Herausgebers, der Autorinnen und Autoren ist – ziemlich eindrücklich.

»Ihr dichtes, kohlschwarzes Haar, ihre leicht transparente Haut. Junge Frauen, die gerade erwachsen werden, haben immer Ähnlichkeit mit duftenden Blüten von reinem Weiß: süß und zerbrechlich.«
Anni Baby: Sieben Jahre

»Der Blick aus den graugrünen Augen der Schwiegermutter drang durch die Tür, die zwischen den zwei Räumen der Wohnung einen Durchgang schaffte, und heftete sich starr an Bobos voluminöse Brüste.«
Zhao Ning: Die Problemfrau

»Vergangenen Monat hatte Wan Yi dann auf dem Friedensplatz der Stadt allen Ernstes 200 Kondome, bemalt in den verschiedensten Farben, an Passanten verteilt. Das Experiment, welches den Titel ‘Das bunte sichere Leben’ trug, war von allen seinen Aktionen die liebenswürdigste, sinnlichste und auch erotischste.«
Dai Lai: Bist du soweit?

Dieter Lohr




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