Monika Maron

Stille Zeile sechs

Roman. S. Fischer Verlag, ISBN: 3-596-11804-2

Monika  Maron: Stille Zeile sechs

Dieses Buch Freunden weiterempfehlen.

Dieses Buch kaufen bei Amazon.de

Buy Monika Maron: Stille Zeile sechs at Amazon.com (USA)

Weitere Buchbesprechungen bei Amazon.de.

ISBN 3-596-11804-2

Bereits im Roman "Die Überläuferin" drücken sich die Spannungen der Wissenschaftlerin Rosalind Polkowski mit dem System darin aus, daß ihr Körper auf ganz besondere Weise auf die gesellschaftliche verordnete, innerere Verkümmerung reagiert: Sie kann eines Morgens ihre Beine nicht mehr bewegen. In "Stille Zeile sechs" bekommt es Rosalind Polkowski mit dem alten Stasi-Funktionär Beerenbaum zu tun, dem Stereotyp eines überzeugten Kommunisten. Auf seiner Beerdigung werden bei ihr Erinnerungen an die Zeit vor seinem Tod wach, denn sie war Schreibkraft bei Beerenbaum. Er diktierte ihr seine Biographie, innere Konflikte und ständige Reflektionen bei ihr waren die Folge. Am Denkmal eines Funktionärs mitzuschreiben, hieß das nicht auch schuldig zu werden, selbst wenn sie nur Stenotypistin war? Bald wurde ihr Beerenbaum zuwider, sie wünschte ihn umzubringen konnte sich aber trotzdem nicht von ihm lösen, da er wie ihr Vater war und sie ihr Vater-Trauma nie bewältigt hatte. Schließlich konfrontierte sie den herzkranken Funktionär mit den Verbrechen seiner Vergangenheit und rechnete mit ihm ab.

Monika Maron wurde 1941 in Berlin geboren und studierte nach dem Abitur Theaterwissenschaften und Kunstgeschichte. Als Angestellte der DDR-Medien war sie dann sehr stark in die öffentliche Meinungsmaschinerie des Systems integriert. 1976 begann sie, als freiberufliche Schriftstellerin zu arbeiten. 1988 übersiedelte sie in die Bundesrepublik. Ihre seit dieser Zeit erschienen Bücher sind Auseinandersetzungen, Abrechnungen mit dem politischen System der DDR. Auch "Stille Zeile sechs" ist, wie schon "Die Überläuferin" und ihr erster Roman "Flugasche" ein Versuch, die Widersprüchlichkeiten im Alltag der DDR auszuloten. Thematisch kreist der Roman um die Reflexionen einer Stenotypistin, ihre persönliche Moral und Verantwortung, ihre Konflikte, als sie beschließt, einem Vertreter des Systems zwar die Hand zu reichen, sich ihm von ihm aber nicht korrumpieren zu lassen, was sich aber letztendlich als unauflösbarer Widerspruch entpuppt, eine Deformation der Persönlichkeit, die die Hauptfigur des Romans auch in das System hineinzieht.

Überrascht hat mich an der politischen Dimension des Buches vor allem die Lebendigkeit und metaphorische Distanz, mit der die Erstarrung des alltäglichen Lebens beschrieben wird. Es gibt sehr poetische, fast surrealistische Szenen. Vergangenheit und Gegenwart wechseln sich in den Beschreibungen ab und werden mühelos ineinander geschoben. Souverän springt die Erzählerin von einem Thema zum anderen. Dabei sind im Buch Bilder und Beschreibungen von düsterer Schärfe und außerordentlich nüchterner Kälte. So heißt es von der Hand Beerenbaums einmal, sie sei ein zitterndes Stück Fleisch oder im flackernden Licht verzerrt sich sein Gesicht für einen Moment zu einem Totenkopf.

"Stille Zeile sechs" ist ein durch und durch reflexives Buch, eine fesselnd zu lesende Fall-Studie über persönliche Schuld und uneindeutige Empfindungen im Angesicht der Macht.

Christoph Steven






Bücher neu und gebraucht
bei amazon.de

Suchbegriff:


eBay


Bücher gebraucht oder neu bei booklooker.de
Autor:
Titel:
neu
gebraucht

Ihr Kauf bei unseren Shop-Partnern sichert das Bestehen dieses Angebotes.

Danke.


Weitere Titel von und Rezensionen zu Monika Maron
Weitere Rezensionen in der Kategorie: Roman  



Partner-Shop: Amazon.de

Stille Zeile sechs Amazon.de-Shop
Monika Maron: Stille Zeile sechs

Partner-Shop: Amazon.com (USA)

Buy Monika Maron: Stille Zeile sechs at Amazon.com (USA)

carpe librum ist ein Projekt von carpe.com  und © by Sabine und Oliver Gassner, 1998ff.

Das © der Texte liegt bei den Rezensenten.   -   Wir vermitteln Texte in ihrem Auftrag.   -   librum @ carpe.com

Impressum  --  Internet-Programmierung: Martin Hönninger, Karlsruhe  --  19.06.2012