Henning Mankell

Der Mann, der lächelte

Krimi. Zsolnay Verlag, Wien. 39.80 DM . ISBN: 3-552-04991-6

Henning  Mankell: Der Mann, der lächelte

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von j. c. schmidt, www.kaliber38.de

Erstaunlich ist der große Erfolg Henning Mankells beim Publikum - völlig unverständlich ist die Wertschätzung des deutschen Feuilletons. Dass die Romane um den schwedischen Kommissar Kurt Wallander "mehr als nur spannende Krimi-Unterhaltung" seien, ist da noch eine verhaltene Einschätzung

Manche Rezensenten wollen Henning Mankell "in einem Atemzug (...) mit Krimigrößen wie Ed McBain, Georges Simenon und Sjöwall/ Wahlöö genannt" wissen. kulturnews entdeckt in seinem jüngst in Deutschland erschienenen Roman Der Mann, der lächelte "beste Qualität, dramaturgisch, psychologisch und moralisch". SPIEGEL ONLINE unterstellt dem selben Text gar eine "zärtliche Genauigkeit, mit der Mankell die seelische Befindlichkeit seines Helden nachzeichnet."
Hm.

Angetrieben von Gefühlen und Eingebungen, die jeglicher Plausibilität spotten, stolpert Wallander durch seinen Fall:
"Wallander setzte sich ins Auto, ohne den Motor anzulassen. Ein Gefühl des Unbehagens hatte ihn ergriffen. Ohne es begründen zu können, ahnte er, daß sich etwas Großes, Schwerwiegendes und Erschreckendes hinter dem Fall der toten Anwälte verbarg."

Durch einen Zufallsfund entlarvt Wallander nach mehreren Wochen einen Unfalltod als Mord. Als er im Garten der Anwalts-Sekretärin eine Mine findet, ruft Wallander nicht ein Sprengstoff-Kommando ­ Super-Kurt bringt den Sprengkörper kurzerhand mit einem gezielten Telefonbuch-Wurf zur Detonation. Eine "plötzliche Ahnung" rettet ihn davor, in seinem Auto von einer Bombe zerfetzt zu werden. Den Selbstmord eines Buchprüfers enttarnt der Kommissar als Mord, weil ein verlässlicher Revisor sein Fahrrad nicht ins Moos schmeißt, bevor er sich erhängt, sondern es ordnungsgemäß auf den Ständer stellt. Gedungenen Killern, die vor seinem Haus warten, entkommt Wallander, indem er schlicht die Hintertür benutzt. Schließlich: Entgegen jeglicher - auch in einem Kriminalroman zumutbaren - Vernunft dringt Wallander alleine ein ins Reich der Finsternis ("Ich muß diese Sache selbst in Ordnung bringen."). Der alte, träge Herr rettet sich aus auswegloser Situation, indem er zwei schwerbewaffnete Profikiller übertölpelt.
Man muss schon tief im Gedächtnis wühlen, um einen Text zu finden, in dem der Autor seiner Hauptfigur soviel Mythisch-Heldenhaftes abverlangt hätte. Der Einwand, Mankell schreibe im Grunde keine Kriminalliteratur und müsse sich daher nicht an das Gebot der Stichhaltigkeit halten, läuft ins Leere: Hätten Sie etwa jemals einen Mankell-Roman gelesen, wäre Kurt Wallander nicht Polizist, sondern Postbote? Als Polizei-Romane gelesen aber sind Mankells Bücher weder realistischer noch relevanter als die Abenteuer von Käpt'n Iglo.

Auch sprachlich ist Mankell mit seiner furztrockenen, garantiert humorresistenten Prosa voll schräger Metaphern und schiefer Bilder weit unter dem Niveau tatsächlicher Krimigrößen: Da raunt Wallander von "falscher Lebenszeit". Von dem Bild des kalt-lächelnden Mannes ist er so berauscht, dass er es seitenlang bezwingen, zerschlagen, auslöschen und weiß der Kuckuck was noch alles will. Auch mit dem Bild der gesichtslosen Männer, die immer dräuend im Schatten stehen, strapaziert Mankell die Nerven seiner Leser. Aber wenn ihn die Muse mal so richtig in den Arm genommen hat, dann werden wir mit folgendem Erguss belohnt: "Die Masten der Straßenbeleuchtung bogen sich, als zerrten gefangene Tiere an Käfigstäben."

Henning Mankell ist besonders dann hoffnungslos überfordert, wenn es spannend werden soll. Gerät Wallander in augenscheinlich tödliche Gefahr, vertraut Mankell nicht darauf, dass der Leser in Angstschweiß ausbricht, sondern erläutert die Gefühle seines Helden: "Er war nahe daran, in Panik zu geraten und die Beherrschung zu verlieren." Unmittelbar vor Wallanders drohender Exekution: "Wallander spürte, wie die Angst wieder von ihm Besitz ergriff, kälter und drohender als zuvor. Die ganze Situation war unmöglich. Er mußte aus dem Schloß fliehen, bevor es zu spät war."

Mankell produziert Kriminalliteratur für Leute, die sonst keine Kriminalliteratur lesen, weil diese ihnen zu schmuddelig ist. "Ein Schundroman für die gebildeten Stände" ­ so der Untertitel eines Romans der Autorin Simone Borowiak. Nirgendwo passte er besser als unter die Romane Henning Mankells. Das ist sprachlich aufgeblasene Trivialliteratur und hat im Feuilleton nichts verloren.






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