Peter lober

Verbindlichkeiten

Lyrik. INFO, 72 Seiten. ISBN: 3-881-90138-8

Peter  lober: Verbindlichkeiten

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Peter Lober starb 1994 im Alter von 51 Jahren. Zu Lebzeiten hat er nur drei schmale Gedichtbände veröffentlicht - „Verbindlichkeiten“ war der zweite. Er hielt sich vom Literaturbetrieb fern, Texte waren ihm wichtiger, und an seinen wütenden und leisen Gedichten arbeitete er hart, lange und unauffällig. Mit seiner Sprache versucht er, „die Väter/und die Welt/zu zertrümmern...“; die Väter, die „Nützliches pflichtbewußt getan, Kinder großgezogen, immer gearbeitet“ haben. Seine Wut richtete sich gegen die Mittelmäßigkeit, die Heuchelei, „die Zeit- und Zechgenossen, die nichts gelten lassen als ihre säkularisierten Heiligenbildchen“, gegen „alle, die mich beschissen haben“. Die Wut mischt sich mit verzweifeltem Spott: „Laßt fahren die Winde/hängt die Gesäße in die Lüfte und in den Vollmond./ Küßt die Wundränder an den Nagelbetten/kaut weiterhin Eure Finger- und Fußnägel/ und Reformhaus-Buletten.“ Doch Lober war auch ein sensibler Beobachter und Zuhörer seiner Mitmenschen. Einigen hatte er Gedichte gewidmet, in vielen Fällen Künstlerkollegen. Es sind Nach-Gedanken zu Gesprächen, Widmungen ihrer Arbeit, alles andere als „Bücklinge“. Wenn Lober einen „Weiteren Zwischenbericht an Harald Hurst“ schreibt, dann spricht er auch von sich selbst: „Viel geredet, ohne etwas zu sagen/ viel Freude am Geräusch,/ viel geprahlt und geschwätzt/ Diesem Talent dann letztlich/ doch zu wenig Raum gegeben/und kein Oevre zustande gebracht.“ Am schönsten sind die kurzen, lakonischen Gedichte, einige davon hat er seinem sieben Jahre vor ihm verstorbenen Künsterfreund Peter Burger gewidmet, eines beschäftigt sich mit einem jüdischen Friedhof, andere mit Heimat und Liebe - in diesem Band verblüffen die Kontraste zwischen den leisen, wehmütigen Tönen und dem lauten Wüten. Einer der besten Texte sei vollständig zitiert:

Beiläufiges Gespräch mit Compagno Lucca auf einem Fest in der Toscana

Seine Stunden, erzählt er,
verliefen fast eintönig,
wirkliche Festtage
gäbe es selten.
Am Rauhreif im Frühjahr
bemerke er mehr
die Kälte als die Schönheit.
Auch im Herbst
denke er mehr
an die Ernte,
als an die Landschaft.
Bunte Blätten fielen
jedes Jahr wieder.
An den Abenden nähme
seine Müdigkeit
immer mehr zu.
Die Wohnung sei beinahe
zu groß geworden für
ihn la Mamma,
seit die meisten Kinder
das Haus verlassen hätten.
Morgens fiele ihm
das Rasieren schwer.

Nur auf den Festen,
den richtigen Festen
mit den Genossen
von damals und heute,
auf diesen Festen
feiere er mit
bis zum Ende.

Kurz vor seinem Tod merkte Lober an, das Gedicht wäre noch besser, hätte er es in direkter Rede geschrieben. Matthias Kehle

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