Friedrich Laun

Die Totenbraut (Audio)

CD. Titania-Medien, Leverkusen. 7.99 EUR . ISBN: 3-937273-12-3

Mehr Schein als Sein: Drama des Treulosen
Friedrich  Laun: Die Totenbraut (Audio)

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1810 auf Burg Globoda: Der Duca di Marino wirbt um Libussa, die schöne Tochter der Contessa Globoda. Er behauptet, sich in Paris in sie verliebt zu haben. Überrascht erfährt er, dass Libussa seit einem Jahr nicht mehr verlassen hat. Die Erwähnung eines Muttermals, das er auf dem Nacken der Fremden in Paris sah, verweist zudem auf die Zwillingsschwester der Braut. Diese ruht jedoch seit sechs Monaten in der Familiengruft… (Verlagsinfo) Gemäß dem Motto der Geschichte „überwinden Liebe und Hass die Schranken des Todes“. Das lässt nichts Gutes ahnen.

Der Autor
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Friedrich Laun (d. i. Friedrich August Schulze) lebte von 1770-1849. Seine Memoiren erschienen im Jahr 1837. Besonderen Dank schuldet ihm die deutsche Operngeschichte für sein mit Johann A. Apel geschriebenen "Gespensterbuch" (420 Seiten, 1991; ISBN 3746600774) aus dem Jahr 1810, denn darin findet sich die Inspiration für Carl Maria von Webers Oper "Der Freischütz" (ca. 1820). Apel und Laun dienten wiederum die "Unterredungen von dem Reiche der Geister zwischen Andrenio und Pneumatophilo", 1730 in Leipzig erschienen, als Hauptquelle. Daher rührt wohl auch der ausgeprägte italienische Hintergrund der Erzählung "Die Totenbraut".

Die Sprecher & Macher
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Der besondere Reiz der Phantastikreihe bei Titania Medien liegt darin, dass hier vor allem Sprecher zum Einsatz kommen, die wir mit bekannten Hollywoodstimmen verbinden. So kennen wir beispielsweise Friedhelm Ptok lediglich als die Stimme von Senator Palpatine in „Star Wars“, also von dessen Darsteller Ian McDiarmid.

Marchese di Mantua: Friedhelm Ptok (s.o.)
Contessa Globoda: Monica Bielenstein (dt. Stimme von Emma Thompson)
Comtesse Libussa: Janina Sachau (Max-Ophüls-Preisträgerin)
Duca di Marino & Filippo (in Rückblende): Matthias Deutelmoser (dt. Stimme von Orlando Bloom)
Filippos Vater: Christian Rode (Sean Connery)
Klara: Evelyn Maron (Ornella Muti)
Priester: David Nathan (Johnny Depp u.v.a.)

Das Skript für das Hörspiel stammt wie in der ganzen Reihe von Marc Gruppe. Zusammen mit Stephan Bosenius führte er auch Regie und produzierte das Hörbuch. Der gute Sound stammt von AudioCue & Kazuya und wurde von Kazuya c/o Bionic Beats abgemischt.

Handlung
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Der Marchese di Mantua, unser Gewährsmann, besucht die Burg seines Freundes, des Grafen Viktor Globoda. Der Sommer ist heiß, die Kutschfahrt mühselig, und daher ist er froh, als der weitgereiste Diplomat endlich in der Burg anlangt und freundlich empfangen wird. Doch zu seinem Kummer ist sein Freund vor einem halben Jahr gestorben, und zwar nicht allein, sondern erst als eine seiner zwei Töchter, Hildegarde, nach einer Krankheit ebenfalls das Zeitliche gesegnet hatte. Doch der herzliche Empfang durch die Contessa und der Anblick der hübschen Libussa, Hildegardes Zwillingsschwester, entschädigen den Marchese für die traurigen Nachrichten.

Die Contessa vertraut ihm an, sie wolle Libussa möglichst bald verheiraten. Doch das Mädchen wolle nicht weg, sondern huldige vielmehr einem seltsamen Totenkult, genau wie ihr Vater. Da erklingen Schreie aus der Burgkapelle: Der so genannte „Burgkaplan“ geht um und liest angeblich Totenmessen. Ein weiteres Gespenst aus alten Zeiten macht die Gemäuer unsicher: die „Totenbraut“, die im 15. Jahrhundert gegenüber einem Geliebten treulos war und dafür auf ewig büßen muss.

Am nächsten Tag macht der junge Duca di Marino, der aus Venedig angereist ist, den Damen seine Aufwartung, alldieweil er um Libussas Hand anzuhalten gedenkt. Seine Ankunft wirft weitere Fragen auf. Am Burgtor begrüßte ihn die Stimme eines Unsichtbaren mit den Worten „Frederico di Marino, wilkommen!“ Und der Marchese, der den Duca gut kennt, wundert sich, dass dieser auf Freiersfüßen wandelt, schließlich habe er sich noch vor kurzem mit einer gewissen Apollonia verlobt, oder nicht? Der Duca bekniet den Marchese, darüber absolutes Stillschweigen zu wahren, und aus Freundschaft lässt sich der Marchese breitschlagen. Das soll er später bitter bereuen.

Der Merkwürdigkeiten sind es noch nicht genug. Die Contessa und Libussa würden die Werbung des Duca allzu gerne annehmen, gäbe es da nicht eine winzige Unstimmigkeit. In einer Pariser Gemäldegalerie habe er sich in eine Schöne verliebt, auf deren Nacken er ein markantes Muttermal gesehen habe. Er beschreibt es, und es stellt sich heraus, dass er Hildegarde beschreibt – doch die ist ja schon ein halbes Jahr tot. Oder?

Es wird Nacht, und ein Sturm bricht los. Genau das richtige Wetter, um in der Familiengruft mal nachzusehen, ob sich die Toten noch in ihrem zugewiesenen Sarg befinden – und nicht etwa als Burgkaplan oder Totenbraut verkleidet umherwandeln. Der Marchese muss selbstverständlich die Contessa auf dieser gruseligen Expedition in die Gruft beschützen. Los geht’s!

Mein Eindruck
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Meine Inhaltsangabe mag den Eindruck vermitteln, hier handle es sich um eine 08/15-Gespensterstory aus der zweiten Reihe, doch weit gefehlt: Der Autor hat viel mehr drauf, als berühmte Vorbilder abzukupfern. Zunächst einmal treten „Burgkaplan“ und „Totenbraut“ gar nicht als Problem auf. Wie denn auch? Schließlich geht es ja um das Schicksal der Familie Globoda und dieses befindet sich wegen Libussas Verlobung mit dem Duca gerade an einem Wendepunkt.

Das Problem ist natürlich die Untreue des Duca, die ja schon der Marchese bemerkt hat. Und da die „Totenbraut“ ebenfalls ein Problem mit der Treue hatte, ist dies das Generalthema der Geschichte. Doch zu welchem Ende wird die Sünde des Duca führen? Das ist die spannende Frage, und bevor wir die Antwort erhalten, muss der Marchese eine Warnung aussprechen. Da er aber Stillschweigen gelobt hat, muss er den indirekten Weg gehen: Er erzählt den Damen Globoda und dem Duca eine reichlich unheimliche Story über das Schicksal eines gewissen Filippo aus Venedig (von dort stammt auch der Duca), der seiner Clara untreu wird. Sie jedoch weiß sich zu rächen. Natürlich genau dann, wenn sie am meisten Schaden anrichten kann.

Die Geschichte in der Geschichte verfehlt ihre warnende Wirkung leider völlig. Der Duca und Libussa verloben sich trotz der offensichtlichen Warnung, die Nacht der Hochzeit ist da, alles feiert – da ereignen sich höchst merkwürdige Dinge, die zu registrieren dem Marchese zunächst schwerfällt, vielleicht wegen seines Alters. Doch dies könnte dem aufgewecktesten Christenmenschen passieren: Die Geister der Vergangenheit sehen nämlich genauso aus wie echte Menschen…

Dementsprechend aufmerksam heißt es auch für den Zuhörer aufzupassen, was denn gerade passiert, aus welchem Grund und mit welcher Hauptfigur. Der Marchese ist zwar unser Chronist, aber das heißt ja nicht, dass er die Ereignisse ins Rollen bringt. Wird es gelingen, einen weiteren Fall von Untreue zu verhindern? Das ist die Frage. Nicht jeden Zeitgenossen interessiert die Frage brennend – zu irrelevant scheint sie zu sein. Doch wenn man bedenkt, dass die meisten Verbrechen, die aus Leidenschaft begangen werden, gerade darauf zurückzuführen sind, könnte das Interesse ein wenig größer sein, ganz besonders seitens der Damen.

Die Sprecher
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Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen. Sie machen ihren Job in hervorragender und glaubwürdiger Weise.

Ich sage aber nicht ohne Grund „zumeist“. Denn Matthias Deutelmoser, die deutsche Synchronstimme von Orlando Bloom, ist ja nicht gerade ein alter Hase im Audio-Geschäft, auch wenn er sicherlich schon ein paar Jahre (seit ca. 1999) mit größtem Erfolg Bloom synchronisiert. Nun will Deutelmosers relativ sanfte Stimme nicht so recht zum Bild des treulosen Frauenhelden passen, aber das ist natürlich ein völlig subjektiver Eindruck. Vielleicht sind ja Don Juans mit tiefen Bassstimmen inzwischen absolut mega-out. Man kann ja offenbar auch als geschlechtsloser Elf zum Sexsymbol werden, wie die Premierenparaden in Wellington, Neuseeland, gezeigt haben. (Das ist nachzulesen bei Andy Serkis und bei Sean Astin in ihren jeweiligen biografischen Büchern, über die ich meine Meinung kundgetan habe.)

**Geräusche: Was die Kiste hergibt

Der Tonmeister hat alles, aber wirklich alles getan, um dem Geschehen den Eindruck von Realismus zu verleihen: Wir hören sogar die Kleider rascheln, wenn sich Gräfin Globoda durch die Räume ihrer Burg bewegt. Von den Schritten und Atemzügen der anderen ganz zu schweigen. Türen quietschen, ja sogar die Bodendielen in dem alten Gemäuer. Dann das Gewitter: Donner mit Hall, Wind mit Zischen und allem, was dazu gehört.

Vor diesem echten Hintergrund erst wirken die Gespenster von Burgkaplan und Totenbraut so wider- und unnatürlich, dass die entsetzte Reaktion der Beobachter darauf glaubwürdig erscheint. Doch als die Gespenster sich am Schluss über Duca di Marino hermachen, verdeckt die realistische Geräuschkulisse mehr, als dass sie enthüllt. Der Zuhörer darf sich dadurch nicht täuschen lassen: Diesen Gespenstern ist es blutiger Ernst.

**Musik: hart am Klischee vorbei

Was die sinfonisch angelegte Musik angeht, so hält sie sich meist zurück, aber es gibt ein paar Stellen, an denen sie wirklich dick aufgetragen wird. Diese Stellen lassen sich leicht daran erkennen, dass ein sehr bekanntes Motiv aus der Peer Gynt Suite“ von Edvard Grieg angestimmt wird: „Solveigs Lied“. Solveig ist die Freundin von Peer Gynt. Natürlich geht es um Treue und das unmögliche Einhalten derselben., das ist ja das Generalthema des Stücks.

Leider ist „Solveigs Lied“ geradezu ein Schlager der klassischen Musik, der auf sämtlichen Samplern an Beruhigungs-, Wellness- und Einschlafmusik nicht fehlen darf. (Ich habe selbst so eine CD.) Daher ist dieses Stück mittlerweile zu einem Klischee geworden, dessen Benutzung dem Stück nicht besonders gut ansteht, weil der Hörer meinen könnte, hier werde nur etwas behauptet, was gar nicht zutrifft. Ob diese Wirkung eintritt, ist abhängig von der Bekanntheit des Motivs beim Hörer. Handelt es sich um einen Jugendlichen, ist es eher unwahrscheinlich (aber keineswegs unmöglich) , dass er „Solveigs Lied“ als Ohrwurm der Klassik kennt. Da kann man dem „Komponisten“ bzw. Tonmeister nur die Daumen drücken.

Unterm Strich
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Das Hörspiel bietet wie ein Gruselfilm eine sich steigernde Abfolge horrormäßiger Szenen. Dabei kann es mitunter recht handgreiflich zugehen, was die Action angeht. Daher ist die Produktion von ihren Machern erst ab 14 Jahren empfohlen. Das kann ich bei „Die Totenbraut“ überhaupt nicht nachvollziehen. Denn die Handlung zieht sich eine ganze Weile hin, ohne dass irgendetwas passiert, was nach Action aussieht. Auch in der eingeschobenen Warnungsstory des Marchese kommt keine Gewalt vor. Diese ist ausschließlich dem gruseligen Finale vorbehalten.

Man sieht also, dass diese Folge des „Grusel-Kabinetts“ vor allem von Stimmung und Atmosphäre lebt, von unheimlichen, widernatürlichen Mysterien, die sich in ihrer Wirkung zu hoher Spannung addieren mögen, doch erst ganz am Schluss eine (Er-) Lösung finden. Erst dann kann sich der Hörer entspannt zurücksinken lassen.

Über den Einsatz des Sprechers Deutelmoser und des musikalischen Solveig-Motiv habe ich mich bereits skeptisch ausgelassen. Das Thema der Treulosigkeit reißt auch nicht unbedingt vom Hocker. Alles in allem passt das Stück zwar in die Audio-Reihe, bildet aber nicht unbedingt ein Highlight oder gar Schmuckstück. Das träge eher auf die Produktion „Das verfluchte Haus“ nach Edward Bulwer-Lytton zu, das völlig anders aufgezogen ist.

Michael Matzer © 2005ff

Info: Titania Medien 09/2005, Leverkusen; 1 CDs, über 68 Minuten, EU 7,99, ISBN 3-937273-12-3

Pro: mäßig, spannend, unheimlich, sehr stimmungsvoll, gute Sprecher/Musik/Geräusche/Sounds
Kontra: Sprecher Deutelmoser, Musikeinsatz, kaum Action, entspricht nicht FSK 14, keine Autoreninfo






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