Jochen Laabs

Späte Reise

Roman. Steidl, Göttingen. 605 Seiten. 22.00 EUR . ISBN: 3-86521-246-8

Jochen  Laabs: Späte Reise

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"Späte Reise" ist die Geschichte eines Kulturschocks. Der Ich-Erzähler, ein Mann im mittleren Alter, reist nämlich nach dem Fall der Mauer erstmals in den Westen, und zwar gleich in die USA. Er versucht zunächst, die neue Welt regelrecht in sich aufzusaugen. Schon beim Anflug auf New York beobachtet er, als sitze er im Kino, "vom Lächeln der Platzanweiser und einer Stimme aus dem Off empfangen."
Von klein auf hat der Erzähler davon geträumt, die Welt zu erforschen. Von Geografie besessen reiste der in der DDR eingesperrte junge Mann jedoch vornehmlich mit dem Finger auf der Landkarte. Abwechselnd schildert Laabs Szenen aus den USA und der Vergangenheit der DDR, wo er sich wenigsten Schritt für Schritt innerhalb des Eisernen Vorhanges bewegt. Als Straßenbahn-Ingenieur entwickelt er eine Zahlbox und reist erst in die Städte seines Heimatlandes, dann weiter in die Tschechoslowakei und nach Ungarn, um sich mit Kollegen auszutauschen - man schummelt sich mit kleinen Tricks durchs Leben in der sozialistischen Mangelwirtschaft. In die USA eingeladen wird der Held nach dem Fall der Mauer. Laabs verschafft sich mit diesem Kunstgriff Distanz zum oft erzählten historischen Geschehen in Deutschland. Als Gastdozent zieht der Erzähler von Universität zu Universität, um in holprigem Englisch über die Ereignisse in seiner Heimat zu berichten. Anfangs ist die Begeisterung für Amerika groß: Der Überfluss, die Dimensionen der Autos und der Landschaften, die ballonförmigen Kaffeekannen und die Herzlichkeit der Menschen überwältigen den Weitgereisten. Zunehmend entfremdet er sich jedoch von seinen Gastfamilien und fühlt sich bei seinem "geographischen Seitensprung" als Fremdkörper; zunehmend wünscht er sich nur eines: Ein einfacher Tourist zu sein. Die Begeisterung weicht einer Skepsis: Immer monströser erscheinen ihm die USA, zumal der erste Irak-Krieg herauf beschworen wird.
Jochen Laabs beschreibt die Stationen der "späten Reise" in die weite Welt detailreich, präzise und ausschweifend, von Lakonie keine Spur. Es sind die reizvollen Kontraste zwischen dem tristen Alltag in der DDR, die gelegentlich ein wenig verklärt wird, und den Vereinigten Staaten, die den 600-Seiten-Roman so spannend machen. Der 69-jährige Autor schöpft aus dem prallen Leben, einschließlich kleinen Liebesgeschichten, Seitensprüngen, einer Beinahe-Katastrophe mit einer Straßenbahn und einem merkwürdigen Initiatonsfest der Navajo-Indianer. Matthias Kehle






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