Jaromir Konecny

Mährische Rhapsodie

Roman. ARIEL VERLAG, ISBN: 3-930148-12-9

Jaromir  Konecny: Mährische Rhapsodie

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Roman ist ein Loser. Ständig bezieht er Prügel. Mal von den Vertretern eines ungeliebten politischen Systems, ein anderes Mal von den Frauen im speziellen oder auch dem Leben im allgemeinen. Kurzum: Roman ist einem auf Anhieb verdammt sympathisch.

Jaromir Konecny, Jahrgang 1956, ist Schöpfer und gleichzeitig alter ego der Romanfigur Roman. Im Literatur-Underground hat sich der Münchner bereits ein Namen gemacht, Besuchern des Poetry-Slams im Substanz dürften die "Klogeschichten" des gebürtigen Tschechen ein Begriff sein. 1996 beschrieb Konecny in seinem Erzählband "Zurück nach Europa" die tragikomische Odyssee eines Sozialismus-Flüchtlings. Sein neues, zweites Buch "Mährische Rhapsodie" (Ariel Verlag Essen, 21 Mark) bietet einen Rückblick auf das Erwachsenwerden im real existierenden Sozialismus Anfang der achtziger Jahre.

Auf den ersten Blick handelt es sich bei der "Mährischen Rhapsodie" um einen einfach gestrickten Liebesroman: Jugendlicher Protagonist namens Roman, Geliebte namens Amelie. Irrungen und Wirrungen samt süß-saurem Happy-End im Epilog. Aus dem Rahmen fällt das Buch aber bereits durch seine krude Sprache und die alles andere als zurückhaltende Darstellung der Erlebnisse des Ich-Erzählers. Für manch einen Verlag war dies Grund genug, Konecnys Manuskript abzulehnen. Die feinfühlig-ironischen Beschreibungen des tschechischen Alltags - wunderbar die immer wiederkehrenden Zitate aus dem tumben Arbeiterblättchen Rudé právo - wurden dabei übersehen. "Der Sozialismus war nun einmal oft auf Suff und Kopulation reduziert", erklärt sich der Autor, "ein Buch ohne diese Zutaten wäre wie ein Krimi ohne Morde".

Die politisch-historische Dimension ist es, die Konecnys Roman als Diamant aus dem Haufen von Kieselsteinen, der sich Slam- oder Trash-Literatur nennt, hervorscheinen läßt. Wo andere Autoren aus der Underground-Ecke mit dem Griff in die Schmuddelkiste mangelndes schrift-stellerisches Talent zu verbergen suchen, ist der flapsige Ton in den Geschichten Konecnys Methode. Zwischen den Zeilen läßt sich unschwer erkennen, daß der Autor sehr wohl "hohe" Literatur produzieren könnte, wenn er nur wollte. Aber er will nicht, und das ist gut so. Langweilige Bücher gibt es genug.

"Wenn du eine Geschichte erzählst, ist sie Wirklichkeit", sagt das Mädchen Marcela, dem Roman auf einer Zugfahrt seine tragikomischen Erlebnisse schildert. "Mann, sei dankbar für dein Unglück! Sonst hättest du doch nichts zu erzählen", stellt Roman im Selbstgespräch fest. Beides Verweise auf die autobiographischen Züge des Werkes, die Authentizität, auf die Konecny so viel Wert legt?

Die bewegte Vita des Autors würde in der Tat manch Kerouacschem Helden zum Ruhme gereichen: Als langhaariger Ostblock-Rocker schuftete Konecny in einer Stahlhütte in Ostrava, auf einem Elbschiff und als Gastarbeiter in Libyen. Dann, 1982, Emigration nach Westdeutschland, ein Jahr Sammellager in Niederbayern (in "Zurück nach Europa" beschrieben). Heute ist Konecny promoviert und arbeitet als Chemiker an der Münchner TU.

Brüche sind es auch, die Konecnys Art zu schreiben durchziehen: Im einen Moment wird eine Sauforgie en detail beschrieben, im nächsten seitenweise Heine zitiert. Aus seiner Liebe zum geschriebenen Wort und seinen Vorbildern macht der Autor keinen Hehl, immer wieder tauchen die Werke von Henry Miller oder Bohumil Hrabal wie zufällig in den Händen der Romanfiguren auf. Einmal heißt es gar: "Was bedeutet schon Liebe, wenn du in der Ledertasche den Wendekreis des Krebses trägst".

Details wie die Selbstreflexionen des Romanhelden: "Saufen wir, weil die Roten über uns herrschen, oder herrschen die Roten über uns, weil wir saufen?", sind es, die die Lektüre der "Mährischen Rhapsodie" spannend machen. Nicht spannend, wie einen Abenteuerroman, sondern spannend wie die kleinen Absurditäten des Alltags. Und gleichzeitig auch gemütlich, gemütlich wie ein Abend in der Stammkneipe.

(Markus Walter)

Erstveröffentlichung in der Süddeutschen Zeitung, Ressort Münchner Kultur am 5. August 1998. Der Text erschien in geringfügig abgeänderter Form.

 

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