Bergdoldt Klaus

Leib und Seele

Sach. C.H. Beck Verlag, 389 Seiten. ISBN: 3-406-45426-7

Bergdoldt  Klaus: Leib und Seele

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"Es ist bedenklich, ja deprimierend zu sehen, wie einfachste diätetische Grundsätze wie Maßhalten, Harmoniestreben, Entspannung oder Regelmäßigkeit der Lebensgestaltung – nicht zuletzt zum Nachteil der Gesellschaft – in Vergessenheit geraten sind". Mit dieser Diagnose stellt der Autor den meisten seiner Kollegen in der modernen Medizin ein schlechtes Zeugnis aus – zugleich aber auch der Mehrheit der ach so aufgeklärten, mündigen Patienten. Denn Hand aufs Herz: Wie viele von uns verwechseln eine gesunde Ernährung mit der ständigen Jagd nach immer neuen Diäten? Wir reden von Fitneß und betreiben oft einen kurzsichtigen Kult mit Schönheit und Körperkraft. Im Namen des medizinischen Fortschritts vergessen wir die Seele, für die hohen Ziele der Gesundheit machen wir uns krank mit Gängelei, Vorschriften ohne Ende und dem Verzicht auf Lebensfreude. Den Fehler haben uns schon einige der sogenannten "Gesundheitsphilosophen" im antiken Griechenland und Rom vorgemacht. Es geht auch anders, lautet die frohe Kunde.

Und ihr Urheber weiß, wovon er spricht. Klaus Bergdolt hat einen Doktor in Medizin und einen zweiten als Historiker. Seit 1995 ist er Professor für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Köln. Sein letztes Werk, "Der schwarze Tod", ist der großen Pest und dem Ende des Mittelalters gewidmet. Sein neues Buch ruft 5000 Jahre Geschichte zum Zeugen dafür an, daß unser Wohlbefinden zugleich eine Sache von Leib und Seele ist.

Am Anfang steht Ludwig Börnes Satz "Es gibt tausend Krankheiten, aber nur eine Gesundheit". Richtig zu leben, das Beste herauszuholen, das war im alten Ägypten, Mesopotamien und Persien schon eine Kunst, die viel mit Lebensweisheit zu tun hatte – und ebenso in der griechischen und römischen Antike, im Mittelalter, zur Zeit der Aufklärung oder zu Beginn der naturwissenschaftlich-technisch geprägten Medizin im 19. Jahrhundert. Doch alle Apparate und Therapien, alle Mittel und Mittelchen haben bis heute nichts daran geändert, daß eben nicht dieses unselige Entweder-Oder gilt: Krank-Sein oder Gesund-Sein.

In Wirklichkeit erleben wir eher ein recht labiles und subjektives Gleichgewicht des relativen Wohlbefindens, dem ich Rechnung trage, wenn ich auf die Frage nach dem Befinden antworte: Danke, den Umständen entsprechend gut. Ob ich es wahrhaben will oder nicht: Die Seele ist immer beteiligt. Mein Zustand ist ja nicht bloß die Folge äußerer Einwirkungen, sondern auch die Summe einer Unzahl von Wechselwirkungen zwischen Leib und Seele, die gewöhnlich mit dem schwammigen Begriff "psychosomatisch" umschrieben werden. Man spürt das Unbehagen des Autors daran, daß unsere heutige Sicht die Gesundheit immer noch weitgehend auf eine technische Größe reduziert und "Eigenverantwortung" nur aufs Bezahlen bezieht. Zu kurz kommen dabei Tugend und Moral.

Dabei stellt Gesundheit seit grauer Vorzeit immer auch den Beweis für ein richtiges Leben dar. Daran hat sich erstaunlich wenig geändert: Beim Thema Sex, Essen und Trinken, Hygiene, Streß und Schlaf oder körperliche Arbeit und Sport fallen jedem von uns gleich eine Menge verbreiteter Untugenden ein. Quacksalberei aus vor-wissenschaftlicher Zeit hat diesen Aspekt der Gesundheit ebenso in Verruf gebracht wie religiöse Verirrungen. Judentum, Christentum und Islam kennen Lehrer, die im Namen der Moral ohne jede medizinische Sachkenntnis Vorschriften erlassen haben, die halt unvernünftig sind. Tröstlich ist aber Bergdolt´s Erkenntnis, daß sich auch genug Gegenbeispiele finden lassen. An der Schwelle zum dritten Jahrtausend plädiert er dafür, vernünftige Einsichten nicht einfach auf den Müll zu werfen, weil sie alt sind. – Zum Beispiel die Tatsache, daß Vorbeugen nicht nur viele Krankheiten verhindert, sondern gerade deshalb auch billiger ist als hinterher zu kurieren.

Nur eine törichte Politik verordnet in Zeiten knapper Kassen ausgerechnet Kürzungen bei der Prophylaxe. Damit schlägt Bergdolt die Brücke zur aktuellen Debatte über die richtige Gesundheitspolitik. Sein Buch schließt mit dem Satz: "Wenn es auch eher ökonomische Gründe sind, die hier einen Wandel herbeizuführen scheinen, bleibt doch die Hoffnung, daß sich die Errungenschaften der naturwissenschaftlichen Medizin mit der Lebensweisheit jahrtausendealter abendländischer Kulturgeschichte versöhnen lassen". Widmar Puhl, SWR 2

 






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