Yasar Kemal

Salman

Roman. Unions-Verlag, Zürich. ISBN: 3-293-00266-8

Yasar  Kemal: Salman

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Jagd auf den Tiger

'Orangefarbene und blaue Falter, im Herbst handtellergroß, flatterten auf gut Glück zwischen den Felsen umher, ließen sich tastend auf ihnen nieder, flogen auf, wirbelten zu zweit umeinander, paarten sich hoch oben in den Lüften. Und dann setzte das lärmende Treiben der Schwalben ein. Pfeilschnell flitzten sie vor den Nasen der drei dahin, schwirrten über das vergilbte Gras, die verdorrten, gelben Affodille, die scharfkantigen, lila Felsblöcke der mit grünem Buschwerk betupften Hänge hinweg hoch ins Himmelszelt...' Yasar Kemals voluminöser Roman verzaubert besonders durch epische Naturbeschreibungen. Alles flimmert, gleißt und blüht, der Duft steigt buchstäblich aus den Seiten auf. Die Natur mit ihren Schauspielen wird durch die Augen eines Kindes wahrgenommen, das staunt. Der kleine Mustafa, Sohn des Ismail Aga, spielt mit Bienen und Eisvögeln und fürchtet sich vor den Adlern. Ismail Aga, der Kurde, lebt mit seinem Adoptivsohn Salman, seiner Frau und dem Sohn Mustafa in der Cukorova. Hier haben sie Zuflucht gefunden vor der Metzelei in ihrer Heimat am Van- See. Die arglose Sichtweise des kleinen Jungen wechselt mit der rationell Erzählenden des Vaters. Die Dorfbewohner mit ihren abergläubischen Gerüchten kommen in sich steigernden Tiraden zu Wort, eine Verschwörung bricht sich Bahn... Die Schlinge legt sich behutsam um den Hals des bewunderten und verehrten Ismail Aga, der einen Menschen zu lieben vergaß - 'Mustafa wuchs heran, machte seinen ersten Gehversuche und plapperte die ersten Wörter... Vom Tage seiner Geburt an war Ismail Aga in den Jungen vernarrt. Er ließ den Kleinen nicht aus den Augen, schaukelte seine Wiege, sang dazu ganz alte Wiegenlieder. Riefen ihn die Geschäfte, schob er unter tausend Vorwänden die Abreise hinaus, und hatte er sich endlich in den Sattel geschwungen, stieg er mehrmals wieder ab, um nach dem Jungen zu sehen; er beschnupperte ihn mit bekümmerten, dann wieder freudigen Blicken... Um Salman kümmerte sich niemand mehr. Das Kind war wie weggewischt. Es lag keine Absicht dahinter, nein, sie hatten eben nur Augen für Mustafa und niemanden sonst...' Salman, einst einziger und verwöhnter Sohn des Aga, vereinsamt und erwächst in eine Traumwelt. 'Dein Vater gleicht einem Tiger, dem gestreiften Tiger der felsigen Berge.' Salman dagegen ist ein Niemand, Mustafa der Kronprinz am Hofe. Wenn Salman das schönste Mädchen des Dorfes gewinnt, ist sie doch nur die abgewiesene Verschmähte seines Vaters. Seine Verbitterung stempelt ihn zum Einzelgänger. Die Kinder entweichen in panische Angst vor ihm und die Erwachsenen lachen, wenn er vorbeikommt. Yasar Kemal hat sich mit der reichen und verschlungenen Mythologie Südanatoliens auch ein Stück seiner Kindheit wiedererzählt- und verarbeitet. Ein Mosaik grausamer Details berichtet von Krieg und Vertreibung, bitterer Arbeit und betrogenen Hoffnungen. Biographien mehrerer Generationen sind lose umeinander gewebt. In ihrer Einfalt sind die Menschen voller Mißtrauen gegenüber Zugewanderten und Erfolgreichen, gleichgültig gegenüber den Armen. Ismail Aga durchbricht diesen Kanon mit seiner Güte und entwaffnendem Gerechtigkeitssinn. Man ahnt schon, das kann nicht gut ausgehen... Die harten wie wundervollen Beschreibungen der schlichten Leute und der Natur leuchten vor innerem Reichtum, erfüllt von eigenem Schauen. Man möchte kein Ende finden in diesem Buch und ist doch erschüttert von dem Unausweichlichem... Yasar Kemal wurde 1923 in einem Dorf Südanatoliens geboren. Selbst in bitterer Armut aufgewachsen, erlebt der 'Sänger und Chronist seines Landes' als Fünfjähriger, wie sein Vater beim Gebet in der Moschee von dessen Adoptivsohn erschlagen wird. Kemal schuf bereits zwei umfangreiche Werke, die sich mit Figuren und Mythen seiner Heimat auseinandersetzen; Memed I-III und die Anatolische Triologie I-III. In Salman schuf Kemal einen beachtlichen Kaleidoskop menschlichen Tuns und Träumens, das zufällig in Anatolien angesiedelt ist. Die psychologisch feingezeichnete Struktur der Titelfigur ist ergreifend. Seine Kindheitsgeschichte, die allen Beteiligten des Romans verborgen bleibt, macht den Leser frösteln. Und gleich einem schummrigen Bild der Laterna Magica ersteht ein gehetzter Salman vor unseren Augen, um langsam sein Schwert emporzuschwingen...

Anne Hahn






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