Yadé Kara

Selam Berlin

Roman. Diogenes, Zürich. 384 Seiten. 21.90 EUR . ISBN: 3-257-06335-0

Schmelztiegel Berlin, Schmelztiegel Berlin-Buch
Yadé  Kara: Selam Berlin

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Die Suche nach der eigenen Identität, deutsch-türkische Freund- und Feindschaften, der Zerfall einer Familie, die deutsche Geschichte vom Fall der Mauer bis zur Wiedervereinigung, eine Darstellung Berlins – all das in einem einzigen Buch. Ob das gut gehen kann? Yadé Kara beweist zumindest, dass es ganz schön daneben gehen kann…

Der gute alte Entwicklungsroman, er lebt; jedenfalls versucht Yadé Kara ihn aufleben zu lassen: Ein Naivling zieht hinaus in die Welt, macht dort seine Erfahrungen und reift zu einer Persönlichkeit von echter Größe heran, oder wenigstens zu einer Persönlichkeit – mit der Größe wollen wir’s mal nicht so genau nehmen: Voilà un homme.
In diesem Fall heißt er Hasan, ist 19 Jahre alt, Türke und hat soeben sein Abitur an der deutschen Schule in Istanbul gemacht – just als in Berlin die Mauer fällt. Er kapiert selbst nicht, was genau sich warum in Berlin abspielt, aber bei dieser Party will er unbedingt dabei sein und beschließt, Istanbul den Rücken zu kehren und nach Berlin zu ziehen. Hin- und fürs Erste unterzukommen ist nicht schwer, Hasans Vater hat ein Reisebüro in Berlin. Doch schon geht es mit den Komplikationen los: Hasan verliebt sich unsterblich, landet beim Film, Papas heimliche Geliebte samt zugehörigem außerehelichem Kind kommt zum Vorschein, die Familie zerbricht, und als wäre all das noch nicht genug, führen außerdem die politischen Ereignisse zur Wiedervereinigung.
Hasan trifft eine ganze Menge verschiedener Leute, und da er ja mit der Entwicklung seiner Persönlichkeit beschäftigt ist, gedenkt er, sich von jedem eine Scheibe abzuschneiden: Von seinem Kumpel Kazim die Coolness, von der Tochter des väterlichen Geschäftspartners Leyla den allgemeinen Durchblick, von ihrem Freund Redford die Klamotten. Notabene, die Klamotten! Die sind einer der Knackpunkte. Die Figuren, die Kara entwirft, sind nicht eigentlich Charaktere, sondern eher Abziehbilder; sie bestehen aus Äußerlichkeiten und Oberflächlichkeiten, und das macht das Sich-eine-Scheibe-Abschneiden natürlich nicht einfach. Ein Klischee jagt das andere, das Buch dümpelt indifferent an der Oberfläche der Dinge herum.
Kara wird nicht müde immer wieder herzubeten, welche Zigarettenmarke ihr Held raucht (bis zu zwei mal pro Seite), welche Jeansmarke er trägt und dass er beim Anblick jeder zweiten Frau, die ihm über den Weg läuft, eine Erektion hat.
Ebenso cool wie Karas Held soll auch die Sprache sein, oft genug aber wirkt sie schlichtweg aufgesetzt und unecht:

Ey man, ich sag’s euch, am Ende kommt alles auf eine Formel: One world, two Tits. Woow! Ich kriegte einen Ständer.

Ich liebte starken Tee in kleinen taillierten Gläsern, die man leicht umfassen konnte, wie kleine feste Brüste von Schulmädchen.

Nun ja, von derlei ‘tollen’ Sprüchen wimmelt das Buch. Abgesehen von den in der Regel nur eher mäßig stimmigen Metaphern ist es um die political correctness leider auch nicht gerade zum Allerbesten bestellt: Frauen, Schwule, Deutsche… die Liste ist lang und Hasan mit Vorurteilen, beiläufigen Schlägen unter diverse Gürtellinien und sonstigen politischen Unkorrektheiten nicht zimperlich.
Um es nur gleich vorwegzunehmen: Ab der Mitte des Buches wird die Handlung halbwegs spannend und erhält zum Ende hin gar eine tragische Komponente – gerettet wird das Buch dadurch allerdings auch nicht mehr. Und allen Reifungsprozessen zum Trotz ist Hasan am Ende das selbe Mondkalb wie zu Beginn.
Was bleibt? Eine Schilderung Berlins vom Mauerfall bis zur Wiedervereinigung, ein Einfangen von Situationen und Stimmungen der Zeit. Das mag der Autorin einigermaßen gelungen sein; um allerdings das grandiose Zeitdokument darzustellen, das uns der Klappentext so überschwänglich verheißt, fehlt es dem Buch auch in dieser Hinsicht gewaltig an Tiefe und Klasse.
Wie ‘historisch’ verlässlich und zuverlässig Karas Beschreibungen sind, mag dahingestellt bleiben. Es gelingt ihr ja kaum je, einen der Mainstream-Musiktitel, die sie so häufig als Memorabilien anführt, richtig zu zitieren.

Dieter Lohr






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