Reinhard Kaiser

Eos’ Gelüst

Bestseller. Schöffling, Frankfurt/Main. ISBN: 3-895-61060-7

Reinhard  Kaiser: Eos’ Gelüst

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Eos' Gelüst. Wie elegant der Apostroph Eos von ihrem Gelüst trennt! Reinhard Kaiser treibt in seinem Buch ein geistreiches Spiel mit dem Leser. Der Genuß setzt allerdings einen gewissen Bildungsstand voraus. Wer bei Eos an Eros denkt, liegt falsch, obwohl sich bald herausstellt, daß Eos' Gelüst ein ausschließlich erotisches ist. Im klassischen Griechenland war Eos die Göttin der Morgenröte - und hat sich, so die Idee in Kaisers Roman, bis heute ewig morgenfrisch erhalten. Die junge Frau, die da auf der ersten Seite den Hochhausbalkon betritt, zu der ihr gemäßen Tageszeit, wenn sich Rosa und Purpur in das Grau der Morgendämmerung mischen, homerisch rosenfingrig, nach einem neuen lusterweckenden Sterblichen Ausschau haltend, ist niemand anders als die antike Göttin selbst, die zur Zeit ihr Gelüst in der Stadt Köln zu befriedigen sucht.

In der griechischen Sage wurde Eos von Aphrodite, der sie Grund zur Eifersucht gegeben hatte, mit immerwährender Begierde nach jungen Sterblichen bestraft (eine andere Sanktion fiel der Liebesgöttin nicht ein). Um diese Begierde endlich dauerhaft zu stillen, erbat und erhielt Eos von Zeus für ihren Geliebten Tithonos Unsterblich-keit - nicht aber ewige Jugend, was ein schwerer Fehler war; denn Tithonos verrunzelte und verhutzelte und verwandelte sich zum Schluß in eine keifende Zikade - in eben das Heupferdchen Titho, das Kaisers Kölner Eos in einem Terrarium in ihrer Hochhauswohnung hält. Hat sie einen Lieb-haber zu Gast, wirft sie ein Tuch über das Kerlchen, damit es nicht so eifersüchtig am Glas kratzt.

   Titho hat allerdings längst nicht mehr so viel Grund zur Eifersucht wie früher. Eos' Begierde ist über die Jahrtausende zum Gelüst verflacht, ihr Glück bei den Männern verblaßt, sie malt auch nicht mehr in bunten Farben den Himmel, sondern hat ihre Kunst auf den Zeichenstift reduziert. Paul Anrath, neuestes Objekt ihres Gelüsts, ist denn auch ein bißchen farblos geraten. Lang und spröd verweigert er sich ihrer Ver-führung, und als er ihr endlich die Chance gibt, ihn durch ihre Liebe zu verewigen, läuft wieder was schief - wie seinerzeit bei Tithonos. Anrath wird weniger unsterblich als unwiderstehlich und sofort scharenweise von Frauen umlagert, womit auch er für Eos verloren ist. Besonders tragisch ist das nicht, es gibt ja genügend nachwachsende junge Sterbliche.

Für seinen ersten Roman Der kalte Sommer des Doktor Polidori aus der Zeit und Umgebung des englischen Dichters Byron wurde Kaiser allenthalben gelobt, weil er sich gegen schleppenden deutschen Tiefsinn und für unterhaltsame Leichtigkeit entschieden hatte. Leicht schreibt er auch hier, klare schwingende Prosa, wenn auch manche Dialoge so leicht sind wie Papier. Erneut greift er hinein ins Bildungsgut. Reinhard Kaiser liebt es offensichtlich, mit den Klötzchen zu spielen, aus denen unser Abendland gebaut ist. Dabei geraten ihm seine Figuren allerdings olympisch durchscheinend, nicht richtig ausgefüttert, gezeichnet eher als mit Farbe gemalt, und der Leser schließt das Buch, angeregt, aber nicht übermäßig entflammt durch Eos' Gelüst.

Eva Leipprand

(Rezension erschienen in: Süddeutschte Zeitung)






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