Samuel Huntington

Der Kampf der Kulturen

Sach. Europa Verlag, ISBN: 3-203-78001-1

Samuel  Huntington: Der Kampf der Kulturen

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München/Wien 1996 Europaverlag ISBN 3-203-78001-1
Kultur

Es ist ein Elend, daß die Gutmeinenden seit Äonen zwar das Gute wollen, aber ihre Appelle in Katastrophen, Kriegen und Chaos immer wieder ungehört verklingen. Liegt das an den Schwächen der humanen Programme oder an den unabänderlichen Bedingungen einer inhumanen Weltkonstruktion?

Kultur und die Identität von Kulturen prägen nach Huntington in der Welt nach dem Kalten Krieg die Muster von Kohärenz, Desintegration und Konflikt. Huntington geht davon aus, daß globale Politik multipolar und multikulturell ist. Weder gibt es eine universale Kultur noch verwestlichen die nichtwestlichen Gesellschaften. Der Westen verliert an Einfluß, asiatische Kulturen gewnnen an Bedeutung. Hungtington sieht eine auf kulturellen Werten basierende Weltordnung in Entstehung. Der Westen lebt im Konflikt mit dem Islam und China. Das Überleben des Westens hängt nach dem Altheoretiker davon ab, daß die Amerikaner ihre westliche Identität zwar als "einzigartig" realisieren, nicht aber als "universal". Ein weltlicher Kampf der Kulturen kann nur vermieden werden, wenn die Machthaber der Welt eine globale Politik ermöglichen, die unterschiedliche kulturelle Wertvorstellungen berücksichtigt.

Diesen Kernthesen geht Huntington nach und wer sich auf seine Prämissen verständigt, wird die kenntnisreichen Analysen nachvollziehen. Auf der Ebene weltpolitischer Bewegungen der Gegenwart gelten Huntingtons Feststellungen.

Huntingtons Dilemma besteht aber in seinem Begriff der Modernisierung, der ihm als mitlaufende Eigenschaft von Kulturen gilt, ohne in die kulturelle Form von Gesellschaften einzugreifen. Huntington insistiert darauf, daß technologische Modernisierungen nicht mit Verwestlichung gleichzusetzen ist. Modernisierung stärke diese Kulturen und verringere die relative Macht des Westens. Insoweit betrachtet Huntington den status-quo nur unter dem Paradigma der Kultur, ohne die Selbstläufigkeit einer globalen Technologie nachzuvollziehen. Internet, Cyberspace, E-Mail oder Fernsehen sind keine Medien, die sich selbstlos in den Dienst von Kulturen stellen. Ihre Selbstreproduktion besitzt selbst eine kulturelle Energie, die weit in die symbolischen Ordnungen von Gesellschaften und ihre Wertsetzungen hineinreicht. Diese Medien vermitteln nicht Kultur, sondern vermitteln sich in der Kultur, die sie mehr oder weniger ahnungslos appliziert. Ohne diese etwa von McLuhan entfaltete Dialektik bleibt das Kulturverständnis allein auf kompatible Werte der einzelnen Kulturen bezogen.

Folglich sieht der Politik-Theoretiker Kämpfe zwischen den Kulturen als die größte Gefahr für den Weltfrieden. Internationale Ordnung muß kulturell rückversichert sein. Huntington predigt Verständnis und Kooperation zwischen den großen Weltkulturen. Dann wird die Weltpolitik des 21. Jahrhunderts humane Intentionen verwirklichen. Unabhängig davon, daß kulturelle Toleranz spätestens mit der Aufklärung zum Traditionsgut westlicher Kultur wurde und somit selbst eine spezifische Kultur repräsentiert, kann Kultur nicht länger als Paradigma einer evolutionären Politik akzeptiert werden. Weder die Kulturmorphologien des Westen noch das Traditionserbe des Osten bieten die Resistenz gegenüber Dynamiken, die einer autopoietischen Technologie entspringen.

Es ist hier wie in den meisten Extrapolationen einer Politik der Zukunft zu befürchten, daß sie nur innerhalb ihres Paradigmas Wahrheit besitzen. Wir werden die Politik des 21. Jahrhunderts nicht neu gestalten, sondern die, die nach uns kommen. Insoweit aber dürfen Huntingtons Empfehlungen als praktische Annäherungen einer gegenwärtigen Politikrevision mit begrenzter Halbwertszeit gelten.

Dr. Goedart Palm






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