Anne Holt

In kalter Absicht

Land/Andere. Piper Verlag, 365 Seiten. 19.90 EUR . ISBN: 3-492-04423-9

Kalt und warm zugleich
Anne  Holt: In kalter Absicht

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Oft schon ist Anne Holt als das weibliche Gegenstück zu Henning Mankell beschrieben worden. Das ist natürlich Unsinn, den Mankell ist Mankell und Holt Holt. Aber wer einmal ein Buch von Anne Holt gelesen hat, der ahnt dass ihn von nun an ihre Krimis durch die Nächte begleiten und diese entscheidend verkürzen werden. In ihrem neuen Roman geht es einmal nicht um ihre Heldin Hanne Wilhelmsen und deren Team. Und eine neue Figur betritt die Bühne, die man nicht aus den Augen lassen sollte, da sie einen nicht aus den Augen lassen wird.

Vorab eine Warnung: Eltern sollten sich gut überlegen, dieses Buch zu lesen. Besonders Eltern halbjunger Kinder, die sich leicht ängstigen und lange mit einem beklommenen Gefühl hadern müssen, wenn von Schrecklichkeiten an Kindern berichtet wird; die nicht einfach kühl sagen: Ach, das ist ja nur ein Buch; aber spannend.

Und spannend ist der neue Krimi von Anne Holt; ganz einfach atemberaubend fesselnd und er wird es bis zum Schluss bleiben. Erzählt wird in knapper und schnörkelloser Weise vom Verschwinden einiger Kinder und wie man sie später wiederfindet: Mit einem Zettel, auf dem geschrieben steht: „Du hast bekommen, was du verdienst.“ Erzählt wird aber auch von einer alten Frau, die sterbend im Bett liegt und sich nicht lösen kann von einem Kriminalfall, der Jahrzehnte zurück liegt. Damals wurde unter ihrer Regie ein Mann wegen eines Sexualverbrechens an einem kleinen Mädchen verhaftet, verurteilt, dann so überraschend wie kommentarlos freigelassen, und alles wurde getan, damit diese Wende nicht in den Blick der Öffentlichkeit geriet.

Inger Vik sitzt neben der Frau und sie beschließt die Suche nach diesem Mann, von dem niemand weiß, wo er hin entschwunden ist und wie er sich seinen eigenen Fall erklärt, aufzunehmen. Sie ist Psychologin, Wissenschaftlerin, keine Polizistin. Und gerade das macht sie für Hauptkommissar Yngvar Stubo interessant, der ahnt dass er im Fall der verschwundenen Kinder mit der herkömmlichen Polizeiarbeit in ihrer Mischung aus Professionalität und Bürokratie bei gleichzeitiger Dominanz funktionaler Logik, nicht weiterkommen wird.

Zwei Personen, zwei Handlungsstränge, zwei Zeiten. Dazu Schuld und Unschuld, Bewiesenes und zu Beweisendes, Gefahr und Rettendes. Tod und Leben. Mann und Frau. Anne Holt konzentriert sich diesmal ganz auf das Feld der Dualitäten und wie schwer es ist, sich als Individuum in diesem Geflecht zu bewegen, gar zu handeln. Dabei versteht sie es ganz meisterhaft (und das ist wirklich nicht übertrieben), die Klippen, die im Setting von mysteriösem Verbrechen in der Gegenwart und einem ungeklärten Tatherkunft von einst liegen, zu umschiffen. In kalter Absicht ist dankenswerter weise nicht der x-te Aufguss der Geschichte um späte plakative Rache und verpasster Gelegenheit eine polizeiliche Fehlleistung einzugestehen und zu korrigieren.

Die Autorin verknüpft die bekannten Fäden ganz neu, färbt sie in anderen Tönen, bleibt beharrlich bei den von ihr erfundenen Helden, die nicht wissen, wie sie ihr Leben bestehen sollen und von wo aus Rettung kommen könnte. So führt einen ihr Buch weg vom vordergründigen Genuss an einer aufregenden Geschichte, die ein wenig zum Miträtseln nach Täter und Motiv einlädt. Statt dessen beschreiben die Absätze, die Teilgeschichten und die am Ende sich ineinander verwebenden Handlungsstränge so beharrlich jenes fatale Gefühl, das dafür sorgt, dass Unrecht Unrecht bleibt: Ich möchte das alles gar nicht wissen.

Und die Warnung? Anne Holt ist eine ausgezeichnete Realistin. Und so sind ihre Schilderungen vom Los und Leid der Kinder gerade deswegen so schwer zu ertragen, weil sie als schreibende Beobachterin diese nicht verlässt, als sie für sich ganz alleine auf der Welt sind. Und aus der Kälte der Tat wird Wärme bei ihrer Schilderung; und die Wärme bei der Schilderung des Verbrechens enthüllt notgedrungen die Kälte beim Begehen der Tat.

Textauszug:

„Emilie war auch früher nicht immer auf direkten Wege nach Hause gekommen. Sie war nie lange ausgeblieben, doch einmal, das musste gleich nach Gretes Tod gewesen sein, hatte er drei Stunden nach ihr suchen müssen. Er hatte überall gesucht. Zuerst ein ärgerlicher Telefonanruf; er fragte Bekannte, Gretes Schwester, die nur zehn Minuten entfernt wohnte und Emilies Lieblingstante war, die Großeltern, die das Kind seit mehreren Tagen nicht gesehen hatten. Er wählte immer neue Nummern, während seine Besorgnis in Angst umschlug und seine Finger die richtigen Tasten verfehlten. Dann lief er durch die Nachbarschaft, zog immer weitere Kreise, seine Angst wurde zu Panik, und er fing an zu weinen.“

 






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