Russel Hoban

Die Medusensequrenz

Roman. S. Fischer Verlag, 214 Seiten.

Russel  Hoban: Die Medusensequrenz

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Die erfolglose Jagd nach der Inspiration für einen neuen Romananfang ist selten so amüsant wie bei Russell Hobans Roman "Die Medusenfrequenz". Unversehens wird hier der Jäger zum Gejagten und gerät in einen Hinterhalt, den die gesuchten Stories legen: "Sie warten darauf, sich zu ereignen, sie lauern wie hungrige Tiere und warten ungeduldig auf ihren Tag".

Der gebürtige Amerikaner Hoban (Jahrgang 1925) war ursprünglich Zeichner und schrieb zunächst zahlreiche Kinderbücher, bevor er sich dem Roman zuwandte. Seit 1969 lebt er in London, und diese Stadt spielt in Hobans Buch ebenso eine wichtige Rolle wie seine ironischen Plauderereien aus dem Nähkästchen eines Schriftstellerlebens.

"Held" des Romans mit dem nichtssagenden Titel ist Hermann Orff, 49 Jahre alt, Autor zweier erfolgloser Romane. Er lebt davon, für einen halbseidenen Londoner Verleger die Klassiker der Weltliteratur in die Sprechblasen von Comics zu stopfen. Seit Jahren sucht er vergeblich nach dem Anfang für einen neuen Roman, wobei ihm nur schemenhaft klar ist, daß es um Orpheus und Eurydike gehen soll. Während er am Textcomputer sitzt und im Radio Stimmen von möglichst weit weg hört, hofft er auf den Kuß der Muse.

Nach einer elektronischen Spezialbehandlung für Künstler, denen die Ideen ausgegangen sind, geschehen plötzlich die merkwürdigsten Dinge: Computerdialoge mit einem Kraken über den Sänger des griechischen Mythos und Gespräche mit dem Haupt des Orpheus, das sich mal in einen Kohlkopf, mal in einen Fußball oder auch in eine Pampelmuse verwandelt. Eine verflossene Liebe namens Luise, eine vorübergehende Liebe namens Melanie, das Modell eines flämischen Malers auf einem Kunstdruck und die Gestalt der Eurydike verschmelzen in Orffs Phantasie zunehmend miteinander.

"Bleiben wir realistisch. Ich bin eine Halluzination", sagt Orpheus' Kopf, und fährt fort: "Meine Wahrnhmungen und mein Verständnis verändern sich von Augenblick zu Augenblick... Ich meine, du findest Eurydike nicht, indem du sie suchst". Im Knistern seines Weltempfängers stößt Orff stattdessen auf Medusa, deren von Schlangen umzüngeltes Haupt: "Hinter Medusa liegen Weisheit und der dunkle Schoß, verborgen wie eine geheime Höhle hinter einem Wasserfall. Hinter Medusa liegt die unverlorene Eurydike".

Die Besessenheit Orffs gilt also dem unerreichbaren, unmöglichen Ideal der einen Weiblichkeit schlechthin, der Muse mit ständig wechselnden Namen und Gesichtern. Die Geschichte dahinter ist für Russell Hoban eine aktuelle Form des Faust'schen Bitte an den flüchtigen Augenblick: "Verweile doch, du bist so schön". Nachdenken über die Kunst und ihr Ansinnen, eben diesen Augenblick festzuhalten.

Das klingt sehr tiefsinnig und philosophisch. Aber dieses Buch kommt witzig und unterhaltsam daher, anspruchsvoll und doch verspielt. Dichte und Tempo nehmen der Sprache alle unnötige Bedeutungsschwere. Ein schönes Beispiel für diesen Erzählstil ist die erste Begegnung des Protagonisten mit der erwähnten Muse Melanie in einer U Bahn Station: "Die Leute traten auf, nahmen ihre Plätze auf dem Bahnsteig ein, jeder mehr oder weniger gut auf den Auftritt des Tages vorbereitet. Ich spielte Herman Orff in >Lockruf des Abenteuers<. Eine langbeinige junge Frau kam vorbei, kurzer schwarzer Rock, schwarze Lederjacke, schwarze Strumpfhosen und schwarze Stiefeletten, klipp klapp". Widmar Puhl






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