Christopher Hinz

Killer aus dem Eis (Paratwa 1)

SF. Heyne Taschenbuch Verlag, 589 Seiten. ISBN: 3453119029

Christopher  Hinz: Killer aus dem Eis (Paratwa 1)

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Schon länger lag die Paratwa-Trilogie von Christopher Hinz auf meinem Lesestapel, und als ich endlich dazu kam sie zu lesen, liessen sich die vielen begeisterten Rezensionen bei Amazon USA wie Deutschland vielversprechend an, ja Hinz hatte für den Einstiegsband in die Trilogie sogar einen Compton Crook Award verliehen bekommen.

Nach knapp 100 Seiten rieb ich mir verwundert die Augen. Nach 120 Seiten beschloß ich, die Rezensionen bei im WWW noch einmal zu lesen. Konnte es wirklich an der Übersetzung von Dagmar Kreye und Abel Miser liegen, dass ich mit diesem Vertreter der klassischen Hard Science Fiction, die ich normalerweise schätze, so gar nicht warm wurde? Oder war es eine etwas zu offensichtliche Reminiszenz an Terminator, ein Effekt, der bei einem 4 Jahre nach dem ersten Terminator-Film erschienen Buch möglicherweise ganz unbewusst vom Autor eingeflochten wurde?

Geschlagene 140 Seiten dauerte es, bis die beiden Hauptfiguren der Trilogie in Augenschein traten, und fast 500 Seiten, bis sich mir ein wenig der Sense of wonder und die Begeisterung für dieses Buch zu erschließen begannen - bei aller Liebe für die SciFi, das ist einfach zu viel.

Aber der Reihe nach...

Der Roman beginnt mit einer Polizeieinheit, die auf eine verseuchte, postapokalyptische Erde zurückkehrt, um die Spur von Plünderern zu verfolgen. Dabei stellen sie fest, dass etwas Großes - zwei Stasiskammern - aus einem Geheimversteck in Philadelphia geborgen wurde, und sie fürchten sich vor dem, was möglicherweise in diesen Kammern gewesen sein könnte.

Etwas später erlebt man aus dem Blickwinkel einer jungen Frau und ihres Sohnes auf den Erdkolonien im All, wie die Insassen eben jener Stasiskammern einen bis ins Detail choreographierten Mord begehen, und es wird klar dass es sich um ein Paratwa handelt, den furchtbarsten Killer, den die Menschheit je geschaffen hat - vereinfacht gesagt, ein Geist in zwei Körpern.

Im Original heisst der Roman Liege Killer und verweist damit im Gegensatz zum deutschen Titel schon deutlich auf den Zusammenhang, dass hier nämlich ein Vasall quasi für seinen Lehnsherrn morden geht, eine Erkenntnis, für die die "Verantwortlichen" in den Raumkolonien beinahe mehr als einen Roman brauchen. Und so tauen nun die Überlebenden der Erdkatastrophe ihrerseits zwei Lebewesen aus der 200 Jahre zurückliegenden Vergangenheit auf - die einzigen, die den Paratwa zur Strecke bringen können...

Die Handlung um Nick und Gillian, das Spezialteam, ist spannend, aber - zumindest aus einem Blickwinkel 20 Jahre nach dem ersten Erscheinen des Romans - klischeeüberladen. Die Menschheit lebt in über 100 Koloniezylindern, die die Erde geostationär umkreisen und sich aus Solarenergie speisen. Einige Millionen Menschen haben nach dem biologisch-atomaren Krieg den Sprung in All geschafft, und sie sind politisch in höchst unterschiedliche Organisationen aufgesplittert, die ihrerseits von einer Art Treffen der Vorstandsvorsitzenden, dem Rat von Irrya, regiert werden. Dazwischen funken die Costeaus, ein Mittelding aus Rebellen und Raumpiraten, die sich der Politik der Kolonien nicht unterordnen wollen.

Immer wieder wird von Rezensenten gelobt, wie realistisch und glaubwürdig doch dieses Buch von Hinz sei, und ich fasse mich an den Kopf. Der größte der Raumzylinder ist über 100 km lang. Eine vom Krieg gebeutelte Menschheit schafft es, einige Dutzend lebensfähige riesengroße Raumstationen zu erschaffen und ins All zu befördern, plus die millionenstarken Überreste der Menschheit? Wir schaffen es mit Müh und Not, eine 100 Meter lange ISS irgendwie am Funktionieren zu halten, mit ganzen 900 Kubikmetern Rauminhalt, bei galoppierenden Kosten; der Start eines einzigen Space Shuttles verbraucht Unmengen Material und Geld - ich halte gerade diese Prämisse des Romans für aberwitzig und undurchführbar.

Richtig ist allerdings, dass Hinz den Leser sehr gekonnt in das komplexe Universum einführt, das er sich ausgedacht hat, nach und nach die Beziehungsgeflechte verknüpft, technisch-wissenschaftliche Informationen so erklärt und einbindet, dass alles völlig natürlich wirkt, nicht belehrend oder nur nacherzählend. Und das ist es auch, was diesen Roman interessant und lesenswert macht. Leider bleibt dennoch hinter der Vielzahl der Handlungsorte und Informationen die tatsächliche Storyline auf der Strecke, ein Großteil des vermittelten Wissens ist atmosphärisch, aber für den Handlungsverlauf überflüssiger Ballast.

Mein größter Kritikpunkt allerdings ist, dass die Charaktere nicht lebensecht sind, sondern rein auf ihre Funktionen beschränkt sind. Sie bleiben zweidimensional und ohne Tiefgang: der Hacker, der Kämpfer, der Politiker, die Mutter, der rebellische Sohn... das sind Rollenklischees, die die Figuren nicht zu durchbrechen vermögen. Ich finde es schade, dass Hinz sich die Mühe der Entwicklung einer komplexen durchdachten Zukunftsvision macht, in der er ein ganzes Storyuniversum unterbringen könnte, und dann seine Chancen bei den Protagonisten einfach vergibt.

Trotz einiger Längen und Schwächen ist das Ganze am Ende aber doch so spannend, dass ich wissen will wie es weitergeht im zweiten Teil.






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