Percy Gurwitz

Zähl nicht nur, was bitter war – Eine baltische Chronik von Juden und Deuts

Roman. Neues Leben, Berlin. ISBN: 3-355-01345-5

Percy  Gurwitz: Zähl nicht nur, was bitter war – Eine baltische Chronik von Juden und Deuts

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Riga zwischen den beiden Weltkriegen: Letten, Deutsche, Russen und Juden leben "nicht miteinander, sondern bestenfalls nebeneinander dahin", und jeder nimmt zuallererst die Nationalität seines Gegenübers wahr. Geselliger Verkehr zwischen den verschiedenen Nationalitäten ist eine Ausnahme - trotz reger Geschäftsbeziehungen.

In diesem Umfeld entwickelt sich die Freundschaft zwischen dem Deutschen Oskar Wachroth, dem Juden Jakob Kahn und Karin Reimers, Tochter eines baltendeutschen Chirurgen und Besitzers einer großen Privatklinik.

Jakob, genannt Jack, hat von seinem Vater, einem Hauptbuchhalter und Prokuristen, unbedingte Ehrlichkeit, Fleiß und Gewissenhaftigkeit, von seiner Mutter die Liebe zur Poesie mitgebracht. Mit Leidenschaft sammelt er Balladen und gibt sie gern zum Besten. Er ist ein ernster, verläßlicher Charakter.

Oskar, unehelicher Sohn einer Wäscherin, gleich ihm Schüler eines deutschen Gymnasiums, verfügt über ein allgemein gefürchtetes Mundwerk und großen Ehrgeiz. Er lernt zäh und fleißig, um irgendwann aus der Misere seiner Herkunft herauszukommen. Mit Erfolg gibt er Nachhilfestunden, vor allem in jüdischen Familien.

Karin, deren früh verwitweter Vater sich trotz seines Wohlstandes nicht von den Idealen seiner Jugendzeit gelöst hat – er behandelt u.a. mittellose jüdische Patienten unentgeltlich und weiß sich geschickt die nach 1933 aufkommenden Nazis vom Leibe zu halten – wird die Dritte im Freundschaftsbunde. Beide Jungen sind in sie verliebt, aber beide wahren dem Freunde zuliebe Zurückhaltung.

Nach Beendigung der Schule immatrikulieren sich alle drei an der juristischen Fakultät. Hier studiert auch der Ich-Erzähler Jo (Joseph R...tz), wie Jack ein Jude. Er hat sich ebenfalls in Karin verliebt, aber diese gibt ihm ziemlich klar zu verstehen, daß er sich keinerlei Hoffnung zu machen brauche. Es bleibt beim losen Kontakt zwischen Jo und dem Trio. -

Dann beginnt der Krieg, die Lebenswege führen „heim ins Reich“ (Karin und Oskar) bzw. zu Ghetto und möglichem Tod (Jack und Jo). Und kurz vor der Trennung gestehen sich Karin und Jack ihre Liebe ein.

Der Roman setzt nach einer kurzen Einleitung ein mit einer Wiederbegegnung von Jo und Karin 24 Jahre nach Kriegsende auf einer Tagung über Fremdsprachenausbildung. Die Vergangenheit wird im Gespräch wieder lebendig, und Jo nährt die Hoffnung, Karin doch noch für sich gewinnen zu können... In Rückblicken des Erzählers Jo und in einem Tagebuch von Karin wird die Geschichte erzählt von Freundschaft und Liebe, von kleinen und großen Heldentaten, begangen von kleinen Gaunern und von Menschen, die wenigstens im persönlichen Kontakt zeigen wollen, daß sie menschlich geblieben sind trotz Nazi-Ideologie, die Geschichte vom Überleben und Sterben, von Anstand und Verrat.

Der Roman nimmt schließlich eine überraschende Wende, und der Schluß ist schon beinahe zu schön – wenn da nicht Jo wäre, der weiter allein bleibt und nur dadurch gewonnen hat, daß er über sich selbst hinausgewachsen ist.

Percy Gurwitz, dem Autor dieses wunderbar zu lesenden Buches, merkt man an, daß der Roman aus eigenem Erleben gespeist wird: er kam 1919 in Riga als Sohn einer deutschsprachigen jüdischen Familie zur Welt und hat 1941-1944 Ghetto und KZ er- und überlebt. Seine Sprache ist plastisch und bewegend, und es ist immer wieder ein Genuß zu lesen, wie seine Figuren sich Zitate klassischer Literatur wie Bälle zuspielen.
Interessant auch, wie ähnlich und doch wie anders die Zustände im „Mikrokosmos“ Baltikum im Vergleich zu z.B. Deutschland oder Polen während der nationalsozialistischen Herrschaft waren. Wer sich mit der Geschichte des Dritten Reiches beschäftigt, sollte auch diese Facette kennen.

(Almut Nitzsche)






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