Annett Gröschner

heuteschupo

Sach. edition Kontext, Berlin. ISBN: 3-931-33733-2

Annett  Gröschner: heuteschupo

Dieses Buch Freunden weiterempfehlen.

Dieses Buch kaufen bei Amazon.de

Buy Annett Gröschner: heuteschupo at Amazon.com (USA)

Weitere Buchbesprechungen bei Amazon.de.

Wie geht's, ihr Ostsäcke?

Annett Gröschner geht deutschen Phänomenen auf den Grund- Essays aus zehn Jahren Wißbegierde

'Am 15. 10. 73 passierte ein Schäferhund, von Westberlin kommend, die GÜST Bornholmer Straße in Richtung Schönhauser Allee. Durchbruchszeit: 13.45 Uhr. Um 14.15 Uhr kehrte der Hund unkontrolliert auf dem gleichen Wege nach Westberlin zurück. Der Hund trug ein Halsband.'* Es ist gut, daß es Literaten wie Annett Gröschner gibt, die sich auch um die entlegenen Schreibprodukte der menschlichen Natur kümmern. Würden wir sonst wissen, wie die wachsamen DDR- Grenzsoldaten entlang der Berliner Mauer ihren Abschnittsalltag protokollierten? In ihrem Essayband mit dem unaussprechlichen Titel 'ÿbbotaprag. heute. geschenke. schupo... gthierkatt.' vereinigt Annett Gröschner Texte aus knapp einem Jahrzehnt. Sie beruhen auf den Recherchen von Archivmaterial, Interviews und einer unstillbaren Neugierde. Mit Ironie und scharfem Blick nähert sich die Autorin Geschöpfen und Geschehnissen. Wenn sie eine Reise nach Reinhardsbrunn unternimmt, wird ein Abenteuer daraus. 'Gegen 21.00 Uhr komme ich in der Dämmerung in Gotha an. Ich bin die einzige, die aussteigt... Der Bahnhofsvorplatz gehört denen, die beim Biergenuß die Masse bevorzugen. Sie stehen in kleinen Gruppen am Imbiß und sehen mich an, als sei ich in ihr Wohnzimmer eingetreten, ohne eingeladen gewesen zu sein... Mir wird etwas mulmig zumute, als ich in der Bahnhofsvorhalle auf einen Mann mit abgerissener Kleidung treffe. Er hat eine schlecht verheilte Narbe, die über den Scheitel von einem Ohr zum anderen verläuft, als habe ihn jemand skalpieren wollen, und mit dicken Stichen vernäht ist. Er ist der Einzige auf dem Bahnhof weit und breit und folgt mir auf Bahnsteig 2, wo er sich auf eine der hinteren Bänke setzt und eine Flasche zerschlägt, um mit dem zackigen Hals an den Metallstühlen herumzuschaben.' ...Man ahnt, daß die Verfasserin mit heiler Haut davonkam. Annett Gröschner ist ständig unterwegs, mogelt sich in das alte Hotel Esplanade, begleitet Grabungen auf den Schlachtfeldern bei den Seelower Höhen, bereist Trebbin und gelangt mit einem mageren Stipendium in einen Vorort von Paris; 'manchmal muß man tausend Kilometer fahren, um nach Marzahn zu kommen.' Sie widmet sich der Geschichte der Veteranenstraße, des Grenzabschnittes Gleimstraße im Prenzlauer Berg, der ehemaligen Stationierung Wünsdorf, einer DDR- Eiskremfabrik, der Stadt Magdeburg und einigen, meist verstorbenen Dichtern. Im Kapitel 'Diese Reinig hat ja nicht alle Tassen im Schrank' wird die Biographie der weitgehend unbekannten Dichterin Christa Reinig erzählt und die DDR- Kulturpolitik der fünfziger und frühen sechziger Jahre rekonstruiert. Es ist bedauerlich, daß diese aufsässigen Gedichte und Balladen dem Vergessen anheimfallen. Annett Gröschner holt sie aus den Mottenkisten des Kulturkampfes und zitiert aus der Moritat Reinigs zum Prozeß der Gladow- Bande; 'hochverehrtes publikum/ werft uns nicht die bude um/ wenn wir albernes berichten/ denn die albernsten geschichten/ macht der liebe gott persönlich/ ich verbleibe ganz gewöhnlich/ wenn ich auf den tod von bomme/ meinen freund zu sprechen komme.'** 1999 sind gleich drei Bücher der Autorin erschienen; 'Sieben Tränen muß ein Klubfan weinen/ 1. FC Magdeburg- Eine Fußballegende', 'Durchgangszimmer Prenzlauer Berg. Eine Künstlersozialgeschichte in Selbstauskünften', herausgegeben von Barbara Felsmann und Annett Gröschner und der hier besprochene Essayband. Annett Gröschner schmeichelt niemandem, ihre Skepsis ist mitunter prophetischer Natur und ihr Spott wohltuend klarsichtig. Wenn Deutsche uns Russen gemeinsam auf den Schlachtfeldern des letzten Krieges herumbuddeln, lautet ihr bissiger Kommentar; 'Einen Knochen für den 'Stern', einen Knochen für den 'Spiegel', den Rest für die Kriegsgräberfürsorge.' Die in einem Fließtext mit ausgeloster Reihenfolge gebundene Essay- Sammlung bildet eine Schatztruhe an Entdeckungen deutscher Geschichte und Alltäglichkeit.

*zitiert aus dem Bundesarchiv, Militärisches Zwischenarchiv Potsdam GT 6162, Nr. 4757/ GÜST= Grenzübergangsstelle **Bomme hatte ein reales Vorbild, den Berufsverbrecher Franz 'Bomme' Redzinski, einen stadtbekannten kleinen Ganoven, der sich in der Gegend um den Alexanderplatz herumtrieb und ab Februar 1949 bis zu seiner Verhaftung im Juni desselben Jahres Mitglied der Gladow- Bande war

Anne Hahn






Bücher neu und gebraucht
bei amazon.de

Suchbegriff:


eBay


Bücher gebraucht oder neu bei booklooker.de
Autor:
Titel:
neu
gebraucht

Ihr Kauf bei unseren Shop-Partnern sichert das Bestehen dieses Angebotes.

Danke.


Weitere Titel von und Rezensionen zu Annett Gröschner
Weitere Rezensionen in der Kategorie: Sach  



Partner-Shop: Amazon.de

heuteschupo Amazon.de-Shop
Annett Gröschner: heuteschupo

Partner-Shop: Amazon.com (USA)

Buy Annett Gröschner: heuteschupo at Amazon.com (USA)

carpe librum ist ein Projekt von carpe.com  und © by Sabine und Oliver Gassner, 1998ff.

Das © der Texte liegt bei den Rezensenten.   -   Wir vermitteln Texte in ihrem Auftrag.   -   librum @ carpe.com

Impressum  --  Internet-Programmierung: Martin Hönninger, Karlsruhe  --  19.06.2012